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Digitalisierung Wie Corona die Digitalisierung vorantreibt

Auch die Club-Szene muss momentan auf virtuelle begegnungen ausweichen.
Auch die Club-Szene muss momentan auf virtuelle begegnungen ausweichen.
© Emmanuele Contini / IMAGO
Fitnesstudios sind geschlossen, Großveranstaltungen bleiben noch monatelang verboten und wenn möglich, wird aus dem Homeoffice gearbeitet. Also sucht man nach Alternativen - meist virtuell

Wie viele Unternehmen, Redaktionen und Agenturen innerhalb kürzester Zeit ihr gesamtes System auf die Arbeit im Homeoffice umstellen konnten, hätten wohl die wenigsten gedacht. Doch die Corona-Krise und damit verbundene Einschränkungen zeigen: Not macht erfinderisch. Während einige Änderungen wohl nur Behelfsmethoden darstellen, die nach der Krise wieder der Normalität weichen müssen, haben andere das Potenzial, langfristig Teil unseres Alltags zu werden.

Homeoffice

Wer seine Arbeit irgendwie von zu Hause aus erledigen kann, arbeitet momentan wohl aus dem Homeoffice. Dazu dürften auch Arbeitnehmer gehören, denen das Homeoffice zuvor verwehrt blieb. Gängige Begründungen des Vorgesetzten sind oftmals, man könne die Arbeiten nicht von Dahem aus erledigen. Nun zeigt sich, dass das in vielen Fällen nicht zutrifft. Tatsäch geben laut einer repräsentativen Umfrage von Web.de knapp 30 Prozent der Befragten im Homeoffice an, dass sie die Remote-Arbeit auch weiterhin gern beibehalten würden.

Von allen Arbeitnehmern arbeitet derzeit etwa ein Viertel im Homeoffice. Wenngleich auch nicht alle von ihnen angaben, auch künftig ihre Arbeit lieber in den eigenen vier Wänden zu erledigen, ging der Trend zur Digitalisierung. Über 60 Prozent sagten aus, zumindest in der Krise noch mehr auf digitale Kommunikationskanäle setzen zu wollen.

Fitness-Angebote

Auch jüngste Lockerungen sehen in keinem deutschen Bundesland eine Wiedereröffnung der Fitnessstudios vor. Auch Aussichten auf eine baldige Öffnung gibt es nicht . Viele Fitnesstudios stellten ihre Kursaufzeichnungen also online, wo Mitglieder sie von zu Hause aus abrufen und aktiv sein können.

Besonders Anbieter, deren Fokus auf dem Online-Training liegt, dürften in der Krise Zuwachs erhalten. Fitnessplattformen wie Gymondo, Cyberobics oder Fitnessraum sind ohnehin auf Trainingsvideos für die eigenen vier Wände ausgelegt. Mit kostenlosen Probemonaten und viel Werbung in sozialen Medien nutzen sie nun die Gunst der Stunde. Praktisch: Monatliche Beiträge liegen hier weit unter den Gebühren, die man aus dem Fitnesstudio gewohnt ist. Zudem ist das Angebot der meisten Plattformen so umfassend, dass sich Trainingspläne und -videos ganz nach individuellen Zielen gestalten lassen. Gerade für Menschen, die den Gang ins Fitnessstudio ohnehin scheuen, könnte das eine willkommende längerfristige Alternative sein.

Messen

Großveranstaltungen sind den gesamten Sommer über untersagt. Messen, die über Tage verteilt gern mal 400.000 (Grüne Woche) bis zu eine Million Beuscher (IAA) anlocken, können also allesamt nicht stattfinden. Zumindest nicht auf normalem Wege: Einige Messebetreiber haben bereits an Alternativkonzepten gearbeitet. Die Gamescom etwa, mit jährlich über 350.000 Besuchern eine der größten deutschen Messen, soll 2020 virtuell stattfinden.

Auf der Streaming-Seite Gamescom Now sollen neue Spiele und Techniken vorgestellt werden. Mit genauen Details halten die Veranstalter sich noch zurück, diese sollen aber im Mai folgen. Ticketpreise wollen die Veranstalter dennoch rückerstatten - ein virtueller Messebesuch ist den wenigsten wohl echtes Geld wert.

Nicht nur die Gamescom verfolgt das Konzept des virtuellen Messebesuchs. Unter anderem gab auch die Internationale Funkausstellung (IFA) bekannt, sie wolle in diesem Jahr an einem alternativen Messekonzept arbeiten.

Universitätslehre

Kontakbeschränkungen snd an der Universität ähnlich schwierig einzuhalten wie in Schulen. Die meisten Hochschulen haben sich für das "Kreativsemester" im Sommer 2020 nun also auf digitale Lehre eingestellt. Zwar handhabt das jeder Fachbereich etwas anders, der breite Konsens ist aber: Vorlesungen sollen per Stream stattfinden, bzw. zum erneuten Ansehen und Pausieren in dem von der Hochschule genutzten Portal online gestellt werden.

Unter Studierenden löst die virtuelle Lehre gemischte Gefühle aus. Einerseits freuen sie sich gerade in Großstädten auf langwieriges Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Hochschule verzichten zu dürfen. Andererseits fehlt einigen der direkte Kontakt zu Dozierenden, etwa um Fragen zu stellen oder innerhalb eines Vortrags auch mal nachzuhaken.

Kulturangebote

Die Kulturbranche leidet wohl am meisten unter Corona-Einschränkungen. Allein in Berlin haben über 9000 Menschen aus der Bar- und Clubszene quasi über Nacht ihre Beschäftigung verloren. Doch unter dem Verzicht auf kulturelle Angebote leiden alle. Viele Kulturstätten senden Programme daher online.

Ob Theater, Konzert oder Techno-Set: Das online verfügbare Angebot kultureller Happenings ist umfassend. Besonders das Live-Streaming Angebot "United We Stream" hat sich in den letzten Wochen einen Namen gemacht. Aus den bekanntesten Clubs der Hauptstadt können Musikbegeisterte sich die Party nach Hause holen. Mittlerweile mischen auch DJs und Clubs aus anderen Städten mit, zudem wurde das Angebot um Talkrunden und Vorträge erweitert. In diesen kommen neben Kulturthemen auch politische Aspekte nicht zu kurz. Durch freiwligge Einzelspenden oder Fördermitgliedschaften können Interessierte ihre Lieblingsclubs auch finanziell unterstützen.

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