GastbeitragChristoph Behn: Mütter sind die besseren Angestellten

Christoph Behn, Gründer Kartenmacherei
Christoph Behn, Gründer KartenmachereiKartenmacherei

Wenn eine Mitarbeiterin Mutter wird, gehen bei vielen Vorgesetzten selbst in unserer vermeintlich so aufgeklärten neuen Arbeitswelt sofort sämtliche Warnleuchten an. Mutter sein ist in vielen Unternehmen offenbar gleichbedeutend mit höheren Fehlzeiten, Stagnation, einem Minimum an Flexibilität und einer ewig währenden Elternzeit.

Das ist absoluter Schwachsinn. Meine Frau kam nach der Geburt unseres zweiten Kindes mit einem ungeheuren Elan zurück in ihre Führungsposition und lieferte somit die Blaupause für viele weitere Mütter in Führungspositionen in unserem Unternehmen. Mittlerweile arbeitet bei uns in der Kartenmacherei die Hälfte des Führungsteams in Teilzeit, mehr als ein Drittel von ihnen sind Mütter. Hier sind drei Gründe, warum meiner Erfahrung nach Mütter sogar die besseren Angestellten sind.

#1 Priorisieren und Entscheidungen treffen

Jede Mutter ist eine Managerin ihres eigenen Alltags, ihrer eigenen Familie und stärkt mit jedem Tag die Kompetenzen, die man benötigt, um auch ein Team erfolgreich zu führen. Gerade Mütter üben sich kontinuierlich darin, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, genau hinzusehen, Probleme zu erkennen, kritische Gespräche zu führen, Fortschritte zu loben und selbstverständlich auch klare Grenzen zu setzen. Das sind Kompetenzen, die Mütter sich auf natürliche Weise aneignen und die sie zusätzlich zu ihrer Fachexpertise als Führungskraft im Unternehmen einbringen.

Darüber hinaus haben Mütter ein ausgereiftes perfektes Zeitmanagement und ein gutes Händchen dafür, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Meine Erfahrung ist: Sie wollen aus dem Weniger an Stunden das Maximale herausholen. Das merkt man auch in Meetings. Hier sind es oft die Teilzeitmamas, die die Runde zwingen, zum Punkt zu kommen und sich nicht in Nebenthemen zu verlieren. Eben weil sie sich in ihrer Zeit auf das wirklich Wesentliche konzentrieren wollen, um ihre Projekte voranzubringen.

Vollzeit-Mitarbeiter  –  mich inkludiert  –  brauchen am Anfang natürlich ein wenig Zeit, um sich darauf einzustellen, dass Teilzeit-Mitarbeiter nicht immer greifbar sind. Termine festzulegen wird etwas schwieriger und Priorisierung noch wichtiger. Aber sollte das nicht generell so sein? Begrenzte Ressourcen können Kreativität und Fokus fordern und fördern.

#2 Überdurchschnittliches Engagement

Müttern wird oft mangelnde Flexibilität zugeschrieben – eben weil sie neben der Arbeit noch unumgängliche Pflichten haben, die sich nicht mal eben auf morgen verschieben lassen: Das Kind muss zum Arzt oder von der Kita abgeholt werden. In Wahrheit ist Flexibilität aber primär eine Frage der Rahmenbedingungen. Unsere Mitarbeiter können jederzeit Homeoffice machen und sich ihre Arbeitszeit frei einteilen. Besonders unsere Mütter schätzen diese Flexibilität sehr und honorieren sie ihrerseits mit hohem Einsatz.

Was mich sehr bewegt hat, war ein Einstellungsgespräch mit einer vielversprechenden 30-jährigen Bewerberin. Während des Bewerbungsverfahrens merkte sie, dass sie schwanger ist. Sie kontaktierte uns umgehend und bot an, sie unter einem zeitlich befristeten Vertrag einzustellen. Ich war darüber sehr verwundert, denn warum sollte ich sie nur kurzfristig einstellen, wenn sie doch mit ihren Qualifikationen langfristig zum Unternehmenserfolg beitragen kann? Wir haben das dann kurz im Team diskutiert und ihr dann einen unbefristeten Vertrag angeboten. Sie war ziemlich positiv schockiert.

#3 Nur die Ruhe

Mütter begegnen beruflichen Problemstellungen oft stressresistenter, denn sie können echten Stress von hausgemachtem unterscheiden: Wer sein Kind schon mal mit hohem Fieber nachts ins Krankenhaus gefahren hat, neigt weniger dazu, Alltagsprobleme in der Arbeit über zu bewerten oder sich in Befindlichkeiten zu verlieren. Das bedeutet nicht, dass man im Ernstfall mit den Schultern zuckt. Sondern, dass man den Blick für das Wesentliche nicht verliert. Diese Verhältnismäßigkeit macht Mütter langfristig zu ausgeglichenen und damit zufriedeneren Mitarbeitern.

"Meine Frau ist ein Vorbild für viele Frauen in unserer Firma" Christoph Behn mit seiner Frau Jennifer.
„Meine Frau ist ein Vorbild für viele Frauen in unserer Firma“ Christoph Behn mit seiner Frau Jennifer

Wenn wir schon beim Thema Stress sind: Mütter sind wahre Multitasking-Profis. Sie sind also nicht nur härter im Nehmen, wenn es mal brenzlig wird, sondern auch fähig, diese stressigen Situationen schnell und effektiv aufzulösen. Auch Hindernisse und Probleme werden von Müttern oftmals pragmatischer angegangen. Sie sind es gewohnt, zu improvisieren.

Ich bin oft sehr beeindruckt, wie meine Frau unsere drei Kinder und ihre Führungsrolle unter einen Hut bringt. Sie bleibt auch ruhig, wenn alles zusammenkommt: Da sitzt dann unser Jüngster bei der Mama auf dem Schoß, während sie in einem Video-Call die nächste Brand Kampagne diskutiert. Für beide ist das in diesem Moment die beste Lösung: Der Kleine ist bei der Mama, während sie sich den Themen widmen kann, die sie vorantreiben will. Ich finde das toll und sie ist ein Vorbild für viele Frauen in unserer Firma.