Kolumne Die glücklose Hand der BASF

Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
© Martin Kress
Bei Akquisitionen und Unternehmensverkäufen erweist sich der Chemieriese BASF als nicht besonders erfolgreich, wie das Beispiel der Bauchemie eindrucksvoll zeigt

Der Erwerb der Bauchemie von Degussa werde „nachhaltige Wachstumspotenziale“ erschließen und sich als „ertragsstarkes Arbeitsgebiet“ erweisen, frohlockte der Vorstand der BASF im März 2006. Damals zahlte der größte Chemiekonzern der Welt rund 2,7 Mrd. Euro für die Geschäfte. 14 Jahre später, als sich diese Prognose nicht so recht bewahrheitet hatte, ging die Bauchemie für knapp 3,2 Mrd. Euro an die Investmentgesellschaft Lone Star: Auf den Kaufpreis gerechnet eine lausige Bruttorendite von etwas mehr als einem Prozent pro Jahr – und offenbar viel zu billig losgeschlagen. Nur ein Jahr nach dem Abschluss des Deals streichen die Amerikaner 5,2 Mrd. Euro für die Bauchemie ein, die nun an den Sika-Konzern geht. Ein Plus von 2 Mrd. Euro in 13 Monaten – und ein heftiger Gesichtsverlust für die BASF SE. Ein kleines bisschen Geduld in Ludwigshafen hätte sich gelohnt.

Der Ludwigshafener Konzern gilt als Musterbetrieb, wenn es um die Exzellenz im laufenden Geschäft geht. Niemand in der Branche versteht es so gut wie BASF-Manager, an den großen Standorten Jahr für Jahr Kosten zu senken und Erträge zu steigern. Was Akquisitionen und Portfolio-Bereinigungen betrifft, gehören sie jedoch nicht zu den Weltmeistern. Mal fehlt den Vorständen der Mumm, wirklich groß zuzuschlagen wie viele Konkurrenten. Mal erweisen sich die vielen kleineren Zukäufe als nicht so profitabel wie gedacht. Mal klappt es so gar nicht mit der Integration. Man muss sich nur über die Jahre das Gehänge und Gewürge mit dem Erdöl- und Erdgas-Geschäft anschauen, das mal als ganz große Erfolgshoffnung galt und mal schnell weg sollte.

Auch der Agrarbereich der BASF schwächelt

Wiederholt sich die glücklose Geschichte der Bauchemie bei einer anderen großen Übernahme der letzten Jahre? Man kann es nicht ausschließen. Seit August 2018 gehören zur BASF einige Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäfte, die Bayer nach der Monsanto-Übernahme aus Kartellgründen abgeben musste. Kaufpreis damals: satte 7,6 Mrd. Euro in bar. BASF-Chef Martin Brudermüller frohlockte nach dem Deal über die „hervorragende“ Perspektive seines aufgestockten Agrarbereichs. Doch die Hoffnungen haben sich, vorsichtig gesprochen, bisher nur zum Teil erfüllt. Im letzten Quartal stiegen die Umsätze des Agrarbereichs um sieben Prozent, die Erlöse gingen jedoch zurück. Unter dem Strich verbuchte die BASF dort einen Gewinnrückgang (EBIT) von 116 Mio. Euro.

Der Vorstand macht für die schlechte Bilanz im Agrarbereich alle möglichen Faktoren verantwortlich – von höheren Rohstoff- und Logistikkosten bis hin zu höheren Bonuszahlungen. Man horcht jedoch auf, wenn man in der Präsentation des Vorstands auch den Hinweis auf einen „ungünstigen Produktmix“ in der Sparte liest. Sollten die Agrargeschäfte nicht gerade durch die Übernahme der Bayer-Aktiva höhere und stabilere Erträge liefern als in der Vergangenheit? Hat sich das bereits als Irrglaube erwiesen?

Fragen über Fragen, die man jetzt noch nicht seriös beantworten kann. Also am besten Wiedervorlage an dieser Stelle in zwei, drei Jahren.

Bernd Ziesemerist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint regelmäßig auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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