AktiengeschäfteBafin-Beschäftigte handelten verstärkt mit Wirecard-Aktien

Logo am Verwaltungsgebäude der Bafin in Frankfurt
Verwaltungsgebäude der BaFin in Frankfurt: Die Finanzaufsicht steht wegen ihrer Rolle im Bilanzskandal bei Wirecard massiv in der Kritikimago images / Hannelore Förster

Die Mitarbeiter der Finanzaufsicht Bafin haben in den Monaten vor der Wirecard-Pleite verstärkt Aktien des Zahlungsabwicklers gehandelt. Das ergibt sich aus Zahlen des Bundesfinanzministeriums, die Capital vorliegen. Demnach machten die Einzelgeschäfte mit Wertpapieren von Wirecard in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 2,4 Prozent aller Geschäfte der Bafin-Mitarbeiter mit Aktien und Aktienderivaten aus.

Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr: 2019 betrug der Anteil der Geschäfte mit Wirecard-Wertpapieren an allen Finanzgeschäften der BaFin-Beschäftigen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums 1,7 Prozent. Seit der Insolvenz des Dax-Konzerns stehen die Bafin und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) schwer unter Beschuss.

In einer Antwort an den Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz betonte das Ministerium, die Handelsaktivitäten der Mitarbeiter bei der Finanzaufsicht ließen auf Basis der derzeit bekannten Informationen „keine Auffälligkeiten“ im Vergleich zu den Aktien und Derivaten anderer Dax-Konzerne erkennen. Es verwies darauf, dass die Bafin-Mitarbeiter gemäß einem internen Kontrollverfahren verpflichtet seien, private Finanzgeschäfte zu melden und von ihren Fachvorgesetzten genehmigen zu lassen. Auf diese Weise soll ausgeschlossen werden, dass die Beamten von Insiderinformationen aus ihrer Kontrolltätigkeit profitieren können.

Nach Angaben des Finanzministeriums haben in den Jahren 2019 und im ersten Halbjahr 2020 rund 20 Prozent der BaFin-Beschäftigten private Finanzgeschäfte angezeigt. In allen Fällen seien die angezeigten Geschäfte genehmigt worden.

Die Zunahme des Handels mit Wirecard-Aktien erklärte das Finanzministerium mit den erhöhten Schwankungen des Aktienkurses durch die Berichterstattung über Wirecard und zahlreiche Ad-hoc-Meldungen. Die verstärkten Geschäfte mit Wirecard-Wertpapieren im ersten Halbjahr 2020 seien daher auch im Vergleich mit anderen Dax-Konzernen in einer ähnlichen Situation „nicht ungewöhnlich beziehungsweise nicht auffällig“. Ob ihre Mitarbeiter bei einem Titel Leerverkäufe tätigen, wird von der Bafin dagegen nicht dokumentiert.

Der Grünen-Finanzpolitiker Bayaz sagte zu den Zahlen: „Auch wenn kein verdächtiges Verhalten festgestellt werden konnte, sollten mit Blick auf Wirecard auch die internen Compliance Prozesse der Bafin genau geprüft werden.“


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