GastbeitragDie digitalen Skills für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Forschungsfabrik des Fraunhofer Instituts in Dresden
Forschungsfabrik des Fraunhofer Instituts in DresdenGetty Images

Big Data Scientist, IT-Security Manager, Mobile Developer – vor zehn Jahren waren diese Berufe noch größtenteils unbekannt, heute gehören sie zu den gefragtesten überhaupt. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie stark sich der Arbeitsmarkt derzeitig wandelt. Jobprofile werden neu geschaffen oder verändern sich laufend weiter, fast jeder Beruf verlangt heutzutage digitale Fertigkeiten. Unternehmen stehen bei der Digitalisierung vor zwei großen Aufgaben: Sie müssen Fachkräfte finden, die bereits über diese Kompetenzen verfügen und gleichzeitig die Entwicklung weiter im Auge behalten, um ihre Belegschaft entsprechend weiterzubilden.

Hard und Soft Skills im Wandel

Spricht man von beruflichen Fähigkeiten, sind Hard und Soft Skills gemeint – also Fachkompetenzen wie Programmieren oder Social Media Know-how und Sozialkompetenzen wie Lernfähigkeit und Kreativität. LinkedIn hat in Zusammenarbeit mit der Bitkom in einer Umfrage unter Personalverantwortlichen und Vorständen von 305 Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern untersucht, welche Fähigkeiten in beiden Bereichen heutzutage besonders im Fokus stehen und wie sich die Nachfrage in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird.

Die Befragten sind der Meinung, dass die Entwicklung der Soft Skills weitaus dynamischer verläuft als die der Hard Skills. Letztere verändern sich in den kommenden zehn Jahren kaum. (Daten-)Analyse und Interpretationsfähigkeit, sowie Wissensmanagement und Projektmanagement sind und bleiben die gefragtesten Fachkompetenzen. Im Zuge der technischen Entwicklung wird zudem die Nachfrage nach allgemeiner Digitalkompetenz und Verständnis für Programmierung neben Unternehmensführung am stärksten wachsen.

Die Sozialkompetenzen von heute und morgen unterscheiden sich hingegen erheblich. Ist es zur Zeit noch am wichtigsten, kritikfähig und entscheidungsfreudig zu sein, stehen funktionsübergreifende Kompetenzen, Gesprächs- und Verhandlungsführung sowie Mitarbeiterführung in zehn Jahren an der Spitze. Darüber hinaus steigt die Nachfrage nach interkulturellen Fähigkeiten stark an.

Gefragte Soft-Skills

Diese Entwicklung beleuchtet einen weiteren Aspekt der Digitalisierung: Zusammenarbeit über sämtliche Grenzen hinweg. Neue kollaborative Arbeitsweisen wie Scrum oder Design Thinking fordern von Arbeitnehmern verstärkt, sich in neue Aufgabenstellungen hineinzudenken und in verschiedenen Arbeitsbereichen mitzuwirken. Zusätzlich haben viele Unternehmen heute einen globalen Fokus und erschließen zunehmend neue Absatzmärkte im Ausland. Im Rahmen der projektbezogenen Zusammenarbeit wird es daher immer wichtiger, nicht nur Fachfrau oder -mann zu sein, sondern auch über kulturelle und sprachliche Barrieren hinweg kommunizieren zu können. Unternehmen brauchen also eine vielfältig einsetzbare Belegschaft. Da viele berufsbezogene Ausbildungs- und Studiengänge auf die Vermittlung von oft sehr spezialisiertem Fachwissen Wert legen und als Folge Spezialisten hervorbringen, müssen Firmen dafür sorgen, dass sich ihre Mitarbeiter die fehlenden Fähigkeiten aneignen können.

Auf Veränderungen vorbereiten

Als Folge wird lebenslanges Lernen für Arbeitnehmer in Zeiten disruptiver und sich ständig weiterentwickelnder Technologien immer wichtiger. Unternehmen, deren Angestellte nicht auf dem neuesten Wissensstand sind, stagnieren und können ihr digitales Wachstum nicht vorantreiben, weil neue Technologien nicht genutzt werden können. Es ist also im eigenen Interesse, die Mitarbeiter zu schulen, um sicherzustellen, dass sie auch mit den neuesten Entwicklungen Schritt halten.

Vor diesem Hintergrund wächst die Anzahl der Unternehmen, die auf In-House-Schulungen setzen und E-Learning-Angebote für ihre Mitarbeiter bereitstellen. Große Unternehmen mit 500 oder mehr Mitarbeitern sind hier Vorreiter, 68 Prozent von ihnen stellen den Mitarbeitern bereits solche Lernmittel zur Verfügung. Am beliebtesten sind On-Demand-Lernplattformen, die bei 54 Prozent aller Unternehmen im Einsatz sind. Vorteile dieser Plattformen sind individuell abgestimmte Lerninhalte, die flexibel abgerufen werden können und sich so gut mit dem Arbeitsalltag vereinbaren lassen. Aber auch Lernprogramme auf dem PC (38 Prozent) oder integrierte Lernprogramme kommen häufig zum Einsatz (30 Prozent).

E-Learning

Auch Unternehmen müssen sich wandeln

Die Umfrage verdeutlicht den Wandel, dem der Arbeitsmarkt gerade unterworfen ist. Wie LinkedIn-Gründer Reid Hoffman sagt: Jedes Unternehmen wird bis zu einem gewissen Grad ein Technologie-Unternehmen. Somit verändern sich auch die Anforderungen an Unternehmen, denn neben der früheren HR-Kernaufgabe der Mitarbeitersuche geht es jetzt auch immer mehr darum sicherzustellen, dass sich die Mitarbeiter kontinuierlich weiterbilden. Es reicht schlicht nicht mehr, die Kompetenzen nur bei der Einstellung auf den Prüfstand zu stellen. Viele Mitarbeiter fordern von ihren Arbeitgebern mittlerweile auch entsprechende Weiterbildungsprogramme. Um Talente für sich zu gewinnen, ist ein ansprechendes Trainings-Angebot also ebenso hilfreich.

Aus diesen Gründen sollten Unternehmen – wenn noch nicht geschehen – beginnen, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. Nur so haben sie die Möglichkeit, in der digitalen Transformation nicht unter- sondern voranzugehen.

 


Barbara Wittmann

Barbara Wittmann ist Direktorin Recruiting-Lösungen sowie Mitglied der Geschäftsleitung bei LinkedIn Deutschland, Österreich, Schweiz. Zuvor war sie als Senior Vice President of Sales and Operations bei ImmobilienScout 24 und in verschiedenen leitenden Positionen bei Dell tätig.