Smarte ProblemlöserWie eine Solarfirma Energiearmut in Afrika lindern will

Solar Cow Project_Kenia_Yolk
Das südkoreanische Team erklärt den kenianischen Schülerinnen und Schülern die Funktion der stromspendenden Solar Cow.Yolk


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: Yolk


Das Problem:

Eigentlich liegen in vielen Ländern der Sub-Sahara ideale Voraussetzung vor, um den Strombedarf mit Solarenergie zu decken. Trotzdem herrscht vor Ort häufig Energiearmut: Stromausfälle sind in vielen Regionen an der Tagesordnung, etwa die Hälfte der Haushalte ist gar nicht ans Stromnetz angeschlossen. Vor allem die Bevölkerung auf dem Land und in den Slums der afrikanischen Großstädte ist davon betroffen.

Kenias Regierung hat mittlerweile erkannt, dass saubere Energie nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern kann. Erst kürzlich ist ein gigantischer Windpark am Turkanasee entstanden – das bis dato größte Investitionsprojekt aus privater Hand in Kenia – der den Strombedarf des Landes bis zu einem Fünftel decken soll. Infrastrukturelle Probleme sorgen jedoch dafür, dass nicht alle Menschen von der neuen Entwicklung profitieren können. 2017 veröffentlichte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einen Marshallplan für Afrika, der eine Fokussierung auf erneuerbare Energien und dezentrale Energiestrukturen durch den Ausbau lokaler Netze als dringend erforderlich ansieht.

Die Energieknappheit ist mit den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen der afrikanischen Länder eng verwoben. Weil viele Haushalte keinen Zugang zu Strom haben, sind sie auf den Kauf von teuren Energiequellen angewiesen. Um diese finanzieren zu können, müssen meist auch die Kinder mit anpacken. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) werden rund 72 Millionen Kinder in Afrika zur Arbeit gezwungen – Bereits jedes fünfte Kind, viele davon im Grundschulalter, muss in der Landwirtschaft, der Viehzucht, der Fischerei oder im Bergbau mitarbeiten, um zum Unterhalt der Familie beizusteuern.

Die Lösung:

Mitten auf dem Gelände einer kenianischen Schule in Potok steht eine große Kuh, um die sich eine Gruppe Schulkinder drängt. Doch es handelt sich nicht um ein echtes Lebewesen, sondern das erfolgreiche Pilotprojekt von Yolk. Das südkoreanische Unternehmen hat sich auf Solarenergie spezialisiert und will die Energieinfrastruktur in Kenia verbessern. Dazu arbeitet das Yolk-Team mit Schulen in den ländlichen Regionen Kenias zusammen, die vom Energiemangel betroffen sind.

Vor Ort installiert Yolk solarbetriebene Ladestationen. Jedes Kind der Schule erhält eine eigene Power Bank und hat die Möglichkeit diese tragbaren Akkus an die Station anzuschließen. Während des Schulunterrichts kann sie mit Strom aufgeladen werden. Weil dieser Zapf-Vorgang an das Melken einer Milchkuh erinnert und, um das Prinzip den Kindern zu veranschaulichen, wurde das Energieprojekt auf den Namen Solar Cow getauft: Die Metall-Station hat die Form einer Kuh, die tragbaren Powerbanks, auch Power Milk genannt, die einer Milchflasche. Im Anschluss an den Unterricht können die Schülerinnen und Schüler die geladenen Akkus mit nach Hause nehmen. Laut Yolk hat jede Power Milk-Batterie eine Speicherkapazität, die genügend Energie enthält, um einen kenianischen Durchschnittshaushalt zu versorgen.

Das Solarprojekt soll nicht nur Energie liefern, um das Leben der Bevölkerung zu erleichtern. Es wurde auch mit der Intention ins Leben gerufen, Kinderarbeit zu bekämpfen und dafür zu sorgen, dass die Kinder in die Schule gehen. Weil die tragbaren Ladegeräte mit einem individuellen Modul versehen wurden, das nur mit der Solar Cow-Station kompatibel ist, müssen die Familien ihre Kinder zur Schule schicken, um kostenlosen Strom zu erhalten. Laut Yolk können sie dadurch bis zu 20 Prozent ihres durchschnittlichen monatlichen Einkommens sparen, das sie für Strom ausgegeben hätten. Parallel dazu soll die Solar Cow das Bewusstsein für Energie und Klimaschutz schärfen.

Der Kopf dahinter:

Hinter dem innovativen Energieprojekt steckt die Südkoreanerin Sen Chang. Sie studierte Produktdesign an der renommierten School of the Art in Chicago und gründete Anfang 2015 das Yolk. Im August 2018 startete das Solar Cow-Projekt. Sen Chang und das Yolk-Team wollen das innovative Energieverteilungssystem auch auf weitere Regionen ausdehnen: Künftige Projekte sind in ländlichen Gebieten Indiens und Indonesiens geplant. Das Solarenergieunternehmen schaffte es im Rahmen des Green Tech Festival 2019 auf den dritten Platz in der Kategorie „Start-up of the Year“, die die vielversprechendsten Umwelt-Start-ups auszeichnet. Erst kürzlich erhielt Yolk den CES Innovation Award und gewann eine weitere Auszeichnung und zukünftige Partnerschaft mit dem P4G Partnership Fund.

So funktioniert die Solar Cow: