ExklusivDFB überprüft China-Engagement

Chinas Präsident Xi Jinping 2017 bei einem Fußballtermin mit Kanzlerin Angela Merkel und dem damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel in Berlin: Beide Regierungen haben den Start der Fußballkooperation flankiert
Chinas Präsident Xi Jinping 2017 bei einem Fußballtermin mit Kanzlerin Angela Merkel und dem damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel in Berlin: Beide Regierungen haben den Start der Fußballkooperation flankiertGetty Images

Der DFB stellt sein Engagement in China auf den Prüfstand. „Entgegen den Planungen stehen den Aufwänden bislang keine nennenswerten Erlöse entgegen“, heißt es im kürzlich vorgelegten Finanzbericht 2018 des Verbands. Dies führe dazu, „dass das Engagement des DFB laufend zu überprüfen ist“. Auf Anfrage von Capital teilte der DFB mit, derzeit gebe es allerdings keine Pläne, das China-Projekt zu beenden.

Seit Ende 2016 unterhält der DFB mit dem chinesischen Fußballverband CFA und dem chinesischen Bildungsministerium eine Kooperation – flankiert von beiden Regierungen. Im Rahmen des Projekts entsendet der DFB Trainer. 2018 habe der Verband mehrere Summercamps des Bildungsministeriums unterstützt und junge Fußballer aus 16 chinesischen Provinzen fortgebildet, heißt es im Finanzbericht. Auch bei Schiedsrichtern gibt es einen Austausch, so haben bereits deutsche Referees Partien der chinesischen Super League geleitet. Laut DFB wird derzeit gemeinsam mit der Bundesregierung eine Fortbildung für chinesische Trainer in Deutschland geplant.

Die neue Capital
Die neue Capital

Nicht nur der deutsche Fußball bemüht sich intensiv, etwa über Projekte zum Knowhow-Transfer seine Kontakte nach China auszubauen. Das Riesenreich, das einen von Präsident Xi Jinping und der Staatsspitze beförderten Fußballboom erlebt, zählt auch für andere europäische Verbände, Ligen und Clubs zu den großen Wachstumsmärkten. Wie aus seinen jüngsten Finanzberichten hervor geht, macht der DFB mit seinem Engagement in China bislang allerdings Verluste: Sie summierten sich in den vergangenen zwei Jahren auf 0,8 Mio. Euro. Auf die Frage nach den geplanten Erlösen erklärte der DFB, die Partnerschaft befinde sich immer noch im Anfangsstadium. Daher sei es „noch zu früh, um eine aussagekräftige Bewertung vorzunehmen“.

Nach Angaben von Insidern wird die Partnerschaft mit der chinesischen Seite auch noch von den Folgen eines Zwischenfalls von Ende 2017 belastet. Zum Start der Fußballkooperation war geplant, dass die chinesische U20-Auswahl Freundschaftsspiele in der Regionalliga Südwest austrägt. Doch beim ersten Spiel in Mainz kam es zum Eklat, nachdem Aktivisten auf der Tribüne tibetische Flaggen gezeigt hatten. Die Chinesen waren verärgert, dass die Gastgeber nicht einschritten. Die Regierung in Peking, der das U20-Olympiateam direkt unterstellt ist, beschwerte sich über „antichinesische Aktivitäten“ – während der DFB auf das Recht auf freie Meinungsäußerung verwies. Schon nach dem ersten Spieltag wurde das Projekt gestoppt.

„Die Sache ist bis heute noch nicht sauber geklärt“, sagte ein Kenner des chinesischen Fußballs – insbesondere im Verhältnis zwischen dem DFB und der Regierung. Daran hätten auch Gespräche von Vertretern des Verbands in China nichts Grundlegendes geändert, zumal die Chinesen auch durch das jüngste monatelange Vakuum an der Spitze des DFB und Wechsel ihrer Ansprechpartner im Verband irritiert seien. Dagegen betonte der DFB auf Anfrage, das gescheiterte U20-Projekt sei „gemeinsam aufgearbeitet“ worden. Bei einem Treffen am Rande des Fifa-Summit im Juni in Paris hätten zudem beide Verbandsspitzen ihren Wunsch nach Zusammenarbeit noch einmal bekräftigt.