KonjunkturBruttoinlandsprodukt erreicht im zweiten Quartal neuen Tiefpunkt

Container bei Bremerhaven
Die deutsche Kojunktur hat im zweiten Quartal einen erheblichen Dämpfer erlebt: Um rund 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal brach das Bruttoinlandsprodukt einGetty Images

Die deutsche Wirtschaftsleistung hat ihren historischen Tiefpunkt erreicht: Im Vergleich zum ersten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 10,1 Prozent und zum Vorjahreswert preisbereinigt um 11,7 Prozent ab, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Neben Import und Export seien dabei auch die Investitionen und der private Konsum dramatisch eingebrochen. Lediglich der Staat steigerte durch die Krisenmaßnahmen seine Konsumausgaben.

Damit verzeichnet die Konjunktur die stärkste wirtschafltiche Schrumpfung seit dem Beginn der Quartals-Aufzeichnungen vor 50 Jahren. Den bisherigen Höchstwert zur Zeit der Wirtschaftskrise in 2008/2009 übertraf die aktuelle Entwicklung um mehr als das Doppelte: Der stärkste Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal lag bislang bei einem Minus von 4,7 Prozent im ersten Quartal von 2009 – inmitten der Lehman-Krise.

Bereits zum Jahresanfang war das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal nach aktuellem Stand um 2,0 Prozent gesunken. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen, hatten Ökonomen zuletzt sogar mit einem noch deutlicheren Abfall der Konjunktur für Q2 gerechnet.

Ende Juni erwartete der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seiner revidierten Konjunkturprognose ein saisonbereinigtes Minus von knapp zwölf Prozent im Vergleich zum Schlussquartal von 2019. Das Münchner ifo-Institut rechnete Anfang Juli mit einem noch stärkeren Rückgang von 11,9 Prozent, das Institut für Weltwirtschaft in Kiel Mitte Juni mit einer Schrumpfung von zwölf Prozent. Die aktuelle Konjunkturentwicklung bleibt damit also hinter einigen Befürchtungen zurück.

Erholung zeichnet sich ab

Dahinter steht die allmähliche Erholung, die sich trotz des deutlichen Konjunkturdämpfers im April in den Folgemonaten abzeichnete. Weitere Indikatoren deuten ebenfalls auf einen Aufwärtstrend hin: Die Stimmung in den Unternehmen hellt sich bereits seit Mai schrittweise auf, wie der kontinuierliche Zuwachs des ifo-Geschäftsklimaindexes zeigt. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in der Kauflaune von Verbrauchern ab. Der Konsumklimaindex des GfK stieg im Juli zum dritten Mal in Folge – unter anderem wegen der Mehrwertsteuersenkung. Auch der Einkaufsmanagerindex ist im Juni deutlich auf 47,0 Punkte angestiegen und übertraf damit die bisherige Prognose leicht.

Mitte Juli bilanzierte auch das Bundeswirtschaftsministerium: „Der konjunkturelle Tiefpunkt ist durchschritten“. Zwar war der wirtschaftliche Einbruch im April beispiellos, bereits im Mai habe es aber einen Aufwärtstrend gegeben. Auch der Juni zeige einen „spürbaren Aufholprozess, die Kapazitäten sind aber noch stark unterausgelastet.“ Für die zweite Jahreshälfte ist die Aussicht daher positiver. Ab dem dritten Quartal rechnet das Ministerium mit einem positiven Wirtschaftswachstum, hielt sich mit Optimismus aber noch zurück: „Der Aufholprozess der deutschen Wirtschaft ist zwar dynamisch, steht aber erst am Anfang.“