KarriereDas müssen Gründer unter 18 wissen

Symbolbild: Home Office
Symbolbild: Home Officeimago images / Westend61


Als Fynn Eidhoff und Noah Fritz im Jahr 2016 ihr Label Pasticcione starten wollten, gab es
deutlich mehr zu beachten als bei den meisten Unternehmensgründungen. Denn die
Bielefelder Schüler waren damals erst 16 Jahre alt. „Obwohl wir nur T-Shirts verkaufen
wollten, war alles total kompliziert“, sagt der inzwischen 20 Jahre alte Fynn Eidhoff
rückblickend im Gespräch mit Capital.de.

Die Jugendlichen hatten mehrere Termine beim Familiengericht und der für das Kindergeld
zuständigen Familienkasse, es gab viele sich über Wochen hinziehende Briefwechsel mit
Behörden, und die Schule musste die Leistungen der jungen Gründer in verschiedenen
Fächern beurteilen. Zwischen der Idee für die erste eigene Firma, die inzwischen in Interlude umbenannt wurde, und dem offiziellen Start vergingen so etliche Monate.

Unterdessen finden 64 Prozent der 16 bis 25 Jahre alten jungen Menschen in Deutschland
die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen „ansprechend“, wie eine repräsentative Umfrage von TransferWise im Jahr 2019 ergab. Zwar sahen sich nur 10 Prozent tatsächlich in den nächsten fünf Jahren auf dem Chefsessel ihrer eigenen Firma. 74 Prozent wünschten sich jedoch, Unternehmertum und Existenzgründung sollten stärker in der Schule vermittelt werden. Befragt wurden 3500 junge Menschen in Europa, davon 1007 in Deutschland.

Wer derweil noch minderjährig ist, sollte vor dem Gründen diese 5 Punkte kennen.

#1 Geschäftsfähigkeit herstellen

Erst mit dem 18. Lebensjahr ist man in Deutschland voll geschäftsfähig und darf Verträge
abschließen. Vor der Gründung einer Firma muss daher die Ermächtigung vorliegen,
selbstständig arbeiten zu dürfen. Diese müssen die Eltern oder Erziehungsberechtigten
erteilen, am besten mit einem formlosen Schreiben. Ein Familiengericht muss die
Ermächtigung dann genehmigen. Komplizierter ist das Prozedere, wenn Eltern Gesellschafter des Unternehmens werden und der Minderjährige sich daran beteiligen soll.

#2 Zustimmung des Familiengerichtes vorbereiten

Für die Ermächtigung durch das Familiengericht muss ein Antrag gestellt werden. Wer noch
zur Schule geht, benötigt dazu auch eine Bescheinigung der Schule, dass sich Schulpflicht
und schulische Leistungen mit der Führung eines Unternehmens vereinbaren lassen. Im
Anschluss folgt ein persönlicher Termin zusammen mit den Erziehungsberechtigten beim
Familiengericht. Dort wird beurteilt, ob der Minderjährige reif und kompetent genug ist, eine Firma zu führen. Ist dies der Fall, kann es losgehen: Der geschäftsfähige Jugendliche darf ein Gewerbe anmelden, Geschäftsräume anmieten, eine Betriebseinrichtung kaufen, Kauf- und Arbeitsverträge schließen. Die Aufnahme eines Kredits ist indes nicht möglich.

#3 Organisationsform wählen

Möglich ist zum Beispiel eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), wenn sich zwei oder
mehr Jugendliche zusammentun. Dabei gründet jeder ein Einzelunternehmen oder meldet
jeweils eine freiberufliche Tätigkeit an. Für beides ist eine Anmeldung beim Gewerbeamt
erforderlich. Ein weiteres Modell ist eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft
(UG), bei der das Stammkapital nur 1 Euro beträgt. Außerdem müssen Gründer bei
Scheitern des Geschäftes nicht mit ihrem Privatvermögen haften. Deutlich komplizierter ist
die Gründung einer Kapitalgesellschaft.

# 4 Familienversichert bleiben

Um familienversichert zu bleiben, muss die Selbstständigkeit nebenberuflich ausgeübt
werden. Ein bestimmtes Einkommen und eine bestimmte Wochenarbeitszeit dürfen dazu
nicht überschritten werden. Die aktuellen Grenzen liegen aktuell bei 450 Euro monatlich und 18 Stunden wöchentlich. Werden diese überschritten, drohen der Ausschluss aus der
Familienversicherung wegen hauptberuflicher Selbständigkeit und eine mögliche
Nachzahlung von Beiträgen. Ratsam ist, sich vor der Gründung mit seiner Krankenversicherung in Verbindung zu setzen und die individuelle Lage zu besprechen.

# 5 Gründer sein neben der Berufsausbildung

Minderjährige können auch neben einer Berufsausbildung ein Unternehmen im
Nebengewerbe gründen. Dazu sind ebenfalls die genannte Ermächtigung und Genehmigung sowie die Beachtung der Grenzen der Nebenberuflichkeit erforderlich. Außerdem darf die Tätigkeit das Ausbildungsziel nicht gefährden.