Übernahme 5 Gründe für Microsofts Mega-Deal mit Activision

"Call of Duty" gehört zu den bekanntesten Videospielen von Activision
"Call of Duty" gehört zu den bekanntesten Videospielen von Activision
© Levine-Roberts / IMAGO
60 Mrd. Dollar plant Microsoft, für den Spielehersteller Activision Blizzard zu zahlen. Was sind die Gründe hinter den gigantischen Übernahmeplänen?

Es ist der größte Deal, den der amerikanische Softwarekonzern je abgeschlossen hat: Am Dienstag hat Microsoft die Übernahme von Activision Blizzard für umgerechnet 60 Mrd. Euro in Cash bekannt gegeben. Das ist fast dreimal so viel, wie Microsoft 2016 für den Kauf der Karriereplattform Linkedin ausgegeben hat. Activision Blizzard ist das Unternehmen hinter Spiele-Hits wie Candy Crush und Call of Duty. Mit dem Deal vereinen sich nun zwei der größten Kräfte in der Videospielbranche. Hier sind fünf wichtige Gründe, warum es dazu kam:

1. Größeneffekte

Wenn die Übernahme von den Aufsichtsbehörden genehmigt wird, entstünde das drittgrößte Spieleunternehmen der Welt. Damit würde sich Microsoft direkt hinter der chinesischen Tencent Holdings (u.a. Herausgeber von League of Legends) und dem Spielkonsolen-Rivalen Sony (bekannt für die Playstation) einreihen.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, allen Menschen auf der Welt die Freude und Gemeinschaft des Spielens zu vermitteln“, sagte Microsoft-CEO Satya Nadella am Dienstag vor Investoren.

Activision-CEO Bobby Kotick gibt zudem auch zu, dass sein Unternehmen in der neuen Gaming-Welt nicht mehr alleine konkurrenzfähig sei. „Man schaut sich Unternehmen wie Facebook und Google und Amazon und Apple und vor allem Tencent an – sie sind riesig. Wir haben erkannt, dass wir einen Partner brauchen, um unsere Träume und Bestrebungen zu verwirklichen“, sagte Kotick in einem Interview.

2. Mobile Gaming

Handyspiele sind das am schnellsten wachsende Gaming-Segment. Activision besitzt das Mobile-Gaming-Studio King, das Candy Crush entwickelt hat. Es ist eines der beliebtesten Handyspiele aller Zeiten. Microsoft hat hingegen bisher so gut wie keine Präsenz auf dem Markt für Mobile Gaming.

„Wir alle wissen, dass Mobiltelefone heute das Spielgerät Nr. 1 auf dem Planeten sind“, sagte Xbox-Chef Phil Spencer, der am Dienstag zum CEO von Microsoft Gaming ernannt wurde, in einem Interview.

Eine ähnliche Strategie ist auch beim Konkurrenten Take-Two zu beobachten, dem Macher von „Grand Theft Auto“. Der amerikanische Gaming-Konzern hat Anfang des Monats die Übernahme des Handyspielherstellers Zynga für umgerechnet 11,2 Mrd. Euro bekannt gegeben.

3. App-Store-Gebühren umgehen

Microsoft-Chef Nadella möchte, dass sein Spieleimperium so groß wird, dass die Nutzer direkt zu ihm kommen und nicht über den App Store. Microsoft streitet sich mit Apple und der Google-Mutter Alphabet schon länger um die Gebühren, die die App Stores für Spiele verlangen.

„Wir stehen heute in einem starken globalen Wettbewerb mit Unternehmen, die mehr Umsatz mit dem Spielvertrieb machen als wir mit den Spielverkäufen und -abonnements“, sagte Nadella in einer Telefonkonferenz mit Investoren. „Wir brauchen mehr Innovationen und Investitionen in die Entwicklung von Inhalten und weniger Beschränkungen beim Vertrieb.“ Oder, wie Microsofts Gaming-Chef Spencer sagte, als er über Spiele für Mobiltelefone sprach: „Der Vertrieb auf diesen Geräten wird von zwei Personen, zwei großen Unternehmen kontrolliert.“ Daher möchte Microsoft seine eigenen „ungehinderten“ Möglichkeiten zur Verbreitung von Spielen und Inhalten haben, so Spencer.

4. Metaversum

Gaming ist eines der beiden großen Metaversum-Konzepte von Microsoft (die beiden anderen beiden sind Office und Konferenzsoftware). Nadella und Spencer sehen die Communities, die sich um Titel wie Minecraft und Halo gebildet haben, bereits sehr nah dran am Metaversum. Die Übernahme soll noch größere und engagiertere Spielgemeinschaften ermöglichen, die ihre eigenen Metaversen schaffen können. "Wenn wir über unsere Vision nachdenken, wie unser Metaversum aussehen kann, glauben wir, dass es kein einziges zentralisiertes Metaversum geben wird und auch nicht geben sollte", sagte Nadella. „Wir müssen viele Metaversen-Plattformen unterstützen, sowie ein robustes Ökosystem von Inhalten, Handel und Anwendungen.“

5. Die drei Cs

Nadellas Unternehmensstrategie konzentriert sich auf Cloud, Content (Inhalte) und Creator (Entwickler). Microsoft möchte zum einen die bestehenden und zukünftigen Inhalte von Activision in seinen Cloud-Gaming-Dienst Xbox Game Pass einbinden. Der Dienst hat den Umsatz des Softwareherstellers mit einem stetigen Strom von Abo-Einnahmen gestärkt.

Durch den Deal kann Microsoft auch auf einen Pool von Spielern zurückgreifen, die ihre eigenen Spielinhalte und -welten erstellen. Nach der Übernahme von Minecraft, Linkedin und Github war Nadella auf der Suche nach einer großen Anlagemöglichkeit, die ihm eine weitere große Gemeinschaft von Entwicklern bescheren würde. Es gelang ihm nicht, die Video-App Tiktok an Land zu ziehen, und Gespräche mit Pinterest und Discord verliefen ebenfalls im Sande. Activision ist der jüngste Versuch, und dieses Mal scheint er erfolgreich zu sein.

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