GründerinnenDas sind die Gewinnerinnen der Cartier Women's Initiative

Die Preisverleihung der Cartier Women’s Initiative musste zwar Corona-bedingt ausfallen, doch die sieben Preisträgerinnen können natürlich auch ohne Gala-Event stolz auf ihre Auszeichnung sein. Immerhin haben sie sich gegen einen Pool von 1200 Bewerberinnen und 14 weitere hochkarätige Finalistinnen durchgesetzt. Neben Ruhm und Ehre gewinnen sie ein umfangreiches Paket aus Finanzhilfen (je 100.000 US-Dollar), professioneller Strategie-Beratung, einer INSEAD-Weiterbildung sowie den Austausch mit dem Netzwerk des vor 14 Jahren gegründeten Programms. Und Ende Mai 2021 soll der Festakt in Boston nachgeholt werden.

Bisher wurden 240 Gründerinnen aus 56 Ländern dabei unterstützt, das volle Potenzial ihrer jeweiligen Unternehmen und Projekte auszuschöpfen. Partner der von Wingee Sampaio geführten Initiative von Cartier ist in diesem Jahr das Hoffmann Global Institute for Business and Society. Cartier-CEO Cyrille Vigneron sagt, das Engagement sei ein wichtiger Ausdruck für die Haltung des Juweliers zum Thema „female empowerment“: „Neue Möglichkeiten für Frauen im Business zu schaffen und sie zu unterstützen, ist nicht nur etwas, was wir richtig finden. Die Cartier Women’s Initiative drückt auch aus, wer wir sind: Ein Haus, das in der Wirklichkeit verankert und gleichzeitig offen für die Welt und sich seiner Verantwortung für sie bewusst ist.“

Das sind die sieben Gewinnerinnen der Cartier Women’s Initiative 2020:


In zwei exklusiven Interviews mit Capital geben die Jurymitglieder Cathie Black und Bárbara Silva nicht nur Praxistipps für mehr weibliche Teilhabe in einem Unternehmen, sie verraten auch die wichtigsten Ratschläge ihrer persönlichen Mentoren und Momente, in denen sie in ihrer Karriere für sich selbst eingetreten sind. Ehrliche Einblicke von zwei Frauen, die sich vehement für Frauen im Business einsetzen.

„Sei ein guter Chef, sei ehrlich und wertschätze andere“

Cathie Black, Jurymitglied der Cartier Women’s Initiative 2020

Cathie Black begann ihre Karriere im Anzeigenverkauf des „Ms. Magazine“, ehe sie zur ersten Herausgeberin des Magazins „New York“ aufstieg und später die gleiche Funktion bei der Tageszeitung „USA Today“ innehatte. Später war sie als Präsidentin und Vorstand von Hearst Magazines für das Zeitschriften-Portfolio des Mediengiganten verantwortlich, zu dem beispielsweise „Cosmopolitan“ und „Elle“ gehören. Heute berät Black, die es zwölfmal auf die „Fortune Top 100“-Liste schaffte und eine Zeitlang Aufsichtsrätin bei Coca-Cola und IBM war, vor allem Start-ups mit Gründerinnen. Ihr Ratgeber „Basic Black: the Essential Guide to Getting Ahead at Work (and in Life)“ war ein „New York Times“-Bestseller.

Welche Projekte, Firmen und Führungspersönlichkeiten beeindrucken Sie besonders? Und was haben diese gemeinsam?

Da fällt mir zuerst ein absolutes Commitment zu Innovation und dem Betreten von Neuland ein. Ich denke da an die Gründungsphase von Unternehmen wie Apple, Spotify, Uber, Amazon, Microsoft, Facebook, USA Today, Netflix, HBO, Starbucks und vielen weiteren mehr. Manche Start-ups begannen im Studentenwohnheim, andere in Garagen oder sehr günstigen Büros. Alle diese Firmen besaßen jedoch starke Führungspersönlichkeiten, die zu Risiken bereit waren, um ihre jeweilige Vision umzusetzen. Darüber gibt es ja mittlerweile viele (Auto-)Biografien, Magazin-Storys und Filme. Der eine war eher extrovertiert, der andere in sich gekehrt, doch kaum einer wich von der Richtung ab, in die in seinen Augen die Reise gehen sollte. Gemocht zu werden, darum ging es eher weniger, mancher genoss vielleicht auch, dass Untergebene mitunter Angst verspürten. Wichtige Eigenschaften waren daher Tapferkeit und ein dickes Fell. Sie versammelten Teams um sich, die von Neuem fasziniert und „all in“ waren, für die gemeinsame Mission brannten.

Die Unterstützung von Frauen im Job und auf allen Stufen ihrer Karriereleiter – Stichwort: female empowernment – ist schon lange Thema der öffentlichen Debatte und in vielen Unternehmen. Welche Zeichen für nachhaltige Fortschritte sehen Sie in diesem Bereich?

Ehe ich antworte, ein kurzer Blick zurück. Zu Beginn meiner Karriere bewarb ich mich bei einer großen New Yorker Werbeagentur, weil ich von deren Executive-Training-Programm gehört hatte. Nach einigen Minuten Smalltalk über mein Studium und meine Ausbildung fragte ich mein Gegenüber nach diesem Programm. Es folgte eine Pause, sein Gesicht bekam einen verwirrten Ausdruck. Schließlich sagte er: „Oh, dieses Trainingsprogramm ist nur für Männer.“ Wenn ich mich recht erinnere, fügte er noch hinzu: „Warum würden wir junge Frauen wie Sie dafür zulassen, in Sie investieren, nur damit sie ein paar Jahre später heiraten und Kinder kriegen?“ Ich war enttäuscht und sauer zugleich, doch damals, mit gerade mal 22 Jahren, wusste ich schlicht nicht, was ich entgegnen konnte.

Heute wissen wir, dass es kaum einen Unterschied gibt zwischen dem, was Männer und Frauen im Business antreibt. Es macht mich stolz, zu sehen, was Frauen in der Zwischenzeit alles erreicht haben. Als ich die Karriereleiter emporkletterte, in großen Konzernen, konnte ich erste Zeichen davon überall beobachten. Frauen machen häufiger als Männer ihren MBA-Abschluss, sie machen ihren Doktor, sie erreichen Top-Positionen in nahezu allen Branchen und in der Politik. Haben wir mit den Männern gleichgezogen? Das ist noch leider zu oft nicht der Fall, aber die Fortschritte sind immens. Hat es zu lange gedauert? Definitiv!

Teilen Sie bitte den wichtigsten Karriere-Ratschlag mit uns und den Leserinnen und Lesern, den Sie je erhalten haben.

Das gibt es so viele! Einer davon stammt von Patricia Carbine, der Herausgeberin der Zeitschrift „Ms. Magazine“. In einem Meeting wollte ich ihr eigentlich nur sagen, dass ich gehen würde, um bei einem kleineren regionalen Magazin ebenfalls Herausgeberin zu werden. Sie riet mir: „Hab nicht so große Eile, sei geduldiger. Der Job in der Provinz wird dich nirgends hinführen, also arbeite lieber weiter hier an deinem Profil und du wirst eine großartige Karriere vor dir haben.“ Und genau so ist es passiert.

Den zweiten Ratschlag gab mir mein späterer Chef Rupert Murdoch, zumindest indirekt. Ich hatte mich für eine Präsentation von Geschäftszahlen sehr gut vorbereitet und jede noch so unwichtige Zahl auswendig gelernt. Nach meinem Vortrag bedankte sich Murdoch und der Termin war beendet. Am nächsten Tag richtete mir mein direkter Vorgesetzter quasi von Murdoch aus, ich hätte viel zu lange gesprochen und sei viel zu sehr ins Detail gegangen. Ich war am Boden zerstört. Was ich daraus gelernt habe: Mach dir bewusst, wer dein Publikum ist und was es besonders interessiert. Finde zudem heraus, wie viel Zeit du hast – und nutze bloß nicht jede Minute davon. Vielleicht noch ein Tipp von mir persönlich: Sei ein guter Chef, sei ehrlich und wertschätze andere.

Welches To-do auf dem Weg zu gleichen Möglichkeiten im Business für alle sollte für jeden Mann und jede Frau ganz oben auf der Agenda stehen?

Erstens: Machen Sie einen Zeitplan und halten Sie sich daran. Fragen Sie Ihr Team, wo genau Fortschritte erzielt werden sollen und legen Sie genau fest, wie der Weg dorthin aussehen kann. Die Probleme können vielfältig sein und glauben Sie nicht, Sie wüssten, welche Position jemanden anderen reizt oder wie hoch er oder sie im Unternehmen aufsteigen will. Hören Sie den Ideen anderer daher extrem gut zu. Dieses Progress-Team sollte natürlich divers besetzt sein, nicht nur bezogen aufs Geschlecht, sondern auch was den familiären Hintergrund betrifft, die Kreativität, die Motivation und weitere Charaktereigenschaften.

Zweitens: Stellen Sie sicher, dass nicht bloß Gehör findet, wer besonders aktiv und laut ist. Behandeln Sie alle Kollegen mit Respekt, und wenn Sie Fehler machen, entschuldigen Sie sich. Gehen Sie größere Probleme offensiv und zeitnah an – und sorgen Sie dafür, dass bei einer Beförderung die individuelle Leistung und nicht (Innen-)Politik ausschlaggebend ist.

In welcher Situation sind Sie besonders für sich selbst oder eine bzw. einen Kollegin/Kollege eingetreten?

Das weiß ich noch so genau, als wäre es gestern gewesen. Das war zu meiner Zeit als Chefin aller Magazine der Hearst Corporation, auf einem Retreat für das obere Management mit rund 100 Personen in einem Luxus-Resort. Ich hatte Bill Clinton dafür als Redner gewinnen können, eine Ehre für die gesamte Gruppe, von der ihn noch nie jemand persönlich getroffen hatte. Ich hatte zuvor lange abgewägt, ob ich mir das Okay unseres CEOs einholen sollte, schließlich war Clintons Gage horrend und beinhaltete zusätzlich Kosten für ein Privatflugzeug. Ich entschied mich dagegen, weil ich ein Nein befürchtete und absolut überzeugt von der motivierenden Wirkung seines Auftrittes bei dem Event war. Und ich sollte Recht behalten, Clinton war fantastisch.

Als wir zurückkehrten, bat unser CEO um eine Unterredung. Ich wusste sofort, dass ich tief im Schlamassel steckte. Er sagte, noch nie habe jemand so viel Geld für eine Keynote-Rede ausgegeben, und fragte mich dann nach dem genauen Betrag. Ich antwortete damit, wie begeistert alle Teilnehmer von Clinton waren und wie sehr sie in alle Welt tragen würden, dass Hearst eine großartige Firma sei. Einige Monate später saßen wir zusammen in einem Flugzeug. Wieder wollte mein Chef wissen, was wir Clinton bezahlt hatten. Ich nahm allen Mut zusammen und sagte: „Ich weiß, Sie sind sauer deswegen. Die genaue Zahl kann ich Ihnen aber gar nicht nennen, wir haben das auf mehrere Budgets verteilt. Ich kann nur sagen, so etwas wird nicht noch einmal passieren. Und jetzt sollten wir einfach glücklich sein, dass meine Abteilung ein Rekordjahr hingelegt hat.“