ZeitfragenFlavio Pellegrini über die ewige Magie von Uhren

Flavio Pellegrini
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Flavio Pellegrini ist Präsident der Schweizer Uhrenmarken Ebel und Concord, die beide zur Movado Group mit Sitz in New Jersey gehören. Pellegrini startete seine Karriere in der australischen Autoindustrie.


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

FLAVIO PELLEGRINI: Oh, da fallen mir eine ganze Menge Dinge ein. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann vor allem für meine Familie. Ich habe zwei Töchter, die rasend schnell groß werden, weshalb meine Frau und ich so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen wollen, ehe sie von Zuhause ausziehen. Außerdem möchte ich häufiger in der Natur sein, die mir dabei hilft, mit mir selbst wieder Kontakt aufzunehmen und einen Schritt vom hektischen Alltag zurückzutreten, der uns alle fordert. Familie und Natur, zwei ganz wichtige Grundpfeiler, finde ich.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Einmal das eigene Wohlergehen in den Mittelpunkt zu rücken, und etwas für sich zu tun, was die eigene Persönlichkeit stärkt und dabei hilft, die richtigen Prioritäten im Leben zu setzen.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

… sich bewusst von allem zu lösen, was uns von Familie und Natur fernhält, von einer guten Zeit mit Freunden und Mußestunden ganz allein mit sich.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Am liebsten in die Siebziger, vielleicht, weil ich 1977 geboren bin. Wenn ich so durch meine Fotoalben blättere, dann sehe ich vieles, was mich noch heute anzieht. Die Autos von damals, beispielsweise. Ich liebe die Modelle der Seventies, besitze selbst einen Alfa Romeo GT Junior von 1971. Ganz ohne elektronische Assistenz zu fahren, das hat einfach mehr Spaß gemacht. Nicht zu vergessen: die Musik, die Mode und die Haarschnitte dieser Dekade. Richtig cool!

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Die traditionellen Uhren, wie wir sie heute kennen, werden auch dann noch existieren. Das ist doch die Schönheit und Stärke unserer Branche – wir stellen zeitlose Produkte her. Zudem werden wir 2100 sicherlich noch andere Gadgets am Handgelenk tragen, die uns bei vielem unterstützen. Nur „Smartwatch“ werden die sicherlich nicht mehr heißen.

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Mein liebster Mechanismus ist ohne Frage die Automatik, in meinen Augen eine der faszinierendsten Erfindungen. Nur unser Herz funktioniert genauso regelmäßig und (fast) endlos. Noch ein Grund für die ewige Magie von Uhren, wir assoziieren ganz unterbewusst unseren Herzschlag mit ihnen.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Den Moment, als ich meine Frau zum ersten Mal küsste.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Eine Funktion, die uns an eine dringend nötige Entschleunigungsphase erinnert, das würde garantiert Leben retten! Ansonsten glaube ich, dass es alles schon gibt, was möglich und nützlich wäre. Mein Favorit ist übrigens der ewige Kalender.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug?

„Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ von Robin Sharma. Es geht nicht direkt um Uhren, dafür umso mehr um ein achtsames Erleben von Zeit.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

„Zurück in die Zukunft“, weil ich den als Kind schon liebte und auch heute kaum widerstehen kann, wenn er irgendwo läuft.

Die größte Herausforderung …
… für einen Uhrmachermeister heute?

Weiter nach höheren Standards, größerer Genauigkeit und ausgefeilterem Finish zu streben

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Eine authentische (Marken-)Geschichte zu erzählen, die zu neuen Generationen spricht.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Die richtigen Prioritäten zu setzen.