KonjunkturprognoseWirtschaftssachverständige rechnen mit Erholung ab Sommer

Vor allem der deutsche Export hatte zuletzt unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten – mit Folgen für den Aufschwung
Vor allem der deutsche Export hatte zuletzt unter den Folgen der Corona-Pandemie gelittenPixabay

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat seine Konjunkturprognose für 2020 aktualisiert. War das Beratergremium der Bundesregierung im März noch von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukt zwischen 2,8 Prozent im besten und 5,4 Prozent im schlimmsten Fall ausgegangen, rechnen die sogenannten „Wirtschaftsweisen“ jetzt mit einem Minus der Wirtschaftsleistung von 6,5 Prozent.

„Die Corona-Pandemie wird voraussichtlich den stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik verursachen“, sagte Lars P. Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrates. „Wir erwarten, dass jedoch ab dem Sommer eine Erholung einsetzt.“ Für das kommende Jahr rechnet das Gremium mit einem Plus von 4,9 Prozent.

Die Konjunktur folge damit einem V-Szenario. Der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung liege allerdings noch tiefer als erwartet. Die Hauptgründe für die Korrektur:

  • Die jüngsten Indikatoren zeigen deutlich stärkere wirtschaftliche Schäden als erwartet.
  • Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen erfolgten später als erwartet und halten teilweise noch im Sommer an.
  • Die Auswirkungen der Krise im Ausland hatte spürbare Folgen für deutsche Exporteure.

Im Euroraum rechnet der Sachverständigenrat mit einem Rückgang des BIP um 8,5 Prozent. Für Frankreich, Spanien und Italien sind die Prognosen für die Wirtschaftsleistung noch deutlich schlechter. Die drei Länder waren in der Corona-Krise besonders stark von der Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen betroffen. Für Frankreich rechnet das Gremium mit einem Rückgang von elf Prozent, für Spanien mit einem Minus von 11,5 Prozent und für Italien mit einem Rückgang von 11,8 Prozent.

Erholung ab dem Sommer – nur nicht für den Arbeitsmarkt

In Deutschland dürfte die Bilanz für das zweite Quartal wegen des Lockdowns und den damit verbundenen Folgen für die Wirtschaft ernüchternd ausfallen. Der Sachverständigenrat rechnet mit einem saisonbereinigten Minus von zwölf Prozent für die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Schlussquartal von 2019. Zum Vergleich: In Spanien, Italien und Frankreich wird die Wirtschaft im zweiten Vierteljahr wohl um 15 Prozent schrumpfen.

Auch für den Arbeitsmarkt zeichnet sich noch keine Entspannung ab. Stattdessen sei der Bedarf an Arbeitskräften in Unternehmen weiter rückläufig. Für das laufende Jahr rechnet der Sachverständigenrat mit 2,72 Millionen Arbeitslosen – knapp 500.000 mehr als 2019. Im Euroraum zeigt sich ein ähnlicher Trend, dort werde die Arbeitslosigkeit steigen. „Der positive Arbeitsmarkttrend der vergangenen Jahre kommt damit vorerst zu einem Ende“, heißt es in dem Bericht.

Ab der zweiten Jahreshälfte ist mit einer langsamen Erholung zu rechnen. Die Entwicklung im Euroraum könnte dabei auch vom inneuropäische Tourismus beeinflusst werden, der für einige Mitgliedsstaaten von besonders großer Bedeutung ist. 2021 dürfte die Wirtschaft dagegen wieder wachsen – in Deutschland um 4,9 Prozent und im Euroraum um 6,2 Prozent. Eine Rückkehr der Wirtschaft auf Vorkrisenniveau sei frühestens 2022 möglich.

WTO vorsichtig optimistisch

Die Welthandelsorganisation (WTO) zeigt sich in ihrer Konjunkturprognose ein wenig optimistischer als noch im Frühjahr. WTO-Chef Roberto Azevedo sprach angesichts zunehmender Frachtflüge und dem Umschlag von Containern von einem Silberstreif am Horizont. Auch die großen Konjunkturpakete und schnellen Reaktionen vieler Regierungen haben ein pessimistisches Szenario für 2020 unwahrscheinlich gemacht, so die Organisation.

Einer neuen Prognose der Welthandelsorganisation zufolge könnte die Erholung dieses Jahr  schneller einsetzen als gedacht. Der Welthandel könnte demnach in einem optimistischen Szenario „nur“ um 13 Prozent schrumpfen. Läuft es schlechter könnte das Volumen des weltweiten Handels aber auch um 32 Prozent zurückgehen.