KolumneDas Erfolgsrezept der Dax-30-Konzerne

Bernd Ziesemer über die großen Gegner der Bankenfusion
Bernd Ziesemer über die großen Gegner der BankenfusionMartin Kress

Als Nachfolger von Dieter Zetsche schlüpft der neue Daimler-Chef Ola Källenius in verdammt große Schuhe. Einen Trend setzt der Schwede allerdings bereits mit seinem offiziellen Amtsantritt in der letzten Woche: Mit dem langjährigen Automann erhöht sich die Zahl der ausländischen Manager, die an der Spitze eines Dax-30-Konzerns stehen, auf insgesamt neun. Noch nie in der ganzen Geschichte der deutschen Wirtschaft gab es so viele ausländische Chefs wie heute. Und keiner käme auf die Idee, das für schlecht zu halten. Im Gegenteil: Die zunehmende Internationalisierung des Managements gehört zu den wichtigsten Erfolgsrezepten deutscher Großunternehmen.

Drei Amerikaner (Bill McDermott bei SAP, Rice Powell bei FMC, Steve Angel bei Linde), zwei Belgier (Stefan de Loecker bei Beiersdorf und Hans van Bylen bei Henkel), zwei Österreicher (Herbert Diess bei VW und Markus Braun bei Wirecard) und der Däne Kasper Rorsted bei Adidas finden sich in der internationalen Chef-Riege der Dax-30-Konzerne. Bei den meisten von ihnen nimmt die Öffentlichkeit gar nicht mehr wahr, dass sie nicht aus einer deutschen Familie stammen. Als CEOs repräsentieren sie unsere Wirtschaft so wieder jeder ihrer anderen Kollegen auch. Und doch ist die Tatsache, dass sie es bis ganz nach oben geschafft haben, keine Selbstverständlichkeit.

Nationalität spielt kaum noch eine Rolle

Nach 1949 blieben die deutschen Manager über Jahrzehnte weitestgehend unter sich. Allenfalls einen Österreicher oder einen Schweizer fand man in Chefbüros. Als mit Josef Ackermann 2006 der allererste Ausländer an die Spitze der Deutschen Bank rückte, galt das noch als kleine Sensation. Heute kräht kein Hahn danach, ob bei Daimler ein Deutscher oder ein Schwede Vorstandsvorsitzender wird. Bei der Besetzung einer Führungsposition spielt die Nationalität des Bewerbers kaum noch eine Rolle – so lange der Mann oder die Frau einigermaßen Deutsch sprechen kann oder zumindest bereit ist, es zu lernen. Viele andere Länder sind in dieser Hinsicht noch lange nicht so weit wie wir – man denke nur an Frankreich oder Japan. Nur in den kleinen Handelsnationen wie den Niederlanden steigen Ausländer mit noch größerer Selbstverständlichkeit in höchste Führungspositionen auf als bei uns.

Mit der Globalisierung der Wirtschaft ist ein neuer Geist in viele deutsche Konzerne eingezogen. Man vergisst das gerne, weil es inzwischen als so normal gilt. In einigen großen Unternehmen tritt zunehmend Englisch als Konzernsprache an die Stelle von Deutsch. Der Talentpool, aus dem die Aufsichtsräte bei der Besetzung von neuen Vorstandsjobs schöpfen können, hat sich dadurch in den letzten 20 Jahren deutlich vergrößert. Die Diversität wächst – und damit auch die Qualität des Managements überhaupt. Bei vielen Managern, egal ob deutschen oder ausländischen, ähneln sich inzwischen die Lebensläufe. Kaum noch jemand unter den jüngeren Top-Managern, der nicht mindestens einen Teil seiner Universitätsausbildung und erste Karrierestationen außerhalb heimischer Gefilde absolvierte. In einer Zeit, in der sich der Ungeist von Fremdenhass in der deutschen Gesellschaft wieder breitmacht, kann man mit Fug und Recht feststellen: die deutsche Wirtschaftselite ist davor gefeit.