TrendsEin schicker Arbeitsplatz ist zu wenig


Udo Schloemer ist CEO und Gründer der Innovations-Community Factory Berlin, die ihren Mitgliedern eine Plattform für die gegenseitige Vernetzung und Zusammenarbeit bietet. Auf derzeit über 16.000 Quadratmetern bringt die Factory große Technologie-Unternehmen mit Start-ups sowie jungen Talenten zusammenUdo Schloemer ist CEO und Gründer der Innovations-Community Factory Berlin, die ihren Mitgliedern eine Plattform für die gegenseitige Vernetzung und Zusammenarbeit bietet. Auf derzeit über 16.000 Quadratmetern bringt die Factory große Technologie-Unternehmen mit Start-ups sowie jungen Talenten zusammen


Mit We Work, Mindspace und Co erobern international erfolgreiche Anbieter von Coworking-Spaces auch Deutschland – und zeigen damit, wie groß die Nachfrage von jungen Kreativen nach einem ebensolchen Arbeitsumfeld ist. Aber ist Coworking schon alles? Genügt es langfristig, nur schick gestaltete Büroflächen und Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen? Wie wollen innovative Köpfe zukünftig wirklich arbeiten? Und wie lässt sich ihr Potenzial am besten nutzen?

Der Siegeszug von Coworking knüpft an verschiedene durch die Digitalisierung vorangetriebene Entwicklungen für Gründer an. So wurden die Kosten für eine Unternehmensgründung durch die Digitalisierung enorm gesenkt und auch ein Arbeitsplatz ist heute in einem Coworking-Space günstiger zu bekommen als früher. Hier können Gründer einen einzelnen Tisch anstelle eines ganzen Büros mieten, statt langer Laufzeiten gibt es monatliche Kündbarkeit.

Coworking kann damit die Barriere, neue Firmen zu gründen senken und die Innovationskraft steigern. Das Konzept erlaubt es zudem, Ressourcen zu bündeln und gemeinsam mit anderen ein Büro oder einen Besprechungsraum zu nutzen, den sich junge Gründer alleine nicht leisten könnten. Coworking bietet damit dem Einzelnen im Schnitt mehr Service und Qualität im Arbeitsalltag. Und schließlich macht Coworking nicht nur Start-ups, sondern auch etablierte Firmen durch die Abschaffung von starren Bürostrukturen flexibler. Dies trägt zu einem generellen Paradigmenwechsel im Bezug auf das Arbeiten bei.

aktiv gestaltetes Miteinander am Arbeitsplatz

Coworking als Arbeitskonzept trifft also den Nerv der (Gründer-)Zeit. Nichtsdestotrotz wird die reine „Liberalisierung des Schreibtisches“ zukünftig nicht mehr ausreichen.
 Der Wunsch von Gründern und Innovatoren sich mit gleichgesinnten Menschen zu verbinden, um Potenziale und Synergien zu nutzen und so gemeinsam Innovationen voran zu treiben, wird ein essenzieller Grundpfeiler für die Art und Weise werden, wie diese in Zukunft arbeiten wollen und werden. Genau hier müssen Konzepte für neue Arbeitsformen ansetzen. Flexibilität und die Möglichkeit zur Vernetzung – und nicht nur das Arbeiten, im Sinne von klassischem Coworking – müssen hierbei im Vordergrund stehen.

Anonymes Nebeneinander am Arbeitsplatz wird von einem aktiv gestalteten Miteinander abgelöst. Die Möglichkeit für den gegenseitigen Austausch darf sich dabei nicht auf Raumkonzepte beschränken. Neben flexiblen Arbeitsplätzen wird es immer wichtiger werden, weitere Plattformen, wie zum Beispiel Events oder Online-Tools, für die Vernetzung untereinander zu schaffen.

 Community statt Co-Working

Einen Schreibtisch an einem festen Ort zu haben, den man täglich nutzt, wird also künftig an Bedeutung verlieren. Erfolgreich werden vor allem diejenigen Konzepte sein, die über einen physischen Ort und das Anbieten von Arbeitsplätzen hinausgehen und stattdessen eine Community erschaffen – mit all ihren Angeboten und Möglichkeiten. Sei es einen Mitgründer zu finden, mit dem am nächsten Unicorn gearbeitet wird, Hilfe bei Programmierungsfragen, Workshops, die den Arbeitsalltag verbessern, Zugang zu Entscheidern aus der Politik oder ein Event, bei dem man Branchen-Stars trifft oder sogar einen potenziellen Investor findet. In einer Community treffen gleichgesinnte Innovatoren aufeinander und bekommen, was sie brauchen, um sich zu entfalten und zu wachsen.

Der Grundpfeiler einer solchen Community, die unsere Arbeitsweisen und -orte maßgeblich verändern wird, ist ihr inhaltlicher Unterbau. Die deutsche Wirtschaft, wie wir sie in den vergangenen 50 Jahren kennengelernt haben, wird es in dieser Form in wenigen Jahren nicht mehr geben. Die Welt ändert sich rapide, und Technologie ist der Schlüssel dieser Entwicklung.

Diese Entwicklung wird für etablierte Unternehmen immer relevanter. Die Konzerne, die die Innovationskraft von Start-ups verstanden haben und suchen, werden auf Jahrzehnte ihre Marktmacht sichern und ausbauen. Die, die sich der digitalen Transformation verweigern, werden hingegen innerhalb weniger Jahre verschwinden. Gleichzeitig erkennen Start-ups mehr und mehr wie hilfreich eine Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen sein kann sowie die daraus resultierenden vielfältigen Möglichkeiten von ihnen zu lernen und zu profitieren – von struktureller Unterstützung bis hin zu möglichen Investments.

Will ein junger Entwickler isoliert in einem Büro sitzen?

Diese Potenziale der Zusammenarbeit zwischen Old und New Economy sind in höchstem Maße relevant für erfolgreiche Arbeitsformen und -orte der Zukunft. Hier werden Konzerne und Start-ups zusammenkommen, Unternehmen mit den Vordenkern des digitalen Wandels verknüpft und der Austausch zwischen ihnen gefördert, begleitet und moderiert.

Auch die „Big Player“, wie beispielsweise VW, Daimler oder die Deutsche Bank müssen mit ihren Innovationsabteilungen hier stattfinden, um nah an Talenten und frischen Ideen zu sein. Will ein junger Entwickler isoliert in einem kahlen Büro in Stuttgart oder Wolfsburg sitzen? Sicher nicht!

Erfolgreich sein werden Anbieter, die Netzwerke schaffen und damit die wichtigsten Akteure aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenbringen, um gemeinsam die digitale Transformation in unserem Land zu beschleunigen.

So sieht für mich die Zukunft der Arbeit aus. Und das ist auch der Weg, den wir mit der Factory Berlin gehen. Statt nur Büroflächen mit Schreibtischen zur Verfügung zu stellen, schaffen wir eine Plattform für den aktiv geförderten Austausch und gemeinsame Projekte. Eine Plattform für alle Marktteilnehmer, die die Potenziale und Chancen der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft erkannt haben: ob als junger Gründern, der an seinem ersten Prototyp bastelt, oder Milliardenkonzern, der auf der Suche nach dem Geschäftsfeld von Morgen ist.

In einem Themendossier widmet sich Capital dem Thema Zukunft der Arbeit. Auf der Junge Elite Konferenz kommen Deutschlands Top 40 unter 40 am 3. November in Berlin zusammen und widmen sich der Frage, wie wir künftig arbeiten werden. Hier finden Sie weitere Beiträge zum Thema: Wie wir künftig arbeiten werden (Klaus Zimmermann) Denkfehler der New-Work-Bewegung (Lars Vollmer), Vertrauen motiviert Mitarbeiter (Pia Struck), So werden Sie Manager Ihrer Emotionen (Antje Heimsoeth), Von der Stechuhr zum Homeoffice (Max Orgeldinger)

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