ManagementLass mal! Für mehr „ruhig Blut“ im Unternehmen

Air Berlin, BER, Deutsche Bahn: "Ruhig Blut" war Hartmut Mehdorn eher fremdGetty Images

Hach ja, die Landtagswahl in Bayern – nach dem Wahlsonntag wohl immer noch genauso in aller Munde wie schon vorher. Und was hat sich getan? „Der Ausgang dieser Wahl wird das Bundesland von Grund auf verändern!“, sagen die einen. „Bleibt doch alles beim Alten“, sagen die anderen

Nun, theoretisch mag sich die politische Landschaft durch eine mögliche Koalition von CSU und Freien Wählern ja verändern. Aber praktisch? Praktisch machen die FW doch die gleiche Politik wie die CSU – nur halt ohne Dackelwelpen auf dem Arm.

Wenn Sie jetzt befürchten, dass ich an dieser Stelle einen politischen Kommentar zur Zukunft des Freistaats abgebe, kann ich Sie beruhigen. Für mich ist die Bayern-Wahl vielmehr unter einem anderen Gesichtspunkt interessant: Denn in der Landeshauptstadt geht’s damit doch nach der Wahl genauso theaterhaft zu wie in den meisten Unternehmen: Hauptsache, es wird Aktivität vorgetäuscht …

Lustiges Stühlerücken

Wenn ein Vorstandsvorsitzender nämlich neu ins Amt gewählt wird oder nach der Wiederwahl eine weitere Amtszeit antritt, startet er erst mal eine große Umstrukturierungsmaßnahme. Dazu gibt es dann natürlich auch die interne wie externe Stellungnahme. Obwohl de facto nur Kästchen von rechts nach links verschoben werden. Irgendein Geschäftsbereich geht in den Verantwortungsbereich einer anderen Person, womöglich kommt noch eine Matrixdimension hinzu oder es fällt eben eine weg. Aber im Grunde bleibt alles beim Alten – die ganze Grundidee bleibt die gleiche.

Es ändert sich nur kosmetisch etwas. Aber vor allen Dingen – und das ist das ausgewiesene Muster in der deutschen Unternehmenslandschaft – der Chef zeigt Aktivität. Das ist nun mal das Wesen eines Unternehmens: dass es aktiv Probleme löst. Grundsätzlich natürlich schon …

Griffel weg!

Aber ganz im Ernst: Manchmal kämen Unternehmen doch gerade dann weiter, wenn sie diesen blinden Aktivismus, diese Veränderungswut mal sein lassen würden. Denn Nicht- oder Weniger-Handeln kann in komplexen Systemen ein genauso probates Mittel wie Handeln sein.

Nun sehe ich sie aber schon die Fäuste in die Luft strecken und die Stimmen erhöhen, diese unsere Gesellschaft, in der Nichtstun ein Zeichen von Schwäche ist. Ob der Vorstandsvorsitzende nun neu- oder wiedergewählt wird, ob ein neuer Abteilungs- oder Gruppenleiter eingesetzt ist – keiner von denen kann sich doch schließlich hinstellen und nichts tun.

Der Neue muss zeigen, was er kann. Er muss beweisen, dass er ein Guter ist, dass er zu Recht an diese Stelle gerückt ist. Dass er Veränderung bringt. Wo kämen wir denn sonst auch hin? Und wenn’s schief läuft, hat er’s wenigstens versucht …