KommentarDie Welt senkt den Daumen über Trump

Chinas Präsident Xi Jinping hält eine Rede und Donald Trump hört ihm im Hintergrund sitzend zu
Donald Trump macht mit seiner Politik nicht Amerika größer, sondern ChinaGetty Images

Nach dem Ausstieg der USA aus der Transpazifischen-Partnerschaft ist nun China die ökonomische Führungsmacht nicht nur in Asien. Dessen Präsident gibt das chinesische Modell nun an andere Länder weiter, die den Segen des Wohlstands ohne die Unannehmlichkeiten der Freiheit wollen. Um dieses Angebot zu untermauern, investiert China riesige Summen in den Plan für eine neue Seidenstraße und in die Asiatische Infrastrukturinvestment Bank.

Mit diesen Schritten erzielen die Chinesen die beabsichtigte Wirkung. Myanmar, das lange Zeit antichinesische Gefühle hegte, akzeptiert nun Chinas Schmeicheleinheiten. Die Führungsfigur des Landes, Aung San Suu Kyi, reiste letzte Woche nach Peking zu einer von der Kommunistischen Partei veranstalteten Konferenz.

Vietnam, das die USA als Gegengewicht zu seinem historischen Feind im Norden betrachtet, fragt sich nun, ob es den ökonomischen Führungsanspruch Pekings akzeptieren und seinen Ansprüchen im Südchinesischen Meer nachgeben muss. Der Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte denkt offen darüber nach, die Allianz seines Landes mit den USA zugunsten Chinas aufzugeben. Sogar Australien, einer unserer engsten Verbündeten, debattiert offen darüber, wie man mit dem amerikanischen Niedergang umgehen soll.

Die USA stehen im Abseits

Im Nahen Osten bereitet die Trump-Administration den Boden für Russland. Wladimir Putin führt Friedensgespräche zur Beendigung des Krieges in Syrien, während die USA am Rande des Geschehens verharren. Die Türkei – seit 1952 Nato-Mitglied – unterstützt die führende Rolle des Kremls. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan traf sich kürzlich mit Putin und Irans Präsidenten Hassan Rouhani, um sich an den Verhandlungen über die künftige Struktur der syrischen Regierung und des syrischen Staates zu beteiligen.

Ägypten war ein weiterer langfristiger Dreh- und Angelpunkt der amerikanischen Diplomatie, und Trump lobte seinen autokratischen Führer. Dennoch hat Kairo gerade einen Vertrag geschlossen, der die größte russische Militärpräsenz auf seinem Boden und in seinem Luftraum seit 1973 erlaubt. Die USA haben nicht einmal einen Botschafter in Ägypten, geschweige denn eine kohärente Politik für den Umgang mit diesem wichtigen Land.

Selbst in Europa ist Amerikas Ansehen geschrumpft. Die anfängliche Ambivalenz des US-Präsidenten gegenüber der Nato, die einer zähneknirschenden Unterstützungsbekundung gewichen ist, hinterließ Zweifel an der Glaubwürdigkeit amerikanischer Garantien. Trump trieb einen Keil zwischen die USA und Deutschland, unserem engsten Verbündeten auf dem Kontinent. Die „besondere Beziehung“ zu Großbritannien könnte durch die wiederholten Entgleisungen des Präsidenten Schaden nehmen, etwa durch seinen Impuls, anti-muslimische Videos einer rechten britischen Randgruppe zu retweeten.