KonjunkturFünf Zahlen zu den wirtschaftlichen Folgen der Krise

Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen hat auch die wirtschaftliche Erholung eingesetzt, die wirtschaftlichen Folgen der Krise lassen sich aber nur teilweise absehen
Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen hat auch die wirtschaftliche Erholung eingesetztimago images / MedienServiceMüller

Die deutsche Wirtschaft wird sich nur langsam von der Rezession erholen, prognostiziert das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht. Zwar habe sie seit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Mai an Fahrt aufgenommen. „Der weitere Erholungsprozess im zweiten Halbjahr und auch danach wird schleppend erfolgen und sich länger hinziehen“, heißt es allerdings in dem Bericht. Grund sei auch die Ungewissheit darüber, wie sich die Pandemie weiter entwickle.

Noch sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise nicht vollständig absehbar. Immer mehr Zahlen und Daten gewähren aber Einblicke in die Lage. Capital hat fünf von ihnen zusammengetragen.

#1 Exporteinbruch um fast ein Drittel

Die Corona-bedingten Reise- und Handelsbeschränkungen haben Deutschlands Außenhandel schwer erfasst. Zwar hatten Prognosen schon einen Rückgang erwartet, der Einbruch der deutschen Exporte um 31,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert war allerdings nahezu doppelt so hoch wie erwartet. Seit Beginn der Außenhandelsstatistik ein historischer Abfall.

Auch die Importe gingen um 21,6 Prozent im Vergleich zum April 2019 zurück, blieben damit aber unter den Werten in der Finanzkrise von 2008/2009. Vor allem die Exporte nach Europa und in die USA waren von den Folgen der Pandemie betroffen. Nach Frankreich sanken die Ausfuhren im Vergleich zum März um fast die Hälfte, nach Italien und die USA schrumpften sie um mehr als ein Drittel.

Der Außenhandel bricht ein (Quelle: Destatis)

#2 Rekordhoch bei Kurzarbeiterzahlen

Rund 11,7 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit haben Unternehmen bis Ende Mai angezeigt, davon 1,06 Millionen im Mai. Da einige Unternehmen die Anzeigen vorsorglich vornehmen, liegt die genaue Anzahl der tatsächlichen Kurzarbeiter niedriger. Einer Berechnung des Münchener ifo-Instituts zufolge sind es aktuell 7,3 Millionen Beschäftigte, die Bundesagentur für Arbeit rechnet für April mit sechs Millionen Kurzarbeitern.

Damit liegt der aktuelle Stand aber deutlich über bisherigen Werten. Zum Vergleich: In der Finanzkrise lag der höchste Wert im Mai 2009 bei 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Anders als in 2009 trifft die aktuelle Krise gleich mehrere Wirtschaftszweige schwer. In der Corona-Krise sind dagegen vor allem die Gastrobranche, die Metall- und Elektroindustrie und der Dienstleistungssektor betroffen, bilanziert der Bericht des Wirtschaftsministeriums.

#3 Arbeitsmarkt: Erster Rückgang bei Erwerbstätigen seit 10 Jahren

Zwar hat die Kurzarbeit die Arbeitslosenzahlen gedämpft. Seit März sind saisonbereinigt trotzdem 600.000 Personen ohne Arbeit. Anfang Mai lag die Arbeitslosenquote damit bei 6,1 Prozent. Im April ist dagegen auch die Zahl der Beschäftigten zum ersten Mal seit zehn Jahren gesunken – um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Der Konjunktureinbruch und die pandemiebedingten Einschränkungen treffen den Arbeitsmarkt massiv“, bilanziert das Wirtschaftsministerium in seinem Bericht. Auch die sogenannte „Frühjahrsbelebung“, die sich für gewöhnlich im April in einem Plus an neuen Beschäftigten bemerkbar macht, ist Corona-bedingt ausgeblieben. Eine Erholung lasse sich Frühindikatoren zufolge vorerst nicht erwarten, heißt es im Bericht des Wirtschaftsministeriums.

#4 Fast 47 Mrd. durch KfW-Notkredite

Ein Volumen von 100 Mrd. Euro hatte die Bundesregierung für KfW-Notkredite vorgesehen, als das Kredit-Programm Ende März an den Start ging. Sie sollen Unternehmen, die Corona-bedingt in finanzielle Schwierigkeiten stecken, Liquidität verschaffen. Die KfW übernimmt dabei einen Großteil des Risikos, für Großunternehmen bis zu 80 Prozent, bei kleinen und mittelständischen Unternehmen bis zu 90 Prozent. Mittlerweile hat die staatliche Förderbank 61.403 Anträge bewilligt (Stand: 12.06.2020). Das entspricht einer Summe von 46,9 Mrd. Euro. Vor allem im April nahm die Anzahl an Anträge um zwischenzeitlich bis zu 8000 Neuanträge pro Woche zu. Anfang Juni waren es dagegen zwischen 3000 und 4000 neue Anträge pro Woche.

#5 BIP: Stärkster Rückgang seit Finanzkrise von 2009

Um 2,2 Prozent ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal zurück. Das Statistische Bundesamt bewertete den Abfall als stärksten Rückgang seit der Finanzkrise. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit aber noch nahezu glimpflich davongekommen: In Frankreich und in Italien sank die Wirtschaftsleistung um mehr als das Doppelte. Das weltweite BIP schrumpfte preisbereinigt und im Vergleich zu Ende 2019 um 2,9 Prozent.

Einbruch des BIP in Deutschland (in %)


source: tradingeconomics.com

Auch für das zweite Quartal ist Prognosen zufolge mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. Grund sind auch hier die Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Die Bundesregierung rechnet für das Jahr 2020 bereits mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 6,3 Prozent. Einige Wirtschaftsforschungsinstitute gehen sogar von einem noch stärkeren Einbruch aus. Die globale Wirtschaftsleistung soll einer OECD-Prognose zufolge um 6,0 Prozent schrumpfen.