GastbeitragUnternehmensberater – ein Job mit Aussicht

Symbolbild Unternehmensberater
Symbolbild Unternehmensberater

Der Boom im Consulting-Markt ist ungebrochen. Projekte verkaufen sich angesichts der digitalen Transformation fast wie von selbst. Die deutschen Unternehmensberatungen konnten soeben die Schallmauer von mehr als 30 Mrd. Euro Umsatz mit Leichtigkeit durchbrechen. Und ein Ende dieses Wachstums ist nicht in Sicht.

Eines steht in diesem Zusammenhang fest: Der weitere Erfolg benötigt viele Köpfe. Doch nicht nur die Beratungen selbst haben massiv Personalbedarf, sondern auch die Unternehmen. Beste Voraussetzungen für Berater, auf die Industrieseite zu wechseln. Nachfolgend die sechs beliebtesten Karriereschritte:

#1 In eine Linienposition wechseln

Der bevorzugte Weg führt Beratungsaussteiger direkt in eine Führungsposition bei Finanzdienstleistungs-, Handels- oder Industrieunternehmen. Nicht mehr nur vorschlagen, wie es sein könnte, sondern echte Verantwortung für Themen und Teams übernehmen – dies ist meist die Motivation für den Schritt. Aber Achtung: Wer exzellenter Berater war, muss nicht notwendigerweise die beste Führungskraft auf Industrieseite werden. Bei der Besetzung von Führungspositionen begegnen viele Firmen Beratern daher mit höflicher Distanz. Man hinterfragt, ob eine Person, die zuvor ausschließlich als externer Dienstleister tätig war, auf die Anforderungen eines Linienmanagers vorbereitet ist. Beide Seiten, Industrieunternehmen und Berater, sollten in eine ganz besonders intensive Prüfung der jeweiligen Erwartungshaltungen, Stärken und Schwächen einsteigen, bevor eine Entscheidung für oder gegen ein Engagement getroffen wird.

#2 Inhouse Consultant werden

Wer von außen in ein Unternehmen einsteigt, hat immer nur begrenzten Einblick in die (ungeschriebenen) Gesetze, die vorherrschende Kultur und die Karriereperspektiven der Firma oder des spezifischen Unternehmensbereichs. Indem Berater ihr teuerstes Gut, ihre Consulting-Skills, in die Inhouse-Beratung eines Industrieunternehmens einbringen, können sie dieses Informationsdefizit ausgleichen. Wer drei bis vier Jahre seines Berufslebens in diese Konstellation investiert, baut in der Regel wertvolle Netzwerkkontakte auf, kann zukünftige Karrieresponsoren finden und erhält häufig umso attraktivere Angebote auf dem internen Stellenmarkt. Der „Durchlauferhitzer“ Inhouse Consulting hat in den vergangenen Jahren daher bereits zahlreiche Top-Manager hervorgebracht.

#3 In eine Stabspositionen wechseln

Strategiestab, strategisches Business Development oder Mitarbeit in einer Exzellenzinitiative – auch der Einstieg über eine Stabsposition kann mit herausfordernden Themen, sehr guter Visibilität gegenüber dem höheren Management und relevanten Karriereoptionen einhergehen. Hier lohnt der kritische Blick auf das Organigramm: Wo ist der Stab aufgehängt, welche Schnittstellen zu welchen Bereichen gibt es? Handelt es sich um monotones Tagesgeschäft oder bieten sich vielfältige Themen im Rahmen von strategisch wichtigen Fragestellungen? Wer nicht unmittelbar auf der Suche nach Führungsverantwortung ist, der ist in einer Stabsposition genau richtig.

#4 Unternehmensinvestor werden

Erst Berater, dann Unternehmensinvestor? Ein durchaus gangbarer und lukrativer, aber auch kapital- und arbeitsintensiver Schritt. Prominentes Beispiel: Walter Droege, ein Urgestein der deutschen Beratungslandschaft, baute zunächst sein eigenes Consulting-Unternehmen bis zu einer beachtlichen Größe und Reputation auf, traf dann jedoch die strategische Entscheidung, sein Unternehmen zu einem „Family-Equity-Modell“ weiterzuentwickeln. So sollten seine Mitarbeiter nicht mehr nur fremde Firmen darin beraten, wie sie profitabler, effizienter oder zukunftsfähiger sein können. Stattdessen investierte Droege sein eigenes Geld, kaufte damit notleidende oder potenzialträchtige Firmen auf und baute sie mit seinem Team zu Cash Cows um. Schöner Effekt für Walter Droege: Er zählt mittlerweile zu den vermögendsten Deutschen mit einem geschätzten Privatvermögen im einstelligen Milliardenbereich.

#5 Start-up gründen

Das nächste „Einhorn“ gründen und mit dem eigenen Start-up alles das operativ anwenden, was man zuvor gelernt und als Beratungsleistung an andere weitergegeben hat. Das ist die Magie, die von diesem Karriereschritt ausgeht. Zwar reagieren Berater zunehmend realistischer und durchaus zurückhaltender, was die Gründung einer eigenen Firma betrifft – zu viele ihrer ehemaligen Kollegen sind bereits krachend gescheitert. Und dennoch bieten sich noch zahlreiche, vielversprechende Geschäftsmodelle an, die es zu entwickeln und zu skalieren gilt. Berater bringen hierfür sicherlich ein sehr schönes, universelles Toolset an Erfahrungen und persönlichen Stärken mit. Von langen Arbeitstagen und kurzen Nächten lassen sich Consultants sicherlich nicht so leicht abschrecken.

#6 Als Freelancer arbeiten

Ein substanzieller Trend geht in Richtung freier, selbstbestimmter Arbeitsweisen. Dies greifen Online-Freelance-Plattformen auf, die häufig selbst von ehemaligen Beratern gegründet wurden. Comatch, Klaiton und consultingheads sind in Deutschland die prominentesten Vertreter, die bequem Angebot und Nachfrage zusammenbringen möchten. Nicht immer müssen McKinsey & Co. die beste Wahl sein und gerade Mittelständler tun sich mit den hohen Projektbudgets der großen Unternehmensberatungen schwer. Aber auch für den einzelnen Berater ergeben sich über die Portale neue Möglichkeiten: Sie müssen sich nicht mehr so sehr existenziell darum sorgen, ob sie über ihr Netzwerk das nächste Projekt akquirieren können. Selbst Junior-Freelance-Berater mit limitiertem Netzwerk können über die Online-Vermittlungsportale für Auftraggeber sichtbar werden. Freelance Consulting wird in Deutschland künftig sicherlich zu einer noch größeren Konkurrenz für die etablierten Consulting-Firmen werden – in Märkten wie UK oder der Schweiz ist die so genannte „Gig Economy“ bereits fest etabliert.