BörseWarum die Aktienmärkte dem Abschwung trotzen

Händler an der Frankfurter Börse
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Die Nachrichten über die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse weltweit könnten in diesem Jahr viele Anleger entmutigen: Der Handelsstreit zwischen China und den USA ist – bis auf kurze Phasen der Beruhigung – ein einziges Desaster für beide Volkswirtschaften und alle Staaten, die damit verbunden sind. So leidet auch Deutschland als exportstarke Nation unter dem Handelskrieg. Schon mehren sich die Stimmen, dass das Land geradewegs auf eine Rezession zusteuert. Dazu kommt die schwächelnde Wirtschaft in Europa und der nach wie vor ungeklärte Brexit, bei dem niemand weiß, ob er nun doch hart verläuft. Die anhaltend lockere Geldpolitik der Zentralbanken ist überdies für viele ein Zeichen, dass die Zeiten krisenreich bleiben.

Da wirkt es wie ein Widerspruch, dass sich die Aktienmärkte in diesem Jahr äußerst positiv entwickeln. Stand etwa der deutsche Leitindex Dax Anfang des Jahres bei rund 10.800 Punkten, ging es seitdem bergauf – teilweise bis auf 12.600 Punkte Ende Juni. Derzeit bewegt er sich rund um die 12.000er-Marke. Der US-amerikanische Index S&P 500 liegt derzeit im Vergleich zu Jahresbeginn rund zwölf Prozent höher, der japanische Leitindex Nikkei etwa zehn Prozent.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Aktienmärkte spekulieren auf bessere Zeiten

Für Fondsmanager Robert Beer von der gleichnamigen Investmentboutique ist dies durchaus eine logische Entwicklung. „An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und hier wird von einer Entspannung dieser unsicheren Lage ausgegangen, verbunden mit positiveren wirtschaftlichen Daten und einer Fahrt aufnehmenden Weltkonjunktur.“ Die Märkte nähmen solche Entwicklungen vorweg. Denn tatsächlich gibt es Hoffnung, dass sich die Lage künftig verbessert. Da ist zum einen US-Präsident Donald Trump, der auf eine Wiederwahl im nächsten Jahr spekuliert und dazu „eine starke Wirtschaft mit festen Aktienmärkten“ braucht. Da ist auch China, das durch US-Zölle und Proteste in Hongkong bereits einige wirtschaftliche Tiefschläge einstecken musste. „Beide Seiten sollten daher in den kommenden Monaten an einer gesichtswahrenden Einigung interessiert sein“, mutmaßt Beer.

Zudem seien europäische Wertpapiere unterbewertet, beobachtet der Anlageprofi. Europäische Standardwerte seien in den vergangenen vier Jahren kaum gestiegen. „Viele Marktteilnehmer stehen unter enormen Renditedruck und sind zudem unterinvestiert“, sagt Beer. Anleger seien deshalb an Käufen interessiert – was den Fondsmanager optimistisch in die Zukunft der Aktienmärkte blicken lässt.

Aktien sind die bessere Wahl

Nicht zuletzt sind Aktien im Vergleich zu Anleihen und Immobilien nach wie vor attraktiver. Denn während es bei Zinsanlagen durch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken kaum etwas für Anleger zu holen gibt, werfen Aktien jährliche Dividenden ab. Der Meinung ist auch Seema Shah, Chefstrategin des US-Vermögensverwalters Principal Global Investors: Zwar seien die Aktienmärkte teilweise zu optimistisch bewertet, „dennoch sind Aktien weiterhin die bessere Wahl als Staatsanleihen“. Besondere Chancen sieht sie bei Finanztiteln, da diese von einer steileren Zinskurve profitieren dürften, sobald sich das Wirtschaftswachstum wieder stabilisiert.

Bei all der Euphorie sollten Anleger aber dennoch nicht die Risiken für den Aktienmarkt aus dem Blick verlieren, warnt die Schoellerbank in ihrem aktuellen Kapitalmarktausblick. Denn obwohl der Aktienmarkt realistisch bewertet sei, gebe es im Fall einer Rezession kaum Puffer: „Die Asset Manager der Schoellerbank halten es für angebracht, einen Teil der Gewinne mitzunehmen und trockenes Pulver für eine mögliche Korrektur zu schaffen“, raten die Autoren des Berichts.