Junge EliteJunge Führungskräfte ziehen Sinn stiften Statusstreben vor

Am 16. November trafen sich junge Führungskräfte zum Junge Elite Gipfel in Berlin
Am 16. November trafen sich junge Führungskräfte zum Junge Elite Gipfel in Berlin

Capital: Herr Herrendorf, wofür steht die junge Generation der Topführungskräfte?

Peter Herrendorf: Sie haben im Vergleich zu den vorhergehenden Generationen ein verändertes Familienbewusstsein – auch die, die das Maximum aus ihrer Karriere herausholen wollen. Gerade in der Altersklasse der Unter-40-Jährigen wollen viele alles erreichen: sie wollen im Job etwas bewegen, gleichzeitig aber auch Freizeit und Familie mit Kindern erleben und genießen. Das ist in dieser Altersgruppe sehr viel ausgeprägter als in den vorhergehenden.

Geht es dabei nur um die eigenen Erfolge und Bedürfnisse?

Ganz und gar nicht. Es gibt immer mehr junge Manager, denen auch ein soziales und gesellschaftliches Engagement wichtig ist. Die sich etwa für Projekte mit Flüchtlingen, Kindern oder Straffälligen einsetzen. Dieser persönliche Einsatz hat zugenommen. In der „Generation Golf“ der heute 50-Jährigen waren dagegen viele in jungen Jahren eher Lebenslauf-Optimierer. Die haben sich von den Pfadfindern bis zur Rotary-Jugendorganisation überall so lange eingebracht, wie es für den eigenen Lebenslauf förderlich war.

Die Macher von heute sind also eher bereit, gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen?

Es ist ein Bewusstseinswandel bei den Führungskräften unter 40 und noch deutlicher bei denen, die unter 30 Jahre alt sind, zu sehen. Die wollen sich nicht mehr dauerhaft in einem Verein oder Verband oder gar einer Partei einbringen. Die sind bereit gesamtgesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen, gehen aber eher mit einer projektbezogenen Motivation heran. Viele wollen bei einem Engagement den Erfolg sehen, aber auch die Endlichkeit. Das liegt an den begrenzten zeitlichen Ressourcen aber auch an wechselnden Interessenslagen.

Und warum sind heute viele mehr bereit, sich für soziale Projekte einzusetzen?

Jetzt tritt die Erben-Generation in Erscheinung. Viele junge Entscheider sind finanziell abgesicherter, haben dadurch weniger Karrieredruck und können somit auch freier über ihr Leben entscheiden. Das sind die gut ausgebildeten, international erfahrenen, finanziell unabhängigen jungen Leute, die eine intrinsische Motivation mitbringen, sich für sinnstiftende Projekte einzubringen.

Wie wichtig ist neben finanzieller Unabhängigkeit die politische oder moralische Prägung?

In den 50er- bis 80er-Jahren sind wir mit dem Kalten Krieg groß geworden. Da wurde uns vermittelt: Das Ende der Welt steht jederzeit bevor, optimiere Dich solange es geht. Diese Ultima-Ratio-Haltung ist weg. Heute gilt der Ansatz: Jeder einzelne kann etwas zum Wohlergehen der Gesellschaft auf dem gesamten Globus beitragen.

Mit zunehmender Internationalität und vielfältigen Interessen gibt es auch weniger typische Kaminkarrieren bei denen galt, einmal Deutsche Bank, immer Deutsche Bank. Haben Quereinsteiger heute bessere Chancen?

Die unter 40-Jährigen werden am Ende ihres Berufslebens einen anderen Biografie-Verlauf mit mehr Stationen und durchaus auch mehr Perspektivwechseln haben. Das Interesse, von einer Branche in die andere und vom Großkonzern zum Start-up zu wechseln, ist sehr groß, größer als die Offenheit der tradierten Unternehmen, solche Biografien zu akzeptieren. Hinzu kommt, dass die Loyalität zum Arbeitgeber immer mehr sinkt und auch zu mehr Berufsstationen in einer Karriere führt.