Bester RatJosef Ackermann: „In andrer Glück sein Eignes finden“

Josef Ackermann
Josef Ackermanndpa


„Ein guter Rat ist Gold wert.“ – Unternehmerpersönlichkeiten geben die Ratschläge preis, die für ihre Karriere besonders wichtig waren. Autor Frank Arnold hat sie in seinem Buch „Der beste Rat, den ich je bekam“ zusammengetragen. Capital veröffentlicht Auszüge. 


Der wichtigste Rat für mein (Berufs-)Leben stammt von meinem Vater. Ich war noch ein Junge, als er mir einen Vierzeiler des Dichters Christoph Martin Wieland aufschrieb, den ich seitdem bei mir trage:

„In andrer Glück sein eignes finden,
 Ist dieses Lebens Seligkeit. Und andrer Menschen Wohlfahrt gründen, Schafft göttliche Zufriedenheit.“

Dieser Vers enthält nicht nur eine allgemeine Lebens-, sondern auch eine spezielle Managementmaxime. Seine tiefe Weisheit habe ich erst in der großen Finanzkrise vollständig erfasst. Mein Vater war Arzt. Wenn er anderen Menschen helfen konnte und sah, wie glücklich sie dann waren, war auch er glücklich. Deshalb sein Rat auch an mich, mein Glück im Glück andrer zu suchen.

Unternehmen sind nicht für sich selbst da, sie haben eine gesellschaftliche Aufgabe: sozialen Mehrwert zu schaffen. Sie sind
 Teil der Gesellschaft und haben auf Dauer nur Erfolg, wenn sie
 sich für diese als nützlich erweisen. Unternehmensführer dürfen dies nie vergessen. Ihre erste Aufgabe ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Aber nicht des Gewinnes selbst wegen, der ist nur Mittel zum Zweck, damit das Unternehmen wachsen und neue Produkte entwickeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen – kurz Wohlfahrt gründen – kann.

Manager, die sich dieser gesellschaftlichen Aufgabe verpflichtet fühlen, sind ihren Mitarbeitern nahe und stets für ihre Kunden da. Und deswegen haben sie nicht nur größere Erfolgschancen als andere, sie können auch größere Zufriedenheit in ihrem Beruf und Leben finden.

Das ist der Rat, den mir mein Vater mitgegeben hat. Und diesen Rat möchte ich auch selbst als meinen wichtigsten Rat an andere weitergeben.