Smarte ProblemlöserDiese Innovation macht Plastikflaschen überflüssig

Notpla_Skipping Rocks Lab
Essbare Kunststoffalternative? – Ein britisches Startup macht es möglichPexels


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: Notpla


Das Problem:

Über 1,1 Billionen Verpackungen wurden 2018 in der EU verwendet, der Großteil bestand beziehungsweise besteht aus Plastik (die Abbauzeit von Kunststoff beträgt bis zu 450 Jahre). Die gesamte Einwegflaschenproduktion in Deutschland reicht gestapelt rund dreizehn Mal bis zum Mond. Aber nicht nur die Produktion selbst, sondern auch die unsachgemäße Entsorgung der Plastikartikel trägt zur Umweltverschmutzung bei. Laut des 2019 veröffentlichten Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde 2017 nur ein Sechstel der Kunststoffabfälle überhaupt recycelt. Städtische Großveranstaltungen veranschaulichen das Ausmaß des alltäglichen Plastikkonsums: Nach Marathonläufen, Stadtfesten oder Umzügen sind die Straßen von Müll überflutet.

Um die Plastikproduktion einzudämmen, sind alternative Rohstoffe gefragt. Doch obwohl die Entsorgung abbaubarer Bio-Verpackungen weniger CO2 erzeugt als herkömmliche Kunststoffe, ist ihre Verwendung umstritten. Zum Einen kann der Fertigungsprozess meist nicht auf die Verwendung von Erdöl und umweltschädlichem Dünger verzichten. Zum Anderen greift der Anbau der nachwachsenden Pflanzenstoffe auf wertvolle Süßwasserreserveren zurück.

Die Lösung:

Ende April versammelten sich wieder mehrere Tausend ambitionierte Sportler in London, um bei dem berühmten Londoner Marathon mitzulaufen. Um sich während des Laufes mit Flüssigkeit und wichtigen Nährstoffen zu versorgen, stehen normalerweise über eine halbe Million Plastikwasserflaschen und Energydrinks bereit. Doch in diesem Jahr wollte man die Plastikverschmutzung minimieren und Zuschauer konnten beobachten, wie durchsichtige mit Wasser gefüllte Beutelchen verteilt wurden, die sich die Teilnehmer in den Mund warfen. Müll entstand dabei nicht.

Die kleinen Wasserblasen sind eine Erfindung von Notpla. Das Startup aus Großbritannien hat die sogenannten Oohos aus einem der regenerativsten Stoffe der Natur entwickelt – Der Braunalge. Diese Tangart ist in salzigen Gewässern heimisch und kann nach Angaben des Startups innerhalb von 24 Stunden bis zu einem Meter wachsen. Laut Notpla ist der Anbau der Alge äußerst ressourcenschonend, da kein Süßwasser oder chemischer Dünger benötigt wird. Zusammen mit Wasser und Kalzium entsteht ein essbares Material, genannt Notpla.

Wer diese fortschrittliche Verpackungsalternative aus Algenextrakt lieber nicht verzehren will, kann sie nach Angaben des Startups mit Lebensmittelabfällen kompostieren. Das Material soll sich innerhalb von vier bis sechs Wochen selbstständig zersetzen. Das Unternehmen Notpla vermietet die zur Produktanfertigung benötigte Maschine an Unternehmen, um lange Transportwege zu verringern und eine lokale Produktion zu ermöglichen. Ob die Weiterverwendung der Braunalge auch eine Lösung für die Massenblüte der Algenart sein könnte, bleibt bisher noch unerprobt.

Notpla plant nun zu expandieren und die Anwendungen des gleichnamigen Materials zu diversifizieren, um Plastik in allen möglichen Bereichen zu reduzieren. Nach eigenen Angaben entwickelt das Team neue Produkte wie beispielsweise heißsiegelfähige oder wasserlösliche Folien, Abfalltüten oder Verpackungsmaterial in unterschiedlichen Größen, auch für Non-Food-Produkte.

Der Kopf dahinter:

Rodrigo Garcia Gonzalez und Pierre Paslier entwickelten das Konzept zu Notpla während sie noch zur Uni gingen. Die Beiden studierten Designtechnik am Imperial College London und am Royal College of Art Innovation. Kurze Zeit später gründeten sie das Startup Skipping Rocks Lab. Seither ist ein Team aus Designern, Chemiker, Ingenieuren und Unternehmern ist an der technologischen Umsetzung beteiligt. Im April 2017 ging eine Crowdfunding-Kampagne online, die ihr ursprüngliches Ziel bei Weitem übertraf: Umgerechnet konnten sie fast eine Million Euro sammeln. Das Geld wurde in den Aufbau einer Fertigungsstätte in London und die notwendigen Maschinen investiert. Im Sommer 2018 erhieltet Notpla zusätzliches Kapital von Sky Ocean Ventures, um die Entwicklung ihres zweiten Produktes zu fördern. Anfang 2019 beschloss das Team den Namen des Unternehmens nach dem ursprünglichen Materialstoff zu benennen. Erst kürzlich wurde Notpla im Rahmen des Green Tech Festivals in Berlin mit dem „Startup of the Year“-Award ausgezeichnet.

So sieht Notpla aus: