Bester RatKlaus Grohe: „Seid immer hands-on – das gilt auch für den Chef“

Klaus Grohe
Klaus Grohedpa


„Ein guter Rat ist Gold wert.“ – Unternehmerpersönlichkeiten geben die Ratschläge preis, die für ihre Karriere besonders wichtig waren. Autor Frank Arnold hat sie in seinem Buch „Der beste Rat, den ich je bekam“ zusammengetragen. Capital veröffentlicht Auszüge


„Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr, ob mein Vater, der 1901 das Unternehmen Hansgrohe gegründet hat, mir seine Arbeitsmaxime ausdrücklich als Ratschlag mit auf den Weg gegeben hat. Er hat sie in jedem Fall vorgelebt, und vermutlich hat das bei mir einen viel stärkeren Eindruck hinterlassen, als dies wohlformulierte Worte vermocht hätten. Denn ich bemühe mich nicht nur bis heute, diesem Grundsatz zu folgen, sondern genau dies wäre auch mein bester Rat an die nachfolgende Unternehmergeneration – speziell an diejenigen an der Spitze von Hansgrohe: Seid immer „hands-on“, bleibt nah bei euren Produkten, Märkten, Kunden und Partnern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dies gilt ganz besonders für den Chef!

Es gibt für mich heute im Top-Management vor allem der großen Industriekonzerne zu viele Vertreter, denen das Verständnis für die Produkte, die ihr jeweiliges Unternehmen herstellt, und die Fertigungsprozesse dahinter zu großen Teilen fehlt. Ich frage mich häufig, wie man ohne dieses Wissen überhaupt ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickeln und weiter voranbringen kann. Gerade dort, wo der unternehmerische Erfolg Resultat der eigenen Innovationsstärke ist. In jedem Fall bleiben Authentizität und Leidenschaft auf der Strecke, wenn man gestern Schokoriegel vertrieben hat, heute in Mobiltelefonen macht und morgen für Investitionsgüter Verantwortung trägt.

Beides – Authentizität und gelebte Leidenschaft – ist aus meiner Sicht ganz wesentlich für die Gestaltung vertrauensvoller und tragfähiger Beziehungen zu Marktpartnern, aber auch zur eigenen Belegschaft. Denn man wird nur ernst genommen, wenn das Gegenüber, egal ob Kunde, Lieferant oder Mitarbeiter, das Gefühl hat: „Der weiß genau, wovon wir gerade reden.“ So haben wir es bei Hansgrohe geschafft, dass wir immer noch markt-, kunden- und belegschaftsnah sind und uns als große Familie empfinden, obwohl wir längst nicht mehr der kleine Mittelständler sind, sondern ein Global Player mit mehr als 40 Niederlassungen auf allen Kontinenten.

Natürlich habe ich das Glück gehabt, dass ich in das Unternehmen hineingeboren wurde und mit dem Unternehmen aufgewachsen bin. Wenn man bei uns zu Hause eine Tür aufmachte, konnte es passieren, dass man im Treppenhaus der Fabrik stand. Für mich war es ganz selbstverständlich, in den Schulferien in der Produktion zu arbeiten und dabei eine lehrlingsähnliche Ausbildung zum Mechaniker zu durchlaufen. Das half mir, mein konstruktives Vorstellungsvermögen besser zu entwickeln. Während und nach dem Studium habe ich dann viel im Ausland – in England, in Südafrika und in den USA – gearbeitet und so vielseitige praktische Erfahrungen gesammelt. „Hands- on“ zu sein hat für mich also auch eine ganz handfeste Komponente: neugierig auf Neues zu sein, Dinge anzupacken, zu tüfteln, auszuprobieren, Leidenschaften zu entwickeln, Erfahrungen in der Praxis zu machen. Vermutlich engagiere ich mich – neben meiner Arbeit für Hansgrohe – auch deswegen so stark in der Solarbranche, weil ich schon Mitte der 1970er-Jahre selbst an einem solarthermischen Kollektor gebastelt habe, der tatsächlich auch funktioniert hat. Und deswegen habe ich mich auch sehr gefreut, als meine beiden ältesten Enkel, mit denen ich gerade auf Formentera bin, mal ihren Laptop haben stehen lassen, um sich mit Hingabe mit unserem alten Motorroller zu befassen: Zündkerzen reinigen, Gaszug einstellen… ganz „hands-on“ eben!“

Klaus Grohe, 1937 als jüngster Sohn des Firmengründers Hans Grohe geboren, trat 1968 in das väterliche Unternehmen ein. Zunächst für die Leitung des Vertriebs zuständig, übernahm er 1975 die Geschäftsführung beim Schwarzwälder Bad- und Sanitärspezialisten, die er – nach der Umwandlung in eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft – als Vorstandsvorsitzender bis 2008 innehatte. Unter seiner Führung entwickelte sich die Hansgrohe AG vom kleinen deutschen Ablaufspezialisten zu einem der Global Player der Sanitärbranche und einem der weltweit führenden Armaturen- und Brausenhersteller. Bis 2015 war Grohe Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens Hansgrohe AG, heute ist er Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.