BankenDie wahre Geschichte der Sparkasse Düsseldorf

Logo der Stadtsparkasse Düsseldorf
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Man könnte meinen, die deutschen Filialbanken würden in zwei unterschiedlichen Ligen spielen. Die eine Liga, das ist die mit den bekannten Problemen: Niedrigzins. Regulierung. Digitale Konkurrenz. In dieser Liga spielen zum Beispiel die Deutsche Bank, die Commerzbank, die rund 1000 Volks- und Raiffeisenbanken und eigentlich auch alle Sparkassen. Alle, bis auf eine.

Denn dann gibt es noch die andere Liga. Und in der spielt nur eine einzige Bank: die Stadtsparkasse Düsseldorf.

  • „Die Geschäfte bei Düsseldorfs Stadtsparkasse brummen wie selten zuvor“, jubelt die „Rheinische Post“.
  • „Der Zins- und Provisionsertrag ist deutlich gestiegen“, sekundiert die „Börsen-Zeitung“.
  • „Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat ein erfolgreiches Jahr 2017 hinter sich – und die Aussichten für das laufende Jahr sind mindestens genauso gut“, weiß die „Westdeutsche Zeitung“.
  • Und Vorstandschefin Karin-Brigitte Göbel prahlte bei der jüngsten Bilanz-Pressekonferenz: „Das Betriebsergebnis vor Bewertung beträgt 102,5 Mio. Euro; es liegt um 30,4 Mio. Euro über dem Vorjahr.“

Die einst affärengeplagte Stadtsparkasse Düsseldorf ist plötzlich das Bayern München des deutschen Kreditwesens. Eine Klasse für sich.

Wie kann das sein?

Um es kurz zu machen: Eigentlich kann das gar nicht sein. Und so es ist auch nicht, zeigen jetzt Recherchen des Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de. Aber wie ist es dann?

Private-Equity-Fonds mit angeschlossenem Zinsgeschäft

Die Antwort: Die Geschichte der Stadtsparkasse Düsseldorf muss neu geschrieben werden. Denn wer der Frage nachgeht, wo die üppigen Gewinne urplötzlich herkommen, der stellt fest, dass es sich bei einer der größten Sparkassen der Republik schon seit Jahren nicht mehr um ein Kreditinstitut im engeren Sinne handelt. Sondern zugespitzt formuliert um einen Private-Equity-Fonds mit angeschlossenem Zinsgeschäft.

Belege? Über eine Tochtergesellschaft namens Equity Partners GmbH investierte die Stadtsparkasse Düsseldorf seit den frühen Nullerjahren in zwischenzeitlich mehr als 50 (!) sogenannte Private-Equity-Anlageprogramme. Die Dimension dieser jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit betriebenen Geschäfte war so groß, dass die Verpflichtungen, die die Sparkasse gegenüber den Anlage-Vehikeln einging, laut alten Geschäftsberichten zwischenzeitlich fast 500 Mio. Euro erreichten. Zur Einordnung: Das damalige Konzerneigenkapital war nicht mal doppelt so hoch.

Die Stadtsparkasse ging also eine gigantische Wette ein. Wobei die damaligen Protagonisten vermutlich Wert auf die Feststellung legen, dass es sich um eine wohlkalkulierte Wette handelte, nicht um eine hochriskante – was allerdings nicht alle, die Einblick in die Sache haben, so sehen. Keine zwei Meinungen kann es hingegen bei der viel wichtigeren Frage geben: Was wurde aus der Wette? Nun, sie ging auf. Und zwar in einer Art und Weise, dass das wahre Gesicht der Sparkasse Düsseldorf heutzutage hinter einer gewaltigen Schicht von bilanziellem Make-up gar nicht mehr zu erkennen ist.

Heuschrecken-Deals

So kommt der von Finanz-Szene.de zu Rate gezogene Bilanzexperte Stefan Best, langjähriger Bankenanalyst bei Standard & Poor’s und heute Lehrbeauftragter an der Rhein-Main-Hochschule in Wiesbaden, zu folgendem Schluss: Vom 2016er-Konzernergebnis in Höhe von 71 Mio. Euro kamen 66 Mio. Euro aus Beteiligungserträgen, die wiederum aus den Private-Equity-Engagements rührten. Also ganz platt gesagt: Der Gewinn kam zu mehr als 90 Prozent aus Heuschrecken-Deals. Nicht aus Zinsgeschäften.

Dabei handelte es sich 2016 keineswegs um einen einmaligen Effekt. 2015 zum Beispiel trugen die Private-Equity-Engagements auch schon 53 Mio. Euro zum Ergebnis bei. Und 2017 dürfte der Gewinnbeitrag ebenfalls erheblich gewesen sein, auch wenn die Sparkasse bislang keine Bilanzen veröffentlicht hat. Wie lange das Ganze noch so weitergehen könnte? Bis 2021 oder 2022, sagen Eingeweihte.

Bleibt zu fragen: Warum erfährt die Öffentlichkeit von alldem nichts? Weshalb lässt sich die Vorstandschefin Göbel für einen Gewinn feiern, für den sie kaum etwas kann? Doch der Reihe nach.