Karriere4 Fakten zum Bildungsurlaub

Um sich weiterzubilden, können Beschäftigte Bildungsurlaub nehmendpa

77 Prozent der Beschäftigten sind laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) an Fortbildungen interessiert – aber nur ein bis zwei Prozent nehmen Bildungsurlaub, obwohl es fast überall einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt. Einige Beschäftigte kennen ihre Freistellungsansprüche nicht, andere verzichten, weil sie befürchten, ein Antrag auf Bildungsurlaub werde im Betrieb nicht gern gesehen. Diese 4 Dinge sollten Sie wissen.

#1 Welche Ansprüche habe ich?

Bildungsurlaub ist bezahlter Urlaub zusätzlich zum regulären Urlaubsanspruch. Regelungen dazu gibt es in fast allen Bundesländern, Ausnahmen sind Sachsen und Bayern. Das schließt aber nicht aus, dass Beschäftigte versuchen können, individuell etwas auszuhandeln. In der Regel können fünf Tage pro Jahr oder zehn Tage in zwei Jahren genommen werden. Diese Angaben beziehen sich auf Vollzeitbeschäftigte mit einer Fünf-Tage-Woche; arbeitet ein Angestellter weniger als fünf Tage pro Woche, verringert sich der Anspruch entsprechend. Ob jemand Anspruch hat, kann auch von der Betriebsgröße und der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängen. Für Auszubildende gelten Sonderregelungen. Informationen über die Bildungsurlaubsgesetze der Bundesländer gibt es etwa beim DGB.

#2 Welche Kurse sind erlaubt?

Wichtig ist nur, dass die Fortbildung offiziell als Bildungsurlaub anerkannt ist. Ihr Inhalt muss nicht in Zusammenhang mit dem Job stehen, und der Arbeitgeber darf nicht vorgeben, was Sie belegen sollen. Sie können also auch einen Japanisch-Crashkurs absolvieren, wenn klar ist, dass Sie die Sprache in Ihrem Unternehmen niemals brauchen werden. Auch politische oder sogenannte persönlichkeitsbildende Seminare dürfen belegt werden. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entschied im Jahr 2018 beispielsweise, dass ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiter auch für einen Yogakurs freistellen musste. Ablehnen darf der Chef aber, wenn die die Behörden eine Veranstaltung nicht als Bildungsurlaub anerkennen, der Antragsteller Fristen versäumt hat oder dringende betriebliche Gründe dagegensprechen. Diese Ablehnung muss schriftlich und binnen einer Frist erfolgen.

#3 Wer bezahlt den Bildungsurlaub?

Die Kosten muss der Arbeitnehmer allein tragen – und zwar komplett: An- und Abreise, Unterkunft, mögliche Lehrmittel. Die Ausgaben können aber in der Steuererklärung angesetzt werden.

#4 Wie gehe ich am besten vor?

Informieren Sie sich über Ihren Anspruch sowie anrechenbare Seminarangebote und melden Sie sich beim Veranstalter an. Vom Bildungsträger bekommen Sie die Unterlagen, um beim Arbeitgeber Bildungsurlaub zu beantragen. Reichen Sie den Antrag gemäß den gesetzlichen Fristen beim Chef ein. Stimmt dieser zu, ist ohnehin alles klar. Aber auch keine Antwort innerhalb der Frist bedeutet, dass Ihr Vorhaben als genehmigt gilt. Ihre Teilnahme am Bildungsurlaub ist nun aber auch verpflichtend. Nach Ende des Kurses sollten Sie Ihre Teilnahmebestätigung vom Arbeitgeber quittieren lassen.