Beste AusbilderSiemens: Frauen an die Fräsen

Stephanie Leibl macht einen dualen Studiengang in Elektro- und Informationstechnik bei Siemens
Stephanie Leibl macht einen dualen Studiengang in Elektro- und Informationstechnik bei Siemens Fritz Beck

„So viele Mädels!“ Das war das Erste, was Stephanie Leibl dachte, als sie an ihrem ersten Ausbildungstag vor einem Jahr in den Schulungsraum kam. Sieben junge Frauen lernen in ihrem Ausbildungsjahrgang für Elektro- und Informationstechnik bei Siemens – neben fünf jungen Männern. So eine hohe Quote in einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachbereich ist selten.

Auch bei Siemens ist es die Ausnahme. Zwar stehen auch im neuen Jahrgang, der seit September auf dem weitläufigen Campus in München-Perlach angefangen hat, viele junge Frauen in blauen Arbeitskitteln mit Schutzbrille zwischen Bergen von Metallspänen an großen grünen Bohrmaschinen und Fräsen. Doch insgesamt hat sich bei Siemens der Anteil der weiblichen Auszubildenden und Dualstudierenden in technischen Berufen in den letzten Jahren nur wenig von zehn auf 12,4 Prozent verbessert.

Die Frage stellen sich viele Unternehmen, Lehrer und Eltern: Wie können Mädchen für Technikberufe begeistert werden? „Ich wusste seit der elften Klasse, dass ich ein duales Studium im technischen Bereich machen möchte“, sagt Stephanie Leibl. Dafür musste die Bayerin einen kleinen Umweg gehen: In der siebten Klasse wechselte sie vom Gymnasium auf die Realschule und entschied sich nach dem Abschluss für eine weiterführende Fachoberschule mit Technikschwerpunkt. Nach einem Schulpraktikum in der Elektronikund Metallwerkstatt stand ihr Entschluss fest.

„Es sieht hier nicht so anders aus als vor ein paar Jahren – wir errichten keine Science-Fiction- Kulissen“

Barbara Ofstad

Technik anschauen, anfassen, ausprobieren – darauf setzt die Wirtschaft seit Jahren mit dem Girls’ Day, um Schülerinnen bei einem Firmenbesuch für das Thema zu begeistern. Zu Siemens kamen an diesem Tag zuletzt 1000 Schülerinnen, um coden zu üben und eine Verkehrsampel oder eine Handy-App zu programmieren. Außerdem veranstaltet der Konzern Mädchen-Technik-Camps und hat Partnerschaften mit Mädchenschulen geschlossen.

Der Technologiekonzern mit seinen weltweit rund 377.000 Mitarbeitern bildet derzeit insgesamt 11.400 Auszubildende und Dualstudierende aus. In Deutschland sind es 1530, die in München-Perlach und weiteren 19 Schulungsstandorten für den Jobeinstieg fit gemacht werden. Dafür investiert der Dax-Konzern hierzulande jährlich 190 Mio. Euro, weltweit insgesamt rund 240 Mio. Euro.

Beim Besuch auf dem Siemens-Gelände drängt sich ein Eindruck von Hightech und IT nicht auf. Große graue Gebäude, herkömmliche Werkstätten, Labore und Schulungsräume. „Es sieht hier nicht so anders aus als vor ein paar Jahren – wir errichten keine Science-Fiction- Kulissen“, sagt Barbara Ofstad, die Leiterin der Ausbildungszentrale Siemens Professional Education Deutschland. „Das, was sich geändert hat, ist nicht überall auf den ersten Blick zu sehen. Es ändert sich in den Köpfen und an der Haltung der Auszubildenden und der Ausbilder.“ In der Praxis heißt das: weniger Frontalunterricht, eigenständige Projekte in kleinen Teams und Ausbilder, die als Coach beraten.

Stephanie Leibl hat ihre ersten Praxisphasen im Bereich Corporate Technology, der zentralen Forschungsabteilung, gemacht. „Man sieht wirklich, wie Innovationen von der ersten Idee an entstehen“, sagt Leibl. „Die Kollegen haben mich super mit einbezogen und nach meiner Meinung gefragt. Ich durfte richtig mitarbeiten.“ Nach einem Jahr steht für sie fest: Da will sie bleiben.