Stilfragen "Casual" im Büro nicht übertreiben

Sioux-CEO Lewin Berner über seine Abneigung gegen allzu informelle Businessmode und seinen Blick für das Schuhwerk seines Gegenübers.

Lewin Berner ist Geschäftsführender Gesellschafter der Schuhmarke Sioux aus Walheim.

Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Durch den Wegfall vieler modischer Diktate gibt es heutzutage viel mehr Freiheit als früher. Individualität steht im Vordergrund. Das ist natürlich begrüßenswert. Jedoch: Wo die Freiheit zunimmt, steigt auch die Unsicherheit. Moderne Businessmode sollte sicherlich bequem, aber gleichzeitig auch immer formell angemessen sein.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Grundsätzlich will doch jeder Mensch toll aussehen, ernst genommen werden und selbstsicher auftreten. Meine Empfehlung ist, den Teil „Casual“ im Begriff „smart casual“ im Büro nicht zu überspannen. Möchte Mann oder Frau ein modisches oder farbiges Highlight setzen, so ist das eine tolle Sache, im Gegenzug sollte man sich in der Kombination etwas klassischer kleiden. Akzentuiert ja, exzentrisch nein. Wer sich nachlässig oder antiautoritär kleidet, hat es auch beruflich schwer, ernst genommen zu werden. Ein sehr wichtiges Detail sind dabei die Schuhe. Es mag eine Berufskrankheit sein, aber ich schaue durchaus auf das Schuhwerk meines Gegenübers. Es gibt Menschen, die kombinieren einen 600 Euro teuren Anzug mit einem 60 Euro-Synthetik-Schuh und denken sich nichts dabei. Oder der Herrenschuh zeugt mit tiefen Trauerstreifen von Vernachlässigung, weil er noch nie einen Schuhspanner oder ein Pflegeprodukt gesehen hat. Wichtig und häufig unterschätzt, sind zudem die Absätze, auch bei Damen, da Nachlässigkeiten am Absatz viel leichter gesehen werden.

Was sind die wichtigsten neuen Trends für Businessmänner und -frauen?

Ich sehe im Herbst/Winter den Dress Boot als wichtiges Thema an. Das ist ein Schnürstiefel im Brogue-Look mit einer Flügelkappe und Lyra-Lochung, der sich sowohl im Business, als auch in der Freizeit tragen lässt. Das gilt etwas abgewandelt auch bei den Damen, dort sind ähnliche Chelseas nach wie vor ein wichtiger Trend.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Das sind die fünf Ikonen der Schuhmode: Einen Derby, einen Budapester, einen Booty, einen Monk, und auf jeden Fall noch einen Casual-Schuh. Bei Letzterem empfehle ich einen Grashopper aus dem eigenen Haus. Dabei handelt es sich um den ersten Casual-Schuh, der in Deutschland in den 1960er-Jahren auf den Markt gekommen ist. Auch ein echter Klassiker.

Helmut Schmidt: "modisch immer korrekt"

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Ich würde mir für die sterbende Zunft der Hutmacher wünschen, dass auch das Thema Hut modisch irgendwann wieder relevant werden würde.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Ich sehe Helmut Schmidt als generationsübergreifendes Stil-Vorbild an. Selbst die letzten Auftritte von ihm waren modisch immer korrekt, anders als manch Politiker der neuen Generation.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Mein brauner Kaschmir-Schal. Ist ein treuer Begleiter geworden.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Zumeist mit Jeans und Hemd, je nach Jahreszeit bin ich oben herum natürlich zugeknöpfter.

Ihre größte Stilsünde war...?

Eine Hochzeitsfeier als Gast in Jeans. Die Anzugshose war unbemerkt beim Packen vom Bügel gerutscht und da die Veranstaltung auf einem Landgut tief in der Wallachei stattfand, war partout kein Ersatz zu beschaffen. Die Gruppenfotos habe ich dann in dritter Reihe absolviert. Seither habe ich immer eine Notfalllösung im Gepäck.

"Allenfalls noch Krawatte"

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Berufsbedingt bin ich was das Shoppen anlangt promiskuitiv und betreibe das quer über alle Kanäle. Es geht mir einerseits um das Einkaufserlebnis, andererseits darum, dass ich mich immer nach Verbesserungsmöglichkeiten und Ideen für unser eigenes Business umschaue.

Kurz & knapp: Krawatte oder Fliege?

Allenfalls noch Krawatte.

Rasur: trocken oder nass?

Nass.

Anzug: Doppel- oder Einreiher?

Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Outdoor-Jacke.

Barfuß oder Lackschuh?

Beides, jeweils zur passenden Gelegenheit.



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