Bester RatAxel Schweitzer: „Laufe nie in den Fußstapfen eines anderen“

Alba-Chef Axel Schweitzer
Alba-Chef Axel Schweitzerdpa


„Ein guter Rat ist Gold wert“ – Unternehmerpersönlichkeiten geben die Ratschläge preis, die für ihre Karriere besonders wichtig waren. Autor Frank Arnold hat sie in seinem Buch „Der beste Rat, den ich je bekam“ zusammengetragen. Capital veröffentlicht Auszüge


Ich habe, wie jeder andere auch, schon viele Ratschläge in meinem Leben erhalten. Manchmal habe ich mich an sie gehalten,
 oft aber auch nicht. Es waren vor allem die ungebetenen Tipps, denen ich mit großer Skepsis begegnet bin. Denn wer ungefragt Ratschläge erteilt, verfolgt meist nur seine eigenen Ziele, nicht
 aber meine. Im Leben kommt es aber vor allem darauf an, dem eigenen Weg zu folgen und sich nicht davon leiten zu lassen,
was andere davon halten oder wie etwas öffentlich ankommt.

Das war der beste Rat, den ich je erhalten habe. Ich war zehn Jahre alt, als mein Vater sagte: „Laufe nie in den Fußstapfen eines anderen, sonst kannst du nie der Erste sein!“ Er selbst hat gezeigt, wie erfolgreich man seinen Weg gehen kann, wenn man sich nicht beirren lässt und genügend Durchhaltevermögen hat. 1968 – als alle Welt über die Müllabfuhr nur die Nase rümpfte – gründeten er und meine Mutter mit zwei Lkws in Berlin unser Unternehmen.

Seine Idee dahinter war, aus den Abfällen die Wertstoffe zurückzugewinnen. Wenn wir als Kinder – um unser Taschengeld aufzubessern – auf einer Baukippe Schrott sammelten und anschließend mit der Hilfe unseres Vaters verkauften, hörte ich oft den Satz: „Seht ihr, so viel tolle Sachen stecken noch in dem, was andere wegwerfen!“ Für ihn war Abfall nicht in erster Linie Dreck und Schmutz, sondern eine Rohstoffmine. Und es war ihm egal, in vermeintlich besseren Kreisen als „Müllmann“ abgestempelt zu werden.

Die vergangenen 45 Jahre haben gezeigt, wie recht er hatte. Heute trägt die Kreislaufwirtschaft in hohem Maße zur Versorgung der Industrie mit Rohstoffen bei. Recycling „Made in Germany„ ist ein weltweiter Exportschlager und der am schnellsten wachsende Industriebereich in Deutschland. Mit diesem Erfolg kam auch die

gesellschaftliche Anerkennung. Wenn sich heute junge Menschen bei uns bewerben, dann oft, weil sie etwas Sinnvolles und Nachhaltiges machen wollen. Ein schöneres Kompliment an unsere Branche kann ich mir nicht vorstellen.

Ich selbst habe mir in den vergangenen fast 20 Jahren, in denen ich im Unternehmen bin, den Rat meines Vaters immer wieder zu Herzen genommen. Zum Beispiel in der Wirtschaftskrise 2008/2009. Noch nie zuvor hatte ich erlebt, dass die Grundregeln der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt wurden, Angebots- und Nachfragekurve keinen Schnittpunkt hatten. Das war die schwierigste Zeit in unserer Unternehmensgeschichte. Aber mein Bruder Eric und ich haben trotzdem weiter an unsere Idee geglaubt. Statt aufzugeben, haben wir, zusammen mit dem kompletten ALBA-Team, das Unternehmen weiter ausgebaut. Ich bin sicher: Hätte ich die vielen ungebetenen Ratschläge beherzigt, die ich in dieser Zeit bekommen habe, gäbe es die ALBA Group heute so nicht mehr. Und niemand würde mich nach meinem Rat fragen.“