KommentarDer Preis der Digitalisierung

Ein Mann sitzt im Jobcenter Düsseldorf vor einem Computer
Jobcenter Düsseldorf: Die Digitalisierung verändert die ArbeitsweltGetty Images

In meiner Heimatstadt Gütersloh haben Sie die Möglichkeit, bei einem Café oder einem schönen Essen Ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Im „Bankery“ tritt der klassische Service-Schalter in den Hintergrund. An seiner Stelle stehen iPads und Online-Portale. Banking wird zum Erlebnis. Ein Phänomen, das auch für viele andere Bereiche gilt: Die Arbeit wird sich durch die Digitalisierung in Zukunft massiv verändern. Das lesen Sie tagtäglich in etlichen Magazinen und Zeitungen. Und doch haben nur wenige Menschen eine Idee davon, welche Konsequenzen die Digitalisierung in der Gesamtwirtschaft und gesellschaftlich tatsächlich haben.

Diese digitale Entwicklung hat sicherlich viel Gutes – im Silicon Valley ist dank ihr geradezu eine Goldgräberstimmung ausgebrochen –, aber sie bringt auch eine Gefahr mit sich: Unsere Gesellschaft droht zu entzweien. Auf der einen Seite stehen die, die ihre Jobs an Computer verlieren, und auf der anderen Seite der Kluft die, die ganz vorne mit dabei sind, wenn es darum geht, die Technik weiterzuentwickeln, die eben dies zu verantworten hat.

In den USA ist die Kluft schon deutlich erkennbar. Die Menschen, die sich abgehängt und vergessen fühlen, haben Ende letzten Jahres all ihre Hoffnung in Donald Trump gesteckt, der versprach, dass alles wieder wird wie früher. Sein großes Wahlversprechen wird er wohl kaum halten können, denn auch ein US-Präsident wie er kann die Digitalisierung nicht aufhalten.

Das Gefühl abgehängt zu sein, ist unterdessen auch in Europa eingezogen – gut ablesbar am Ergebnis der letzten Bundestagswahl. Wie also schaffen es die Deutschen, dass sich hierzulande ein solcher gesellschaftlicher Zerfall nicht ausbreitet?

Der Grundpfeiler für sozialen Frieden

Ich bin der Überzeugung, dass es nur eine Möglichkeit gibt, diesen Super-GAU zu verhindern: ein bedingungsloses Grundeinkommen. Der von Götz Werner geprägte Begriff steht für viele Sichten – sei es finanziell, sozial oder gesellschaftlich. Ich sehe es vor allem als Unternehmer, der mit Standorten in den USA, Deutschland und China ganz nahe am Wandel dran ist, der sich mit der Digitalisierung vollzieht, und das Privileg hat, ihn mitzugestalten. Ich sehe, wie Produkte von renommierten Unternehmen plötzlich alt werden, überholt und nicht mehr wettbewerbsfähig – auch nicht mehr anpassbar, weil die Digitalisierung nach ganz anderen Antworten fragt. Und Sie müssen nicht in die Welt der fortschrittlichsten Künstlichen Intelligenz schauen, um diesen Wandel wahrzunehmen. Denken Sie nur zurück an die Autotelefonie. Wer hat heute noch ein Autotelefon? Alle klinken doch längst ihr Smartphone in die Konsole ein und haben damit ihr Navigationsgerät und den Musikplayer gleich mit an Bord.

Was passiert also mit den Arbeitsplätzen, was machen die Menschen, die von solchen disruptiven Veränderungen am Markt betroffen sind? Werden nun, sagen wir, 20 Prozent der Menschen zur Randgruppe? So wie in Deutschland schon 20 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht sind? Die Wirtschaftsweisen sagen aktuell ein gutes wirtschaftliches Wachstum voraus, das will ich ihnen gar nicht nehmen. Doch gerade jetzt ist die Zeit, den Wandel zu planen und in die Wege zu leiten.

Und das Grundeinkommen wird der künftige Grundpfeiler für sozialen Frieden und die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen sein.