KulturbrancheFondation Beyeler: Quantensprung im digitalen Angebot

Ulrike ErbslöhPati Grabowicz

Ein freundlicher Schneemann aus drei ineinander gesetzten Kugeln, zwei Löcher für die Augen, eins für den Mund. Er steckt eingequetscht in einem Kühlschrank mit Glastür, solarbetrieben, der ihm das Überleben das ganze Jahr über ermöglicht. Zu besichtigen ist die Skulptur zur Klimakatstrophe der Schweizer Künstler Fischli/Weiss im Garten der Fondation Beyeler, einem Kunstmuseum vor den Toren der Stadt Basel. „Wir launchen dazu jetzt ein digitales Kunstvermittlungsprojekt“, erzählt Ulrike Erbslöh, kaufmännische Direktorin des Schweizer Museums. In sechs Kurzfilmen sprechen Kinder mit ihren Großeltern über Kunst, separat befragt. Den Anfang macht der „Snowman“. Die Idee für das „Generationenprojekt“ entstand im Lockdown in Zusammenarbeit mit einem Sponsor, einer Basler Regionalbank, sagt Erbslöh.

„Wir haben in diesem Krisenjahr einen Quantensprung im digitalen Angebot gemacht,“ sagt sie – trotz des „kniffeligen Jahres“. Einiges haben sie mit Sponsoren entwickelt, mit denen sie offline schon lange zusammenarbeiten. Zum Beispiel mit der Schweizer Bank UBS, der größte Sponsor des Privatmuseums, das lediglich 10 Prozent seine 30 Mio. Franken-Budgets vom Kanton Basel Stadt erhält. Den Rest erwirtschaften sie über Ticketverkäufe, Fundraising, Sponsoring und den Art-Shop. Statt exklusiver Ausstellungs-Führungen für die UBS-Kunden entwickelten sie beispielsweise ein Digitalformat: „The Art of Meditation“. Da sitzt der in der Schweiz angesehene Coach und spirtuelle Lehrer Diego Hangartner im Lotussitz vor Claude Monets Seerosen und meditiert auf englisch für die polyglotte Gefolgschaft.

Einen digitalen Hit (140.000 Views) landete das Museum mit dem renommierten deutschen DJ „Dixon“ und Transmoderna, einem Kollektiv aus digitalen Kreativen. In einem einstündigen Stream wird das 3-D-Modell der Fondation zerlegt, ins All geschossen und im Morgennebel wieder zusammengesetzt. Zwischendurch zerfließen Bilder von Paul Klee und geistert der DJ als Avatar durchs Museum. Unterlegt ist der wilde Kunstrave mit einem endlosen Elektrobeat. Finanziert haben das Online-Werk neben der Fondation Sponsoren aus dem elektronischen Nachtleben. Berührungsängste hatte sie nicht, erzählt Erbslöh, schließlich hatten die Beteiligten zuvor „Sunset-Partys“ im Garten der Fondation gemacht. 3500 junge Leute kamen zum Feiern, mit den Jahren gingen auch immer mehr ins Museum.  Jungen Zustrom erhofft sie sich auch jetzt. Seit März haben sie in Basel wieder auf, Anfangs durften ein Drittel der Besucher rein, inzwischen sind es zwei Drittel von sonst über 30.000 im Monat.

Was bleibt? „Wir messen die Formate an ihrem Erfolg, wie viele erreichen wir, wen erreichen wir, Kosten und Nutzen“, sagt die Frau, die außer den Finanzen auch das Digitale, Marketing und Sponsoring vorantreibt. „Können wir ein Gesamtpaket für einen Sponsor schnüren, dann ist es sinnvoll. Hilft es in der Kommunikation, wunderbar.“ Das wird kein schneller Prozess, glaubt Erbslöh, sondern die nächsten Jahre dauern. „Bisher haben wir vor allem sehr viel ausprobiert und investiert.“ Nun brauchen wir eine langfristige Strategie, wie wir die digitalen Formate integrieren, weiterentwickeln und finanzieren mit Hilfe von Partnern und vielleicht auch Pay-Verfahren.“ Eine Aufgabe, vor der eigentlich alle stehen.