ManagementSportler verdienen mehr

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Höher, schneller, weiter: Die Eigenschaften von Leistungssportlern zahlen sich auch in späteren Jobs aus

Ehemalige Leistungssportler verdienen nach ihrer aktiven Karriere deutlich mehr Geld als Nichtsportler. Nach einer Studie der Ökonomen Ralf Dewenter und Leonie Giessing auf Basis des seit 30 Jahren erhobenen Sozioökonomischen Panels (SOEP) beträgt der monatliche Netto-Gehaltsunterschied durchschnittlich 690 bis 780 Euro. Ein weiteres interessantes Ergebnis der Untersuchung: Mannschaftssportler erzielen in ihrem späteren Berufsleben ein höheres Einkommen als Profisportler aus Einzeldisziplinen.

Die Studie belege einen „positiven Einfluss des Leistungssports auf den beruflichen Erfolg der ehemaligen Athleten“, schreiben die Forscher in ihrem Bericht. Für ihre Untersuchung haben sie Spitzensportler befragt, die während ihrer Karriere von der Deutschen Sporthilfe gefördert worden waren, und deren Einkommen mit den Daten von Nichtsportlern aus dem Sozioökonomischen Panel verglichen. Von der Sporthilfe werden Amateursportler wie Turner oder Ringer unterstützt, die – anders als Fußballprofis oder Formel-1-Fahrer – nicht von ihrem Sport allein leben können. Insgesamt wurden die Angaben von 259 ehemaligen Leistungssportlern ausgewertet.

Nach den Zahlen der Ökonomen Dewenter und Giessing liegt das durchschnittliche Nettoeinkommen der Ex-Athleten bei 3046 Euro. Nichtsportler verdienen im Durchschnitt 812 Euro weniger. Der Einkommensunterschied zwischen früheren Athleten aus Mannschaftssportarten und Einzelsportlern liegt bei durchschnittlich 50 bis 100 Euro. Als Grund vermuten die Forscher eine größere Teamfähigkeit und eine größere Bereitschaft der Teamsportler, mit anderen Teammitgliedern zusammenzuarbeiten. „Eine solche Eigenschaft ist auch regelmäßig im Berufsleben von Nutzen“, schreiben sie.

Sport mildert „Gender Gap“

Darüber hinaus haben die Forscher untersucht, inwiefern eine Sportlerkarriere Auswirkungen auf Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern hat. Demnach erzielen Ex-Athletinnen ein durchschnittliches Netto-Monatseinkommen, das zwischen 560 und 635 Euro über dem Gehaltsniveau von Frauen liegt, die keinen Leistungssport ausgeübt haben. Dies bedeute, dass die ehemaligen Sportlerinnen das Gehaltsniveau von Männern erreichen, die keinen Leistungssport betrieben haben. Der Sport trage dazu bei, die sogenannte Gender-Wage-Gap zu schließen, schlussfolgern die Autoren. Allerdings liegen die Aufschläge von Ex-Athletinnen unter denen ihrer männlichen Kollegen, die im Schnitt 850 Euro mehr verdienen als Nichtsportler.

Als Gründe für die höheren Einkommen von Athleten vermuten Dewenter und Giessing nicht nur, dass positive Charaktereigenschaften durch den Sport gestärkt werden. Von den Sportlern gehe zudem „eine Art Signaling“ aus: Durch die Tatsache, dass sie Leistungssport betreiben, signalisierten sie Arbeitgebern, dass sie besonders ehrgeizig, diszipliniert und durchsetzungsstark seien.

Mit dem Zusammenhang zwischen sportlichem und beruflichem Erfolg beschäftigt sich auch die Capital-Reportage „Der neue Gold-Standard“Wie das Team des Deutschlandachters von 1988 eine zweite Karriere hinlegte