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Uhrenkompass Omega - keine Angst vor Smartwatches

Omega-Chef Urquhart spricht über die Herausforderung Smartwatch, den chinesischen Markt und kostenlose Weltraumwerbung
Unbezahlbare Werbung: Seit 1965 tragen NASA-Astronauten Omega-Uhren
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Steven Urquhartist seit 2000 Chef von Omega. Die Schweizer Luxusmarke gehört zur Swatch Group. Omega hat sich einen Namen als Zeitmesser bei großen Sportveranstaltungen gemacht.

Capital: Herr Urquhart, alle reden vom Begriff Manufaktur in der Uhrenbranche. Mal ganz ehrlich: Ist das nicht nur ein Mythos?

Stephen Urquhart: Mythos ist nicht das richtige Wort. Ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen. Aber Mythos, das wäre zu oberflächlich...

Vielleicht ist Mythos etwas zu hart ausgedrückt...

Nehmen Sie einmal das Thema Magnetismus. Omega ist bekannt für seine antimagnetischen Uhren, hat hier eine lange Historie. Manufaktur ist da also mehr als ein Wort, da geht es um technische Errungenschaften.

Aber wissen die Konsumenten eine solche Anti-Magnetismus-Funktion denn wirklich zu wertschätzen?

Per se vielleicht nicht. Dennoch gibt es dafür ein echtes Bedürfnis. Magnetismus ist ein veritables Problem, besonders heutzutage. In Japan liegen über die Hälfte der Uhren im Kundenservice wegen Magnetismus... Da muss man den Leuten eben erklären, wie wichtig diese Funktion ist.

Sie kommunizieren Manufaktur als zentralen Kern Ihrer Marke...

Bei Omega war es unser Mission-Statement von Tag eins. Und speziell in den letzten 15 Jahren wurde es wichtiger.

Nun positionieren sich ja aber fast alle großen Uhrenmarken über dieses Thema. Wie schwer ist es da, sich überhaupt noch zu differenzieren?

Ich stimme Ihnen zu, dass das nicht einfach ist. Das Produkt spricht für sich selbst, aber das ist eher ein langfristiger Prozess. Kurzfristig muss man Werbung schalten, Broschüren drucken. Trotzdem ist es nicht einfach für den Konsumenten zu unterscheiden. Das hat man in anderen Bereichen allerdings auch, zum Beispiel bei Autos. Wenngleich bei Uhren die Unterschiede noch subtiler sind.

Die mechanische Uhr wird nicht verschwinden

Immerhin kommt Ihnen zu Gute, dass das Thema dem Zeitgeist entspricht. Die Leute wollen wieder etwas, was man anfassen kann, was handgefertigt, beständig ist...

Ja, es geht um das Grundgefühl, wenn die Leute eine Uhr kaufen. Das darf man nicht unterschätzen. Die Technik, die Fertigung, diese Dinge sind vielen eben wichtig. Vor allem Männern.

Die boomende Manufaktur-Ära der Uhrenbranche folgte auf die so genannte Quarz-Krise in den 80er-Jahren, als man dachte, dass Quarzhren mechanische Uhren verdrängen werden. Eine ketzerische Frage: Wie lange wird denn diese neue Boom-Ära halten? Die jüngeren Leute kaufen ja gerne Apple-Produkte...

Man weiß es nie. Aber vor 20 Jahren dachte man die mechanischen Uhren sind tot. Und schauen Sie sich an, wo wir heute stehen! Ich denke, das wird nie ganz verschwinden.

Sie fürchten sich also nicht vor einer „Smartwatch-Krise“?

Das sehe ich derzeit überhaupt nicht. Es gibt zwei Gründe, die mich zuversichtlich in die Zukunft schauen lassen. Erstens wird alles technischer, digitaler. Und je digitaler das Leben um uns herum wird, desto eher wissen die Menschen mechanische Dinge zu schätzen. Unsere Uhren sind wie eine Kompensation für die Digitalisierung.

Und der zweite Grund?

Die demografische Entwicklung der Welt. Da gibt es so viele jungen Menschen in Asien und andernorts, deren Bedürfnisse noch nicht gestillt sind. Schauen Sie nach China oder Indien: Auf der Produkt-Wunschliste dieser Menschen steht ganz oben: eine Uhr zu besitzen. Ich glaube nicht, dass die Sehnsucht nach einer Smartwatch genau so groß ist.

Der Weltraum spielt bei Omega eine große Rolle: Eine neue Uhr aus der Speedmaster-Serie heißt “Grey Side of the Moon”
Der Weltraum spielt bei Omega eine große Rolle: Eine neue Uhr aus der Speedmaster-Serie heißt “Grey Side of the Moon”
© Omega

Die ersten in China

Es wird also weiter bergauf gehen für die Uhrenbranche...

Solange wir keine Fehler machen, ja. Und wir wirklich allerhöchste Qualität bis ins kleinste Detail produzieren. Sobald man hier nachlässt, ist der Erfolg vorbei. Fehler können wir uns nicht erlauben.

Generell geht es der Uhrenbranche ja ausgesprochen gut. Viele andere Branchen können davon nur träumen. Aber: Kann man da überhaupt noch weiter wachsen?

Aber ganz klar. Nehmen Sie doch nur China. Es gibt immer noch einen großen Markt da draußen, der noch nicht abgedeckt ist für uns.

Schon heute ist China Ihr wichtigster Markt?

Ja.

Wie war es, als sie damals nach der Öffnung den chinesischen Markt erschlossen haben?

Das war ein großes Abenteuer. Wir waren mit die ersten in der Branche dort. Das war so um 1991. Da gab es nichts, nur einen Laden, Shanghai Watch & Clocks, der auch offen war nach der Revolution...

Sie waren die ersten?

In China, ja. Omega war immer sehr stark dort. Bereits 1894 beim Eisenbahnbau waren unsere Uhren mit dabei. Auch im Kommunismus war die Marke präsent. In den 90ern war dann unsere Kampagne mit Cindy Crawford ein ganz wichtiger Schlüssel, ein Riesenerfolg.

Uhren werden ja in China gerne als Geschenke im Geschäftsleben genutzt. Nun will die Regierung gegen solche Geschenke im Rahmen ihrer Anti-Korruptionskampagne vorgehen. Spüren Sie etwas davon beim Absatz?

Es hat einen kleinen Effekt. Aber die Geschenke sind letztlich fester Teil der chinesischen Kultur. Das bekommt man nicht weg. Die Kampagne betrifft ja übrigens viele Bereich, auch Restaurants und Hotels. Machen Fünf-Sterne-Hotels haben zwei Sterne einfach abgeschraubt, jetzt können Funktionäre wieder dorthin...

Kostenlose Weltraumwerbung

Zum Abschluss müssen Sie mir noch ein Geheimnis verraten. Haben Sie der NASA damals Geld gezahlt, dass ihre Astronautenmit einer Omega-Uhr ins All geflogen sind?

Meinen Sie das ernst? Nicht einen Cent.

Wirklich nicht?

Im Gegenteil. Die NASA hat die Uhren gekauft, als normale Anschaffung für Ihre Weltraum-Mission.

Das müssen Sie erklären...

In den 60er-Jahren suchte die NASA eine Uhr für die bemannten All-Missionen. Sie haben sich also umgeschaut, haben verschiedene Uhren gekauft, getestet. Am Ende kamen sie auf zwei Uhren. Eine bekannte andere Marke und die Omega Speedmaster.

Die NASA ist dabei allein nach der Performance gegangen?

Schließlich ging es um eine Mission im All! Es gab zuvor sogar Druck aus Washington, eine amerikanische Marke zu nehmen. Aber sie haben dem Druck widerstanden und die Uhr ausgewählt, die sie am geeignetsten für Weltraum-Einsatz fanden.

Und Omega hat am Ende zwischen den beiden verbliebenen Uhren das Rennen gemacht...

Die Speedmaster war die einzige, die alle Tests erfolgreich bestand. Das war 1965 – seither trägt jeder NASA Astronaut, der ins Weltall geschickt wird, eine Speedmaster am Arm

Die perfekte Werbung für Sie...

Zusammen mit den olympischen Spielen, wo unsere Zeitmesser seit langem genutzt werden, war es die beste Werbung, die wir je hatten! Und ausgerechnet für die beiden haben wir keinen Cent bezahlen müssen.

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