ÖffnungspläneDer Corona-Urlaubs-Club von Kanzler Kurz

Eigentlich ein Urlaubsort: Hallstatt im österreichischen Salzkammergut
Eigentlich ein Urlaubsort: Hallstatt im österreichischen Salzkammergutimago images / Eibner Europa

Kaum zeichnen sich erste Erfolge durch die Kontaktbeschränkungen ab – und sinkende Zahlen von Neuinfektionen – da beginnen europäische Politiker schon wieder vom Urlaub zu träumen. Oder, genauer, sie träumen davon, die Pensionen, Cafés und Hotels ihrer Tourismus-Industrien wieder mit Gästen zu füllen.

Ganz vorne dabei ist natürlich der österreichische Kanzler Sebastian Kurz, der Mitte dieser Woche ein interessantes Modell vorstellte: Staaten, die erfolgreich das Coronavirus bekämpft hätten, so Kurz, könnten gegenseitig wieder Besucher aus ebensolchen Vorreiterstaaten einlassen und beherbergen. Dies sei wie „ein Club, bei dem man nur dabei sein kann, wenn keine Gesundheitsgefährdung gegeben ist“. Ein Club der Corona-Streber sozusagen. Das ist schon insofern ein forscher Vorstoß, als der österreichische Skiort Ischgl ja wie eine Virenschleuder die Pandemie durch halb Europa verteilt hatte.

Doch davon abgesehen: Wer könnte einem solchen Club überhaupt beitreten – zumindest in Europa? Derzeit sind ja die allermeisten Grenzen dicht. Und da, wo sie noch offen sind, herrschen scharfe Quarantäneregeln. Nicht unbedingt die beste Voraussetzung für Urlaub. Doch es gibt natürlich eine Reihe von Staaten, deren bisheriger Pandemie-Verlauf zumindest den Anschein erweckt, dass sie besser mit dem Virus klar kommen als andere. Entweder weil sie einen scharfen Anstieg der Infiziertenzahlen von Anfang an verhindert haben – oder weil sie es inzwischen geschafft haben, diese Zahlen zu senken. So wie es Deutschland in den vergangenen Wochen gelungen ist.

Club der Corona-Streber

Da sind zum einen zwei nordische Staaten, Dänemark und vor allem Norwegen, denen es gelungen ist, ihre Grenzen früh zu schließen und durch starke Kontaktbeschränkungen den bisherigen Verlauf abzumildern. Beide haben erste Schutzmaßnahmen schon zurückgefahren, ihre Grenzen aber sind wie die meisten noch zu. Eher meiden sollte jeder Besucher das Nachbarland Schweden, das mit seinem sehr laxen Corona-Regime ein ganz eigenes Sozialexperiment veranstaltet.

Zudem zählt tatsächlich auch Österreich zu den erfolgreicheren Staaten, hier gilt schon länger als in Deutschland ein sehr rigider Maskenzwang. Nach einem Höhepunkt der Neuinfektionen Ende März sind die Zahlen hier kontinuierlich zurückgegangen und bewegen sich mittlerweile in einem sehr niedrigen Bereich. Selbst Restaurants will das Land schon wieder öffnen. Auch die Schweiz hat das Virus nach anfänglichen großen Problemen inzwischen scheinbar in den Griff bekommen. Von einer „Abflachung der epidemiologischen Kurven“ spricht das Schweizerische Expertenkomitee für Reisemedizin (EKRM).

Zwei Überraschungen sind Portugal und Tschechien. Das Nachbarland Spaniens hat es geschafft, die Neuinfektionen auf niedrigem Niveau zumindest zu stabilisieren, und auch die Zahl der Todesfälle hält sich in Grenzen. Und der Verlauf in Tschechien, immerhin mit dem Touristenmagneten Prag und dem Riesengebirge gesegnet, ähnelt dem in Deutschland: Das Land ist weit davon entfernt, alles hinter sich zu haben, aber der bisherige Verlauf ist ermutigend.

 

… oder doch gar kein Urlaub?

Drei klassische Urlaubsländer der Deutschen allerdings kommen wohl für einen längeren Zeitraum auf gar keinen Fall in Frage: Spanien, Italien und Frankreich. Es sind die am stärksten betroffenen Länder Europas. Und selbst wenn sich, wie in Italien, eine erste Linderung abzeichnet, so liegen die Zahlen der Neuinfektionen doch immer noch auf sehr hohem Niveau. Zudem sind die Gesundheitssysteme dort rasch an ihre Grenzen geraten.

Ohnehin ist die Frage, ob Kurz‘ Traum vom Corona-Fight-Club am Ende nicht einfach ein Traum bleiben wird. Ein fröhliches europäisches Urlaubstreiben in diesem Jahr gilt unter den meisten Experten als sehr unwahrscheinlich. Der deutsche Außenminister Heiko Maas ließ sich am Mittwoch denn auch mit einer eher düsteren Prognose vernehmen. Einen normalen Urlaub mit vollen Stränden werde es in diesem Jahr nicht geben, so Maas in der ARD, „und zwar in keinem einzigen Land, weder in Europa noch in irgendeiner anderen Region der Welt“. Es sei „nicht verantwortbar, den Leuten zu sagen, dass sie international Urlaub machen könnten“.

Es wirkte wie eine Antwort auf den kecken Kanzler Kurz.

 


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