KarriereDrei Regeln für das produktive Streiten bei der Arbeit

3 Regeln fürs produktive Streiten bei der Arbeit
Konflikte auf der Arbeit können zu bahnbrechenden Lösungen führen. dpa

Jasager sorgen in der Firma für gute Stimmung – bis zum bitteren Ende. Mitarbeiter mit eigener Meinung sind vielleicht anstrengend. Aber gerade sie tragen zum Erfolg des Unternehmens bei. Leider hat sich das noch nicht bei allen Angestellten und Chefs herumgesprochen. „Studien zeigen, dass die meisten Fusionen und Übernahmen nicht wegen Konflikten scheitern“, schreibt der Unternehmer, Journalist und Autor Shane Snow in der „Harvard Business Review“. „Sie scheitern wegen ‚organisatorischem Schweigen‘, das aus der Angst vor Auseinandersetzungen erwächst.“

Streiten sorgt für Fortschritt

Konflikte mögen zwar unangenehmer sein als Konsens. Aber gerade sie führen laut Snow zu bahnbrechenden Lösungen und innovativen Ideen, die eine Firma wirklich voranbringen. Leider werde dieser Fortschritt häufig durch die Angst ausgebremst, sich vor Kollegen eine Blöße zu geben oder den Arbeitgeber schlecht aussehen zu lassen. Snow rät deshalb zu diesen Grundregeln für eine gesunde Diskussionskultur.

#1 Wir sind ein Team

Debatten werden oft von Egoismus und Konkurrenzdenken getrieben, man will am Ende als Sieger dastehen. Da kann die Form schnell wichtiger werden als die Substanz. Snow rät, sich das tatsächliche Ziel zu vergegenwärtigen: Die Suche nach der besten Lösung, die letztlich alle Beteiligten zu Gewinnern macht. Jeder Einwand ist wertvoll, alle Wortmeldungen gleich viel wert.

#2 Beim Thema bleiben

Viele Menschen verfallen bei Streitigkeiten in einen Tunnelblick, bei dem nur das letzte Wort zählt. Unbewusst kann die Argumentation da rasch vom eigentlichen Thema abweichen und sich zu einer Grundsatzdiskussion auswachsen. Oder Kollegen versuchen, einander mit rhetorischen Winkelzügen und psychologischen Tricks zu Fall zu bringen. „Die Debatte dreht sich nicht darum, wer sich am meisten kümmert, wer am lautesten ist, wer die meiste Macht hat oder wer besonders redegewandt ist“, warnt Snow. Am Ende gehe es nur um gute Argumente. Dazu gehört natürlich auch, dass persönliche Angriffe tabu sind.

#3 Intellektuelle Demut

Die meisten Menschen gehen von Natur aus davon aus, dass sie recht haben. Diese Art von Selbstbewusstsein kann nützlich sein (vor allem, wenn sie gerechtfertigt ist). Aber bei fachlichen Auseinandersetzungen sorgt sie schnell für Scheuklappen und eine irrationale Weigerung dazuzulernen. Damit eine Diskussion produktiv wird, müssen die Beteiligten willens sein, jeden Standpunkt zu respektieren und wenn nötig ihre Meinung zu ändern, wie Snow mahnt. Das ist leichter gesagt als getan. Doch diese „intellektuelle Demut“ ist dem Experten zufolge eine der wichtigsten Voraussetzungen für produktive Diskussionen und nicht zuletzt eine entscheidende Tugend erfolgreicher Führungspersönlichkeiten.