KommentarDas Jahr der Entscheidung für die Deutsche Bank

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing konnte gute Zahlen verkündenIMAGO / sepp spiegl

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren Journalisten und Rechtsanwälten viel zu tun gegeben. Doch für ihre Eigentümer und Mitarbeiter wie auch die deutschen Steuerzahler war das größte Kreditinstitut des Landes über Jahre ein Quelle der Pein: Die Aktie notiert weit weg von früheren Niveaus, die einst stolzen Deutschbanker mussten sich Hohn und Spott anhören und zugleich um ihren Job bangen. Und wegen der nicht ausgesprochenen aber implizit bestehenden Staatsgarantie Deutschlands für die Bank waren die Steuerzahler immer mit im Boot, wenn schlechte Nachrichten in der Frankfurter Taunusanlage verkündet wurden, sei es zu den diversen Rechtsstreiten oder die teure Abarbeitung von Altlasten aus der Finanzkrise. Über die vergangenen zehn Jahre hat die Bank laut Reuters rund 8,2 Mrd. Euro an Verlusten aufgehäuft.

Zumindest Aktionäre und Steuerzahler können seit diesem Donnerstag wieder etwas besser schlafen. Denn die Deutsche Bank hat für das zurückliegende Geschäftsjahr erstmals seit 2014 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Nettogewinn betrug 624 Mio. Euro nach einem Verlust von 5,7 Mrd. Euro im Jahr 2019. Damit übertraf das Institut die Markterwartungen deutlich, der Reuters-Konsens erwartete gar einen Verlust von 300 Mio. Euro. Der den Aktionären zuzuordnende Gewinn betrug allerdings nur 129 Mio. Euro, weil Inhaber eigentümerähnlicher Finanzierungsinstrumente wie etwas Nachranganleihen bedient werden. Eine Dividende ist also nicht in Sicht in diesem Jahr, in der 24-seitigen Pressemitteilung zu den Geschäftszahlen taucht das Wort gar nicht erst auf. (Hier geht es zu allen Geschäftszahlen.)

Für CEO Christian Sewing ist die Rückkehr zu schwarzen Zahlen ein großer Erfolg, nachdem er im Jahr 2018 an die Spitze der strauchelnden Ikone getreten war. Viele Mitarbeiter machen ihren Job wieder erhobenen Hauptes, auch wenn der Stellenabbau wohl noch nicht vorüber ist. Um die angestrebten Ertragsziele zu erreichen, wird die Deutsche Bank weiter ihre Kosten senken müssen. Sie will 2021 nur noch Kosten von 16,7 Mrd. Euro produzieren, vergangenes Jahr waren es noch 19,5 Mrd. Euro. Zugleich sei auf der Erlösseite nur mit einem leichten Wachstum zu rechnen, räumte der Vorstand ein. Die so genannte Cost-Income-Ratio, die den Anteil der Kosten an den gesamten Erlösen abbildet, beträgt 88 Prozent. Finanzchef James von Moltke will sie weiter drücken und kündigte an, daran in den kommenden Jahren hart zu arbeiten.“ Das bedeute, es sei „notwendig weiter zu reduzieren“. Derzeit beschäftigt die Bank weltweit rund 85.000 Mitarbeiter.

Finanzvorstand von Moltke bei der Präsentation des Zahlenwerks für 2020 (Foto: IMAGO / sepp spiegl)

Deutsche Bank-Aktie im Minus

Läuft alles nach Plan, sollen die Aktionäre in drei Jahren dann auch wieder eine Dividende für das Geschäftsjahr 2022 erhalten. „Wir sind nachhaltig profitabel und zuversichtlich, dass der insgesamt positive Trend 2021 auch in diesen schwierigen Zeiten anhält“, betonte der Vorstandvorsitzende Sewing. In diesem Jahr muss er dafür den Beweis liefern. Dass sie ausgerechnet im Pandemiejahr zurück in die Gewinnzone kam, lässt hoffen. Doch zwei große Risiken bestehen für die ambitionierten Ziele – möglicherweise auch ein Grund für die verhaltene Aufnahme der Geschäftszahlen an der Börse. Die Deutsche Bank-Aktie handelte am Mittag 1,8 Prozent im Minus bei 8,60 Euro.

Das erste Risiko ist im jüngsten Erfolg angelegt. Denn ein wesentlicher Gewinntreiber war das Investmentbanking, die Bank profitierte hier von ihrer starken Position im Emissionsgeschäft mit Anleihen und im Währungshandel. Weil Firmen und Staaten in der Krise viele Anleihen begeben haben, wuchs dieses Feld sehr stark, die Erträge stiegen um 32 Prozent auf 9,3 Mrd. Euro. Doch dieser Erfolg wird sich nicht wiederholen lassen, auch wenn die Bank Sewing zufolge Marktanteile gewonnen hat. Investmentbanking ist immer ein zyklisches Geschäft. Auf eine konkrete Prognose für diese Sparte legte sich die Bank nicht fest. Die Präsentation der 2020er-Geschäftszahlen nennt für 2022 ein Ertragsziel von 8,5 Mrd. Euro.

Das zweite Risiko liegt in der anhaltenden Covid 19-Pandemie. Man sei nun etwas vorsichtiger gestimmt als noch zum Bilanzstichtag 31. Dezember, räumte von Moltke ein. Je länger die Krise anhält und desto schwächer die Konjunktur läuft, desto weniger Kredite können Banken vergeben, während gleichzeitig mehr Schuldner ihre Darlehen nicht zurückzahlen müssen. Angesichts ihrer robusten Kapitalausstattung sollte die Deutsche Bank das wegstecken können, so dass die deutschen Steuerzahler entspannt bleiben können. Aber dennoch wird es schwieriger, in diesem Umfeld ambitionierte Renditeziele zu erreichen.

Gar nicht zur Sprache brachte die Bank zur Bilanzpressekonferenz den Komplex Donald Trump/Russland und ihr entsprechendes Exposure. Hier liegt vor allem ein Reputationsrisiko für die Bank, die unter Sewing unter viele Altlasten seiner Vorgänger dicke Striche gezogen hat.

Klare Ansage in Sachen Wirecard

Bei einem anderen Imageschaden für sein Haus hat er eine klare Kante gezeigt und seinen Aufsichtsrat Alexander Schütz öffentlich abgekanzelt. Dieser soll Medienberichten zufolge mit der Skandalfirma Wirecard verbandelt gewesen sein und dazu aufgerufen zu haben, die über das Unternehmen kritisch berichtende „Financial Times“ zum Schweigen zu bringen.

Am Donnerstag teilte die Bank mit, der Vorstand des österreichischen Fondsgesellschaft C-Quadrat gehöre nicht mehr dem Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates an, quasi eine Herabstufung. Die Aufsichtsräte sind die Chefs des Vorstandes, deshalb ist es ungewöhnlich wie deutlich Sewing sich äußerte. „Wir sagen grundsätzlich nichts, aber unsere Haltung zu der Situation haben wir auch deutlich gemacht, als dass wir das auch für inakzeptabel halten, das ist eine Frage an Herrn Schütz, man kann das aber an Veränderungen in den Ausschüssen sehen.“

Diese klaren Äußerungen werden die Messlatte sein, wenn an anderer Stelle im Haus etwas hochkochen sollte.

 


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