Junge EliteMillennial in Uniform

In der Bundeswehrlaufbahn des Stabsoffiziers Thomas Czada gab es viele Punkte, an denen alles ganz anders hätte kommen können. Nach seinem Wehrdienst bewarb er sich bei Großkonzernen für ein duales Managementstudium – und landete bei Daimler unter den besten 40 von 1.200 Bewerbern. Als Zeitsoldat machte Czada dann im BWL-Studium mit Schwerpunkt Steuerlehre an der Hamburger Bundeswehr-Uni ein Praktikum bei der Beratung Ernst & Young, und als sein dortiger Betreuer später eine Investmentfirma gründete, habe er ihm eine Jobperspektive geboten, sagt Czada. Auch Steuerberater hätte er werden können.

Scharnier zwischen Armee und Politik

Doch trotz aller Möglichkeiten, in die Wirtschaft zu wechseln, ist der 36-jährige Potsdamer bis heute bei der Bundeswehr geblieben – und hat eine steile Karriere beim Heer hingelegt: Zugführer, Kompaniechef, Adjutant des Regionalkommandeurs in Nordafghanistan. Als einer von etwa 60 Soldaten pro Jahrgang hat er den Generalstabslehrgang absolviert. Seit September 2016 dient der Major im Einsatzführungskommando in Potsdam-Geltow, von wo aus alle Auslandseinsätze der Truppe gesteuert werden – von Afghanistan bis zum Kampf gegen den IS. Dort ist Czada in der Einsatzgruppe Afrika für das aktuell gefährlichste Einsatzgebiet verantwortlich: Mali.

Rund 1.200 Bundeswehrsoldaten sind derzeit in dem Krisenstaat als Ausbilder und Stabilisierungstruppen im Einsatz, eingebettet in Missionen der Vereinten Nationen und der EU. Czadas Job im fernen Potsdam ist es, „den Motor am Laufen zu halten“, wie er es nennt – als Scharnier zwischen der militärischen Führung vor Ort und dem Verteidigungsministerium, zwischen Armee und Politik. Er erstellt Weisungen, organisiert Kontingentwechsel, bereitet Abkommen vor mit anderen Ländern, die Truppen stellen. „Alles, was ich hier am Schreibtisch nicht mache, passiert auch in Mali nicht“, sagt Czada. Insofern sei das, was er täglich tue, auch „nicht für die Schublade“, sondern entfalte eine große „Durchschlagskraft“.

„Soldat sein ist ein Dienst für das Land“

Czada ist einer jener modernen Soldaten, die seine oberste Chefin Ursula von der Leyen im Sinn haben dürfte, wenn sie die Bundeswehr zum konkurrenzfähigen Arbeitgeber für die Generationen Y und Z aufbauen will. Der Offizier will weiter Karriere machen, will im Heer, Stabsbereich oder Ministerium aufsteigen, vielleicht General werden. „Soldat ist kein Beruf wie jeder andere, sondern ein Dienst für das Land“, sagt er.

Aber Czada achtet auch darauf, dass der Job nicht sein ganzes Leben auffrisst. Alle paar Jahre für einen neuen Dienstposten umzuziehen oder endlos zu pendeln kann er sich schwer vorstellen. An normalen Tagen sieht er zu, dass er nach acht oder neun Stunden sein Zwei-Mann-Büro verlässt. Fragt man ihn, welche großen Projekte er im Leben ange- hen will, nennt Czada zwei Dinge: Beruf und Familienleben „miteinander verheiraten“ und eine Zeit lang in einem NATO-Stab in den USA arbeiten.

So geht „Berufszufriedenheit“

Für internationale Organisationen interessiert sich Czada schon, seitdem er als Schüler einige Monate in West Virginia lebte. Sein Abitur machte er auch im Fach Russisch. Bei der Bundeswehr, die sich seit den ersten Auslandseinsätzen Anfang der 90er-Jahre weltweit in die Sicherheitspolitik einbringt, ist der Austausch mit internationalen Partnern nun Teil seines Berufs. Im Sommer 2013 ging Czada für ein halbes Jahr als rechte Hand des deutschen Befehlshabers der NATO-Truppen in Nordafghanistan nach Masar-i-Scharif. Als gerade 32-jähriger Hauptmann bereitete er Reisen und Vorträge seines Chefs vor, ko- ordinierte Besuche von Militärs und Ministern aus aller Welt und war dabei, wenn die Generäle Einsatzpläne besprachen. Etliche Ehrenplaketten aus dieser Zeit liegen in seinem Büro.

Wenn Czada heute von seinem Job erzählt, verwendet er gern das Wort „Berufszufriedenheit“. Dass er mit seinem BWL-Studium und seinen Kenntnissen im Steuerrecht im Alltag nicht viel anfangen kann, stört ihn nicht. „Dafur fallt mir meine private Steuererklärung jetzt sehr leicht.“


Thomas Czada, 36, ist Stabsoffizier im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. In der Einsatzgruppe Afrika ist der Major für die Planung des aktuell gefährlichsten Auslandseinsatzes der Truppe in Mali verantwortlich.


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