StudieKurze Elternzeit schadet Müttern

Eine Frau schiebt einen Kinderwagen
Frauen, die nur eine kurze Babypause einlegen, werden häufig als egoistisch eingeschätztdpa

Berufstätige Mütter werden für eine kurze Babypause häufig abgestraft anstatt belohnt. Zu diesem Schluss kam Lena Hipp vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung nach einem Feldversuch. Die Professorin verfasste über 700 fiktive Bewerbungen. „Alle Aspiranten bewarben sich scheinbar aus einer festen Anstellung heraus und hatten ein etwa dreijähriges Kind“, beschrieb das Magazin „Der Spiegel“ die Studie. Der einzige Unterschied bestand in der Länge der Elternzeit, die im Lebenslauf vermerkt war: Zwei beziehungsweise zwölf Monate. Das Ergebnis schien eindeutig auszufallen. Bewerberinnen mit längerer Babypause wurden anderthalbmal so häufig zu einem Vorstellungsgespräch geladen.

Kurze Elternzeit = egoistische Mutter

Hipp wollte anschließend herausfinden, weshalb Frauen mit kurzer Elternzeit für Arbeitgeber anscheinend so viel weniger attraktiv sind. Haben sie nicht ungewöhnlich hohes Engagement bewiesen? Tatsächlich aber wird Frauen dieser Einsatz für ihren Job negativ ausgelegt, stellte die Wissenschaftlerin dem Bericht zufolge fest. In einem Laborexperiment mit Studenten zeigte sich nämlich: Frauen mit kurzer Elternzeit wurden oft als egoistisch und feindselig eingeschätzt. Frauen mit längerer Babypause hingegen galten als intelligenter, führungsstärker, warmherziger und weniger intrigant.

Dieses Vorurteil spiegelt womöglich vorherrschende gesellschaftliche Vorstellungen wider. Der „Spiegel“ verwies auf eine Umfrage zum Thema aus dem vergangenen Jahr. In einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren rund 6500 Frauen mit und ohne Kindern befragt worden. 56 Prozent von ihnen waren der Meinung, dass Mütter erst nach drei Jahre Babypause in den Beruf zurückkehren sollten – aber bitte erst mal in Teilzeit.

Keine Vorurteile gegen Väter

Männern wird eine kurze Babypause der Studie zufolge hingegen nicht angekreidet. Für ihre Chancen auf ein Vorstellungsgespräch war es nahezu unerheblich, ob sie nach der Geburt ihres Kindes angeblich zwei oder zwölf Monate zu Hause geblieben waren.