FinanzevolutionBlockchain - Mantra der Digitalisierung

Blockchain
Für die Blockchain-Technologie sind viele Anwendungen denkbar
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Den Jahreswechsel haben meine Frau und ich in Rom verbracht. Rom ist eine imposante Stadt, die die großen Heilsversprechen der Antike, des Mittelalters und der Kirchengeschichte in ihren Bauwerken dokumentiert. Heilsversprechen wollen unser Denken und Verhalten beeinflussen. Galten früher die Heilsversprechen den römischen Cäsaren oder dem christlichen Glauben, so vertreten heute viele mit fast religiösem Eifer das Credo der Digitalisierung.

Die Digitalisierung soll die Art wie wir kommunizieren, arbeiten und leben verändern. Nun zeigt auch Roms Geschichte, dass ein Glaubenssatz allein nicht ausreicht, um Menschen zu überzeugen. Dazu bedarf es bestimmter Fundamente und einer tieferen Begründung. Die Heilsversprechen der Digitalisierung, die uns eine bessere, fairere und sicherere Welt versprechen, fußen auf verschiedensten Fundamenten. Einer dieser Pfeiler wird als Blockchain bezeichnet. Sie sorgte zunächst als technisches Konzept über die Kryptowährung Bitcoin in der Finanzbranche für Aufsehen und fräst sich mittlerweile in immer mehr Anwendungen der Wirtschafts- und Rechtspraxis.

Vater und Sohn Tapscott widmeten der „Blockchain Revolution“ im vergangenen Jahr ein viel verkauftes Buch mit dem Untertitel: „Wie die Technologie hinter Bitcoin nicht nur das Finanzsystem, sondern die ganze Welt verändert“. Es bleibt aber schwierig, dieses Konzept in drei Sätzen so zu erklären, dass sich Laien und Experten gleichermaßen darin wiederfinden.

„Protokoll des Vertrauens“

Man kann Blockchain beispielsweise als eine technische Architektur verstehen, die Verfügungsrechte an materiellen und immateriellen Gütern rechts- und fälschungssicher dokumentiert. Transaktionen werden dabei nicht durch eine vertrauenswürdige dritte Partei verifiziert und aufgezeichnet, sondern durch verschiedene Teilnehmer über ein technisches Protokoll, dass Don und Axel Tapscott auch als „Protokoll des Vertrauens“ bezeichnen. Dieses Protokoll sorgt in der programmtechnischen Umsetzung mit Hilfe vereinbarter kryptografischer Verfahren dafür, dass der derjenige, der ein Recht (also z.B. an Geld oder einem Wirtschaftsgut) übertragen will,

+ dies auch darf,

+ dieses Recht nicht mehrfach übertragen wird und

+ die Übertragung nicht inhaltlich manipuliert werden kann.

Darüber hinaus – und das elektrisiert unter dem Stichwort Identity Management die Innovatoren in Wissenschaft, Unternehmen und Behörden – verspricht das Protokoll den Abgleich digitaler Datensätze über alle möglichen Informationen bei voller Kontrolle der Informationsnutzung durch die Rechteinhaber.

Es ist weiterhin schwer, diese Anwendungen einfach nur in einem Text zu beschreiben. Ich hatte im vergangenen Jahr mehrfach die Möglichkeit, auf dem Blockchain-Konzept basierende Anwendungen als Demo zu sehen. Man bekommt so viel eher ein Gefühl für den potenziellen praktischen Nutzen, stellt aber auch fest, dass die Technologie für manche Themenstellung überdimensioniert sein kann. Leider gibt es bisher in Deutschland kaum öffentlich sichtbare Anwendungsbeispiele, mit denen interessierte Nicht-Experten die Stärken und sicher auch die Schwächen des Konzeptes selbst erfahren können.