GastkommentarDie Macht der Großinvestoren

Blackrock ist an Bayer und Merck beteiligt.
Blackrock ist an Bayer und Merck beteiligt
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Achim Wambach ist Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Vorsitzender der Monopolkommission.Achim Wambach ist Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Vorsitzender der Monopolkommission.


Die Marktkonzentration der mächtigsten Unternehmen in den USA hat bedenklich zugenommen. Betrug der Anteil der 100 größten Unternehmen an der Wertschöpfung 1994 noch 33 Prozent, stieg er bis 2013 auf 46 Prozent. Der US-Präsident ordnete daraufhin an, ihm zukünftig halbjährig zu berichten, welche Schritte zur Förderung des Wettbewerbs nötig seien.

In Deutschland sieht die Situation anders aus. Seit 1978 berichtet die Monopolkommission alle zwei Jahre über Stand und Entwicklung der Unternehmenskonzentration in Deutschland, letztmalig am 20. September 2016. Seit 1978 ging in Deutschland der Anteil der 100 größten Unternehmen an der Wertschöpfung aller Unternehmen von knapp 20 Prozent auf 16 Prozent zurück. Die Wirtschaft in Deutschland war schon immer mehr auf den Mittelstand ausgerichtet, und das hat sich eher noch verstärkt.

Auch die Verflechtung zwischen den 100 größten Unternehmen, sei es über Beteiligungen der Unternehmen untereinander oder über Mehrfachmandatsträger, wenn etwa Personen in mehreren Unternehmen gleichzeitig Positionen in Aufsichtsräten besetzen, hat abgenommen. So verringerte sich die Zahl der Unternehmensverbindungen über die Entsendungen von Geschäftsführern in externe Kontrollgremien von 186 in 1996 bis heute auf nunmehr 45 Fälle. Die Deutschland AG hat sich aufgelöst.

Ist somit im Hinblick auf die Wettbewerbssituation in Deutschland alles in Ordnung? Danach sieht es leider nicht aus. Zum einen sind die mächtigen amerikanischen Unternehmen auch in Deutschland und Europa aktiv. Die Wettbewerbsbehörden sind wachsam, wovon die Verfahren in Brüssel gegen Google oder in Deutschland gegen Facebook zeugen. Der enorme Anstieg der Unternehmenskonzentration in den USA ist ein internationales Problem.

Institutionelle Anleger haben kein Interesse an Wettbewerb

Zum zweiten gewinnt ein anderes Phänomen an Bedeutung, welches das Potential hat, den Wettbewerb einzuschränken, und zu dem die Monopolkommission in ihrem aktuellen Gutachten Stellung bezieht: Die Beteiligungen institutioneller Investoren, wie Versicherungen, Investitions- und Pensionsfonds sowie Private Equity Firmen, an mehreren Unternehmen eines Wirtschaftsbereichs. Diese institutionellen Investoren halten in der Regel Minderheitsbeteiligungen an den Unternehmen.

So ist beispielsweise Blackrock mit sieben Prozent an Bayer und mit über acht Prozent an Merck beteiligt. Das potentielle wettbewerbliche Problem rührt daher, dass es in einer solchen Konstellation nicht notwendigerweise im Interesse von Blackrock ist, wenn Bayer Merck Kunden abwirbt. Was auf der einen Seite gewonnen wird, geht auf der anderen Seite verloren.

Institutionelle Anleger haben oftmals die Gewinne einer ganzen Branche im Auge und nicht nur die von einzelnen Unternehmen. Daher könnten institutionelle Investoren ein reduziertes Interesse an intensivem Wettbewerb in einer Branche haben. Evidenz für wettbewerbliche Beschränkungen in einzelnen Märkten liegt vor. Eine Studie aus den USA zeigt, dass die Preise auf einigen Fluglinien stiegen, nachdem Blackrock den Vermögensverwalter Barclays Global Investors gekauft hatte. Durch die Übernahme war Blackrock an weiteren Fluggesellschaften beteiligt, die diese Fluglinien im Wettbewerb bedienten.

Die Relevanz des Problems für Deutschland ist bislang unklar. Das Potential ist aber vorhanden: Betrug das von institutionellen Investoren weltweit verwaltete Vermögen im Jahre 1980 noch knapp drei Billionen USD, so waren es 2007 bereits 48 Billionen USD, und 2014 über 85 Billionen USD. Mittlerweile halten institutionelle Investoren über 60 Prozent der Aktien der DAX Unternehmen.

Große Investoren beeinflussen Marktkonzentration

Neben den großen Konzentrationsproblemen gilt es deshalb, auch die Konzentrationen in den Beteiligungen im Auge zu behalten. So sollten die Wettbewerbsbehörden, wenn es etwa um die Fusion zwischen Bayer und Monsanto geht, auch berücksichtigen, dass Investoren wie Blackrock, Vanguard und die Deutsche Bank an diesen beiden Unternehmen bereits signifikant beteiligt sind, und darüber hinaus auch anderen Wettbewerbern. Nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch die großen Investoren im Hintergrund beeinflussen Marktkonzentration und Wettbewerb.