InterviewRainer Schaller: „Wir versuchen aus uns heraus besser zu werden“

Rainer Schaller ist Chef der Fitnesskette McFitMcFit


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


Was hält Sie nachts wach?

Die Herausforderung liegt in der Zukunft. Wo werden wir in ein paar Jahren stehen? Spannend ist auch die Frage, was man unter Zukunft versteht. Meine betriebswirtschaftliche Ausbildung liegt jetzt 28 Jahre hinter mir. So wie wir damals von kurz-, mittel- und Langfristig gesprochen haben, gilt das heute nicht mehr. Kurzfristig ist ein Jahr und langfristig ist schon bei fünf Jahren. Man versucht sich immer ein Bild zu machen, wo man in fünf Jahren steht. Doch die Frage lässt sich immer nur auf der visionären Ebene beantworten. Wir haben eine solche Dynamik als Unternehmen, aber auch im Markt, weshalb es schwer fällt, die Zukunft ganz genau zu planen. Eine Sache wird sich nie ändern. Menschen werden sich immer bewegen müssen, da wird auch die Digitalisierung nichts dran ändern. Aber wie, wo und wann wollen Menschen in Zukunft trainieren? Das gehen wir bei uns an und dafür haben wir auch ein eigenes Budget.

Von welchem Unternehmen können Sie am meisten für Ihre Zukunft lernen und warum?

Ich glaube nicht, dass man so viel von anderen lernen kann. Das ist eine Erkenntnis, die ich für mich gewonnen habe. Man kann nicht die Erfolgsgeheimnisse anderer nehmen und einfach auf seine eigene Kultur überstülpen. Was hat Erfolg bei unterschiedlichen Menschen oder Firmen gemeinsam? – GAR NICHTS. Denn Erfolg ist immer individuell. Und deshalb sage ich, arbeite an deinen Stärken und nicht an deinen Schwächen. Versuche nicht andere Erfolgskonzepte als copy und paste auf dich zu übertragen. Du musst genau hinschauen. Denn nur wenn du dir die DNA eines Erfolgssystems genau angeschaut hast, kannst du schauen was du in Teilen in deine DNA einbauen und verbessern kannst. Wir setzen uns oft zusammen und besprechen, was wir falsch gemacht haben und wo man neu ansetzten kann. Wir versuchen aus uns heraus besser zu werden und eben nicht rechts und links zu gucken und Dinge einfach nachzumachen. Da ist man immer nur im Wandel und nie sich selbst.

Wer beschäftigt sich bei Ihnen mit dem Thema Zukunft?

Ich und viele andere. Wir gehen immer in die einzelnen Brands rein und machen Kreativworkshops. Aber fantastische Ideen kommen nicht aus einem kreativen Prozess heraus, sondern die entstehen aus Zufall. Ich bin fest davon überzeugt, dass Ideen von einzelnen Menschen kommen. Für die Umsetzung brauchst du Teams, die interdisziplinär funktionieren. Da arbeiten wir auch mit Externen und Agenturen zusammen. Das alleine zu schaffen wird schwierig und nur den Beratern alles zu überlassen ist auch gefährlich.

Was bedeutet für Sie Erfolg heute und was glauben Sie, wird sich in der Zukunft an den Bestandteilen von Ihrem Erfolg verändern?

Erfolg ist glaube ich, wenn man Spaß an etwas hat, das ist das Allerwichtigste. Ich habe damals bewusst den Schritt von der Lebensmittelbranche zur Fitnessbranche getan, weil ich Sport leidenschaftlich betrieben habe und keinen Spaß mehr an Lebensmitteln hatte. Und heute habe ich jeden Tag immer noch Spaß. In Großkonzernen dreht sich so viel um Zahlen, das könnte ich nicht. Mit Spaß kannst du Leute begeistern und ein eigenes gutes Team aufbauen und dann kommen die Zahlen ganz alleine. Das hat bis heute bei mir funktioniert.

Welche drei Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten bei Mitarbeitern die für Sie arbeiten bzw. die Sie rekrutieren?

Die sind auf jeden Fall alle nicht auf der fachlichen, sondern auf der emotionalen Ebene. Wir legen extrem viel Wert auf die emotionale Ebene, da man fachliche Defizite immer lernen kann. Wir haben auch unsere eigene Akademie dafür. Wertedualismus – guck dir die Menschen an, vor allem die, die am Band sind und nicht die oberen Zehn. So haben wir auch unsere Übernahmen erfolgreich umsetzen und die Mitarbeiter übernehmen und anschließend integrieren können. Wir sind darauf bedacht eine Gemeinschaft, auch Unternehmensübergreifend, zu schaffen. Und das ist deutlich schwieriger als es erstmals klingt, vor allem wenn man dezentral organisiert ist und expandiert.