StilfragenDie Konstruktion eines Anzugs ist alles


Nish de Gruiter ist Vice President von Suitsupply USA, einer rasant wachsenden, in den Niederlanden gegründeten Marke für Maßkonfektion mit modernem Retailkonzept.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Die Konstruktion eines Anzugs ist alles! Mann kann noch so viel Geld ausgeben, die feinsten Stoffe wählen, doch wenn das Ergebnis nicht passt oder die Persönlichkeit erschlägt, war die Investition umsonst. Das Innenfutter, wenn vorhanden, sollte nicht geklebt sein, sondern bei Bewegungen mitgehen können. Wir setzen zudem auch einen möglichst hohen Anteil natürlicher Fasern, wodurch unschöner Glanz ausbleibt und die Atmungsaktivität höher ist. Die Schultern ungepolstert, auch die Revers nicht geklebt, das führt nach der Reinigung gern zu Unebenheiten durch gelösten Kleber. Der Schnitt schließlich muss der Kontur des Körpers folgen, nicht gegen sie arbeiten.

Was sind Dos and Dont’s im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder Vorstandsetage?

Krawatte und Einstecktuch mit identischem Muster, Disney-Socken, zu viele offene Hemdknöpfe – das ist so ein „Autoverkäufer“-Look!

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner und -frauen?

Westen, Sakkos mit eingeknöpftem Daunenkragen, subtil karierte Hosen, Einstecktücher statt Krawatten, Rosttöne, Olivgrün, Tabakbraun und Schotten- oder Madraskaros.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Einen „Travel Suit“. Ungefüttert, wie eine zweite Haut zu tragen und aus einem extrem gedrehten Zwirn. Dadurch springt das Gewebe zurück und überlebt auch lange Flüge oder enge Weekender faltenfrei.

Stilikone Playboy

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Der Doppelreiher. Früher galt der als Banker-Anzug, gern auch zum Kaschieren eines beginnenden Bäuchleins genutzt. Heute sind die Schnitte schmaler, das Sakko kürzer, die Knopfreihen stehen enger zusammen und selbst eine Nadelstreifen-Variante sieht topmodisch und „jung“ aus.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Der Privatdetektiv John Shaft, wie ihn Richard Roundtree in den 1970ern spielte. Auch das Remake mit Samuel L. Jackson ist modisch nicht schlecht. Der hat einfach einen coolen Stil. Ich bin aber auch ein Fan legendärer Playboys wie Gunther Sachs oder Gianni Agnelli.

Welche modische Anschaffung war ihr bester Kauf/das langlebigste Geschenk?

Eine Krawatte mit Muster in Marineblau und Braun, etliche Westen, die sehr flexible Outifts möglich machen, – und mein Race-Case-Scooter, ein Bordtrolley mit eingebautem Roller. Das macht Riesenspaß, damit durch den Airport zu cruisen.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Sakko, T-Shirt, weiße Sneaker, Jogginghose. Und in die Samstagnacht starte ich im weißen Poloshirt zum Sakko und vielleicht grauen lässigen Hosen. Je nach Wetter und Laune. Ich mag bequemen Chic.

„Ich bin ein echter Impuls-Käufer“

Ihre größte Stilsünde war…?

Viel zu groß geschnittene Klamotten im „Baggy“-Stil und extrem weite Sweatchirts. Das galt mal als cool…

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Ich nutze alle Möglichkeiten. Wenn ich weiß, was ich will – etwa bei den „Basics“ – dann shoppe ich im Netz. Will ich stattdessen die Haptik eines Materials spüren oder mich einfach inspirieren lassen, gehe ich in Läden von klein bis XXL. Ich bin ein echter Impuls-Käufer, der bei Zara ebenso fündig wird wie auf der Londoner Saville Row. Außerdem interessiert mich schon rein beruflich sehr, was gerade im Markt angeboten wird.

Kurz & knapp:

– Krawatte oder Fliege? Einstecktuch.

– Trocken oder nass (Rasur)? Nass.

– Doppel- oder Einreiher (Anzug)? Beides.

– Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke? Kaschmir, den ganzen Tag.

– Barfuß oder Lackschuh? Flip-Flops.