Exklusiv Bayer-CEO Baumann über Impfstoff: „Mehr als genug für die ganze Welt!“

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer, sieht nationale Alleingänge in der Produktion von Impfstoffen kritisch.
Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer, sieht nationale Alleingänge in der Produktion von Impfstoffen kritisch.
© IMAGO / Sven Simon
Der Mangel an Corona-Impfstoffen im Frühjahr hat Diskussionen befeuert, ob möglichst viele Länder die Vakzine selbst produzieren sollten. Bayer-CEO Werner Baumann warnt dagegen vor nationalen Alleingängen – auch weil es bald ausreichend Vakzine gäbe

Bayer-Chef Werner Baumann warnt eindringlich davor, dass alle Nationalstaaten eigene Produktionskapazitäten für Impfstoffe und andere Medikamente aufbauen. Auf entsprechende Vorschläge aus der Politik entgegnet er: „Ich kann den Reflex verstehen, aber sehe das sehr kritisch.“ Es gebe Bereiche, in denen die Politik regionale oder nationale Bereitschafts- oder Notfallreserven schaffen sollte. „Aber für die reguläre medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten brauchen wir das nicht“, so der CEO.

Die neue Capital ist ab dem 15. Juli im Handel
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Angesichts des Mangels an Corona-Impfstoff im Frühjahr dieses Jahres hatten Politiker unterschiedlicher Parteien gefordert, mehr Impfstoff in Deutschland zu produzieren. Das Land solle so insgesamt unabhängiger von Pharmaimporten aus dem Ausland werden. Baumann sagt, über die Nationalisierung der Impfstoffproduktion werde unter dem Eindruck der Knappheit diskutiert.

Konstruiertes Systemversagen

Mit Blick auf die schon laufenden und noch geplanten Produktionen sagt er: „Die jetzt geplanten Kapazitäten reichen, um in den nächsten zwölf Monaten zehn, vielleicht sogar 20 Milliarden Dosen Impfstoff gegen Covid-19 herzustellen – und das bei Bedarf jährlich zu wiederholen. Das ist mehr als genug für die ganze Welt.” Unter dem Eindruck der Knappheit weitere Kapazitäten aufzubauen, „ergibt einfach keinen Sinn“.

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Zugleich warf er Teilen von Politik und Medien eine Verdrehung der Tatsachen vor, die eine kurzfristige Knappheit an Impfstoffen skandalisierten. „Aus der Perspektive der Pandemieerfahrung wird hier ein Systemversagen konstruiert. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall.” Es sei gleich mehreren Unternehmen gelungen, mit einer komplett neuen Technologie hochwirksame Impfstoffe gegen das Coronavirus zu entwickeln. Und das in einer Geschwindigkeit, die noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Ermöglicht hätten das „globale Wertschöpfungsketten und Kooperationen in nie dagewesener Form“.

Das Interview mit Bayer-CEO Werner Baumann erscheint in der aktuellen Capital 8/2021. Interesse an Capital ? Hier geht es zum Abo-Shop , wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay


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