GastbeitragCorona als Feuertaufe: Warum Haltung sich jetzt auszahlt

Ein Arzt trägt einen Button mit der Aufschrift
Ein Arzt trägt einen Button mit der Aufschrift "Stoppt Corona"Getty Images

Die Ankündigung großer Handelsunternehmen, sie würden wegen der angeordneten Ladenschließungen ihre Mieten nicht mehr zahlen, wurde scharf in der Öffentlichkeit kritisiert.  Als „unanständig und nicht akzeptabel“ bewertete dies nicht nur die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Hier zeigt sich deutlich: Die Corona-Krise ist eine Feuertaufe für Europa, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft auf die Probe stellt, weil sie existenzielle Themen sowie die Frage nach dem „richtigen Handeln“ aufwirft. Umso stärker scheinen jetzt Unternehmen, die Haltung zeigen und es wirklich ernst meinten, als sie von Purpose und Verantwortung sprachen.

Wie das geht, zeigte uns zum Beispiel Dietmar Hopp, als er dem mächtigsten Mann der Welt auflaufen ließ und dessen Angebot mit dem Vermerk „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“ zurückwies. Die Anzahl der gemeinschaftsorientierten Handlungen ist überwältigend: Trigema und LVMH produzieren statt Mode und Luxus nun Schutzkleidung und Desinfektionsmittel für Krankenhäuser, VW lässt in China Schutzmasken fürs Gesundheitssystem auf eigene Kosten fertigen und auch die amerikanischen Tech-Unternehmen wie Microsoft und Google stellen ihre Tools bis 2021 kostenlos zur Verfügung – um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu kommen die vielen regionalen und lokalen Unternehmen, die sich gegenseitig unter die Arme greifen.

Das alles sind nicht nur fundamentale Hilfestellungen, sondern Gesten mit starker (psychologischer) Wirkung. Denn in der aktuellen Krisensituation stärken sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und richten den Scheinwerfer auf all das Gute, das in unserer Wirtschaft existiert. Dabei wird deutlich, welchen zentralen Stellenwert Kommunikation in Krisenzeiten hat: Sie verbindet, schafft Klarheit und gibt Zuversicht. Sie macht Haltung sichtbar und wirkt so dem Gefühl der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und moralischen Destabilisierung entgegen.

Umso wichtiger ist es, in die kommunikative Offensive zu gehen – nach innen wie nach außen.

Kommunikation nach innen fördert Klarheit, Stabilität und Vertrauen

Die drohenden wirtschaftlichen Folgen und die operativen Auswirkungen der Corona-Krise stellen nicht nur Unternehmer und Führungskräfte vor Herausforderungen, sondern erhöhen den Druck auf jeden einzelnen Menschen in der Belegschaft. Jetzt ist die Zeit, Stabilität zu geben – ein Moment, in dem Kommunikation ihre ganze Kraft entfaltet: Sie zeigt Wertschätzung, wenn sie alle kontinuierlich informiert hält. Sie schafft eine neue Qualität der Nähe zwischen denen, die über Städte und Länder verteilt arbeiten. Und sie ermöglicht durch Offenheit und Transparenz eine neue Stufe der Partizipation.

Interne Kommunikation in Zeiten der Krise fordert uns intensiv. Sie ist eine Herausforderung, die wir dringend annehmen sollten, denn sie birgt die Chance auf mehr Verständigung und Austausch über alle Ebenen und ermöglicht auf diese Weise eine noch intensivere Kultur der Gemeinschaft, die bleiben wird.

Kommunikation nach außen markiert den Aufbruch und setzt Impulse

Gleichermaßen stark ist die Kraft der Kommunikation in den Markt: Gutes mit Inbrunst zu kommunizieren hat jetzt nicht nur eine Absatz- oder Reputationswirkung für einzelne Unternehmen, sondern liefert einen relevanten Impuls für die gesamte Wirtschaft. Nur wenn die guten Ideen und Aktivitäten der „Good Corporate Citizens“ kommuniziert werden, können sie Mut machen und zum Ausprobieren animieren. Und: Je mehr wir jetzt kommunizieren, desto stärker wird der Bandwagon-Effekt. So groß waren die Chancen auf positive Veränderung noch nie.

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden eindrucksvollen Reaktionen der Wirtschaft zeigen uns, dass Profit und Philanthropie langfristig nicht im Widerspruch stehen müssen. Und dass wir stärker aus der Krise hervorgehen können, wenn wir Kommunikation als Katalysator eines neuen Zusammenhalts in stürmischen Zeiten nutzen.

 


Katrin Seegers ist Managing Partner der Agentur Rethink und gehört zu den profiliertesten Köpfen der Agenturbranche. Sie ist seit fast 30 Jahren darin unterwegs. Einen Großteil dieser Zeit hat sie zuvor als Geschäftsführerin bei Scholz & Friends verbracht