Business as UsualWarum man offen mit Entscheidungen umgehen sollte

Berufliche Entscheidungen können schwierig sein, aber wenn man sich einmal entschieden hat, heißt Offenheit die DeviseGetty Images

Er sagt, er sei froh, dass sie keine Ahnung hatten, worauf sie sich einließen, als sie vor sechs Jahren das Unternehmen gründeten. Denn wenn er und sein Studienfreund geahnt hätten, was für eine physische und psychische Achterbahnfahrt das wird, wären sie den Weg vielleicht nicht gegangen.

Florian ist ein großer, schlaksiger Typ Ende 30 mit gewinnender Ausstrahlung. Seine Geschichte ist die eines Gründers, der auszog, ein erfolgreicher Unternehmer zu werden und das ganz große Geld zu verdienen. Heute hat seine Firma rund 60 Mitarbeiter. Sie ist zwar noch mit Risikokapital finanziert, aber auf gutem Weg, profitabel zu werden.

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Florians Problem ist so simpel wie schwierig: Er würde das Unternehmen gern operativ an einen Nachfolger übergeben und selbst etwas Neues machen. Denn obwohl es „sein Baby“ ist, beklemmt ihn die Vorstellung, noch jahrelang dabeizubleiben. Dass ihm der Job langsam zu viel wird, erwähnt er eher leise in einem Nebensatz.

Aber alles und alle sind so sehr auf ihn fixiert, dass eine Übergabe schlicht unmöglich scheint. Die engen Vertrauten, mit denen Florian spricht, schütteln sofort den Kopf: Das geht auf keinen Fall!

Geht schon – es muss nur gut vorbereitet sein. Gemeinsam haben wir die Zukunft in Szenarien durchgespielt. Bis zur nächsten Finanzierungsrunde sind es eineinhalb Jahre, dann hat das Unternehmen vermutlich rund 100 Mitarbeiter. Könnte das der Punkt für den Absprung sein? Kommt jemand aus dem Team als Nachfolger infrage? Würden die Investoren das mittragen? Sie haben schließlich nicht zuletzt in Florian investiert. Als wir einen groben Plan erarbeitet hatten, setzte sich Florian mit seinem Mitgründer und danach mit dem Rest des Managementteams zusammen, um zu verstehen, wie jeder Einzelne seine Perspektive im Unternehmen sieht. Obwohl die Gespräche noch nicht sehr konkret wurden, machten sie die Lage schnell klarer. Florians Partner wollte langfristig bleiben, ohne jedoch die Nachfolge als Chef anzutreten. Sie verständigten sich deshalb darauf, gemeinsam extern nach einem künftigen CEO Ausschau zu halten.

Hat es am Ende geklappt? Hat es. Zwar ganz anders als geplant und ein Jahr später als gewünscht, aber das ist nicht der Kern der Geschichte. Entscheidend war für Florian der Schritt vom heimlichen Nachdenken zum offenen Umgang mit seiner Entscheidung. Als er den erst mal getan hatte, fiel es ihm nicht mehr schwer, das Team einzubinden und die Entscheidung gemeinsam umzusetzen.

Den neuen CEO hat Florian fast drei Monate lang eingearbeitet. Dem Unternehmen ist er immer noch eng verbunden, auch wenn er inzwischen nicht mehr operativ dabei ist. Meine Wette, dass er es nicht lassen kann und innerhalb eines Jahres wieder gründet, habe ich allerdings gerade verloren.