KolumneEin digitaler Euro auf der Blockchain

Symbolbild Blockchain
Symbolbild BlockchainGetty Images

Der digitale Euro ist derzeit ein heißes Thema. Libra und die Ankündigung der chinesischen Zentralbank, zeitnah einen digitalen, Blockchain-basierten Yuan zu emittieren, haben zu einem hohen Interesse an einem digitalen Euro als europäisches Pendant zum digitalen Yuan geführt. Sollte ein solcher digitaler Euro auf einer Blockchain emittiert werden? Wir meinen ja.

Nur ein Blockchain-basierter digitaler Euro wird Euro-notierte Smart Contracts ermöglichen, sodass Maschinen, Autos, Sensoren, etc. direkt Pay-per-Use, Leasing, Factoring usw. anbieten können. Auch der Kauf und Verkauf von Vermögenswerten, wie Immobilien oder Kunstgegenständen, und Wertpapieren wird durch einen Euro auf einem Blockchain-System wesentlich effizienter. Denken Sie beispielsweise an Wertpapierkäufe in Finanzmärkten, in denen der Handel mit beliebigen Vermögenswerten durch einen kleinen Smart Contract abgewickelt würde, während heute riesige Clearing-Infrastrukturen benötigt werden. Natürlich, für uns als Endkunden ist dies kaum ersichtlich, wenn wir per Online-Broker eine Aktie kaufen. Aber im Hintergrund rattern derzeit Server, Datenbanken – alles über 30-40 Jahre aufgebaut und mühsamst miteinander verbunden. Der Nerd spricht von Spaghetti-Programmierung.

Neben dem Euro auf einer Blockchain kann auch das Identitätsmanagement, das sich auf die digitalen Darstellungen von Personen, Unternehmen und Maschinen bezieht, auf Blockchain-Systemen sehr effizient verwaltet werden. Sowohl Euro als auch Identitäten auf der Blockchain sind für deutsche und europäische Industrieunternehmen unerlässlich (z.B. Fertigung, Mobilität, Logistik). Zu beachten ist: Jede Euro-Transaktion hat zwei Endpunkte – hier sind die Identitäten. Stand heute sind dies Menschen oder Unternehmen; in Zukunft zusätzlich noch Maschinen und Dinge.

Zentralbanken analysieren den Markt bereits

Gibt es bereits marktreife Lösungen für einen digitalen Euro? Die meisten weltweiten Zentralbanken analysieren derzeit die Auswirkungen digitaler Zentralbankwährungen, sogenannter Central Bank Digital Currencies (CBDC). Allerdings hat noch keine Zentralbank eine solche digitale Zentralbankwährung ausgegeben. China könnte folglich das erste Land sein, aber auch kleine Länder wie die Marshallinseln, Bahamas oder Kambodscha stehen in den Startlöchern. Werden diese digitalen Zentralbankwährungen auf Blockchain-Systemen emittiert? In den meisten der genannten Fälle, ja.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zwar noch keine Einführung eines digitalen Euro in absehbarer Zeit angekündigt. Allerdings existiert ein digitaler Euro bereits heute. Konkret existiert heute bereits mehrfach der Blockchain-basierter Euro. Die Commerzbank hat den Blockchain-Euro für Wertpapiergeschäfte und Machine-to-Machine Payments eingesetzt. Das deutsche Startup CashOnLedger hat eine marktreife Lösung für die Bereitstellung eines digitalen Blockchain-basierten Euro entwickelt. Monerium ist ein isländisches Startup, das ebenfalls traditionelle Währungen wie den Euro oder die isländische Krone tokenisiert hat. Sowohl CashOnLedger als auch Monerium verwenden für die Tokenisierung eine E-Geld-Lizenz. Beide verwenden den Programmcode der Kryptowährung Ethereum: Monerium macht dies auf der öffentlich Kryptowährungsinfrastruktur; CashOnLedger verwendet eine Konsortialvariante von Ethereum und lässt den Euro hinter einem IBAN-Bankkonto im Hintergrund laufen. Monerium peilt sogar an, durch die E-Geld-Lizenz zukünftig Zugang zu Zentralbankgeld zu erhalten.

Vorteile eines Blockchain-basierten Euro

Unternehmen können den von den genannten Unternehmen bereitgestellten digitalen, Blockchain-basierten Euro nutzen und in ihre Systeme und Geschäftsprozesse für erste Projekte integrieren. Ein Zahlungsvolumen des Blockchain-Euros wie bei Paypal ist aber zugegebenermaßen noch in mittelweiter Ferne. Die Auswirkungen eines solchen digitalen Euro sind im Kontext der Machine Economy besonders vielversprechend. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2025 mehr als 20 Milliarden Geräte an das Internet angeschlossen sein – fast dreimal so viele Geräte wie derzeit Menschen auf der Erde leben. Einige dieser Geräte werden auch in ein Zahlungsnetzwerk integriert. Dieses wird somit bald Hunderte von Millionen von Geräten wie Autos, Sensoren und Maschinen umfassen. Die Blockchain-Technologie ist bestens dafür geeignet, Millionen von Geräten mit einem Computerchip und damit mit einem eigenen “digitalen Geldbeutel” (Wallet” auszustatten. Dann kann ein Gerät oder eine Maschine problemlos Zahlungen empfangen und Geld überweisen – und SAP-basierte Buchhaltungsunterlagen und Rechnungen in Euro erstellen. Für diese Millionen von Geräten bietet die Blockchain-Technologie die Möglichkeit, leicht an einem Zahlungsnetzwerk teilzunehmen und dieses, zum Beispiel durch Smart Contracts, in automatisierte Geschäftsprozesse zu integrieren. Unabdingbares Element hierfür ist Verständnis der Blockchain-Technologie, der Euro “on chain” – oder natürlich der US-Dollar oder der Schweizer Franken auf Blockchain-Systemen.

Fazit

Die hohe Dynamik im Bezug auf einen digitalen Blockchain-basierten Euro ist bemerkenswert. Vor einigen Monaten war ein Blockchain-basierter Euro nur ein Thema für IT-Nerds. Mit der Aufnahme der Vision eines solchen digitalen Euro in die Blockchain-Strategie der Bundesregierung und der Förderung eines digitalen Euro durch den Bundesverband deutscher Banken (BdB) ist dieses Thema in die breite Öffentlichkeit gelangt. Weitere innovative Unternehmen, die solche digitalen Euro-Lösungen anbieten, werden in naher Zukunft auf den Markt kommen. Damit werden die Möglichkeiten für Industrieunternehmen im Bereich Fertigung, Mobilität und Logistik, einen digitalen Blockchain-Euro für ihre Produkte und Dienstleistungen zu nutzen, weiter zunehmen. Dieses Mal ist Deutschland und Europa vorne.


Über die Autoren:

Prof. Dr. Philipp Sandner leitet an der Frankfurt School of Finance & Management das Frankfurt School Blockchain Center (FSBC), welches im Februar 2017 initiiert wurde. Zu seinen Themengebieten gehören Blockchain, Crypto Assets, Distributed Ledger Technology (DLT), Euro-on-Ledger, Initial Coin Offerings (ICOs), Security Tokens (STOs), Digitalisierung und Entrepreneurship.

Jonas Groß ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und Doktorand an der Universität Bayreuth. Zu seinen Forschungsschwerpunkte gehören neben Crypto Assets, digitale Zentralbankwährungen (CBDC) und Stablecoin-Projekte wie Libra.