GeldwäscheWie Kriminelle mit Immobilien Geld waschen

Symbolbild Geldwäsche
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Der Stein kam im Oktober 2014 ins Rollen. Damals brachen mehrere Männer in eine Berliner Sparkassen-Filiale ein und entwendeten rund 9,3 Mio. Euro. Die Polizei fasste die Täter, doch die Beute blieb verschollen – bis der Bruder eines der Täter plötzlich mehrere Wohnungen und Grundstücke in Berlin und Umgebung kaufte. Das kam den Ermittlern komisch vor, denn der Immobilienkäufer hatte bis dahin von Hartz IV gelebt. Der Verdacht der Polizei: Der Mann könnte versuchen, mit dem Kauf der Immobilien Geld aus dem Sparkassen-Einbruch zu waschen. Die Ermittler wühlten sich durch Kontobewegungen und Grundbücher und schlugen schließlich im Juli 2018 zu. Sie beschlagnahmten 77 Wohnungen, Häuser und Grundstücke im Wert von insgesamt rund 9 Mio. Euro.

Fachleute wie Edda Müller sehen in spektakulären Fällen wie diesem nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um Geldwäsche in der deutschen Immobilienbranche geht. Müller ist Honorarprofessorin an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer und forscht seit vielen Jahren zu Korruption und Geldwäsche. Seit 2010 ist sie Vorsitzende von Transparency International. Die Antikorruptionsorganisation hat Ende vergangenen Jahres eine Studie veröffentlicht, nach der 15 bis 30 Prozent aller kriminellen Vermögenswerte hierzulande in Immobilien investiert sein sollen. Der deutsche Immobilienmarkt sei ein Tummelplatz für „Schwerkriminelle und Korrupte“, die ihr Geld in Deutschland waschen wollen, heißt es in dem Bericht.

Geldwäscher missbrauchen das Vertrauen der Bürger

Müller zufolge ist der deutsche Immobiliensektor aus mehreren Gründen bei Geldwäschern so beliebt: Zum einen unternehme die Bundesregierung viel zu wenig, um gegen Betrüger vorzugehen. „Die geltenden Gesetze sowie die Ausstattung der Ermittlungsbehörden stehen auch angesichts der Grenzenlosigkeit internationaler Finanzströme in keinem Verhältnis“, kritisiert die Transparency-Expertin. Auch Immobilienmakler, Notare und Anwälte sind ihrer Ansicht nach Teil des Problems. Das Geldwäschegesetz sieht vor, dass sie nach dem Prinzip „Kenne deinen Kunden“ handeln und sich bei den Behörden melden, falls ihnen eine Transaktion verdächtig vorkommt. Die Zahlen zeigen aber, dass die entscheidenden Akteure praktisch keine Fälle melden und kaum zur Geldwäschebekämpfung beitragen.

Haus- und Wohnungseigentümer müssen vorsichtig sein, wenn sie ihre Immobilie verkaufen oder vermieten möchten. Geldwäscher missbrauchen häufig das Vertrauen ahnungsloser Bürger, mahnt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK). So kommt es immer wieder vor, dass Betrüger Wohnungen anmieten und die geforderte Kaution bezahlen, nur um den Mietvertrag nach kurzer Zeit wieder zu kündigen. „Falls der Vermieter dann dazu aufgefordert wird, die Mietkaution auf ein ausländisches Konto zu überweisen, sollte er vorsichtig sein, denn eine solche Transaktion könnte der Geldwäsche dienen“, warnt die Polizei.

Zentrales Grundbuch kann Kriminelle abschrecken

Beim Immobilienverkauf sollten Eigentümer hellhörig werden, wenn ein Käufer einen Teil oder gar die gesamte Transaktion in bar abwickeln will. Dahinter kann nicht nur der Wunsch stecken, Notargebühren und Grunderwerbsteuer zu sparen. Sondern auch das Ziel, die Herkunft des Geldes zu verschleiern. Stehen der Kaufpreis und das Einkommen des Interessenten in einem offensichtlichen Missverhältnis zueinander, kann das ebenfalls ein Indiz für Geldwäsche sein.

Fortschritte im Kampf gegen illegale Immobilientransaktionen verspricht sich Transparency-Expertin Müller durch die Digitalisierung und Zentralisierung der Grundbücher durch die Länder. Der Gedanke dahinter: Ein zentrales Grundbuch, das jederzeit öffentlich einsehbar ist, dürfte Geldwäscher abschrecken. Zudem fordert Müller mehr Personal für die Geldwäschefahndung. Auch solle die Politik die Schweigepflicht für Notare bei Verdachtsfällen aufheben und die Nennung der wahren Besitzer vorschreiben. Letzteres sieht immerhin auch die fünfte Geldwäscherichtlinie der EU vor, die im Juni 2017 in Kraft getreten ist. Spätestens im Jahr 2020 muss das Gesetz auch in Deutschland umgesetzt werden.