KfW-Kredite Klimafreundlich bauen: Die Messlatte für KfW-Kredite wandert höher

Der energetische Effizienzstandard eines Gebäudes setzt sich aus dem Gesamt­energie­bedarf und der Wärme­dämmung zusammen.
Der energetische Effizienzstandard eines Gebäudes setzt sich aus dem Gesamt­energie­bedarf und der Wärme­dämmung zusammen.
© IMAGO / Westend61
Wirtschaftsminister Robert Habeck treibt neue Milliarden auf, um Antragsteller nicht im Regen stehen zu lassen. Aber staatliche Zuschüsse winken für Neubauten künftig nur für höhere Effizienz.

Unmut, Enttäuschung und Zorn hat der abrupte Förderstopp für energiesparendes Bauen und Sanieren bei vielen Menschen ausgelöst. Das hat Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck offen eingeräumt. Umso mehr hofft er auf einen „Erleichterungsseufzer“ – nun da er neues Geld aufgetrieben hat , um wenigstens die zuletzt gestellten, aber in der Luft hängenden Anträge auf bezuschusste Kredite der KfW-Bank zu bescheiden. Damit mag er den Shitstorm kleiner wie großer Bauträger auf die Bundesregierung gestoppt haben – was bleibt, ist jedoch das endgültige Aus der liebgewonnenen Subventionierung von Neubauten, die dem Energieeffizienzstandard 55 entsprechen.

Da diese vor Jahren gesetzte Messlatte heute in der Bauwirtschaft gängige Praxis ist – und daher keiner Belohnung mehr bedarf –, werde die „Überförderung“ eingestellt, so Habeck. Jeder durchschnittliche Neubau konnte sie bekommen. Die Summe der bewilligten Kredite für ein sogenanntes Effizienzhaus 55 (EH55) lässt darauf schließen, dass zu den Nutznießern sehr viele große Wohnprojekte gehören. So flossen Milliarden gar nicht in den Klimaschutz, sondern als willkommener Bonus an die Bauherren. Derartige Mitnahmeeffekte waren in dem Gewerbe offenbar geläufig, das nun nach einer „Geradeaus-Politik der Ampel“ und einer „verlässlichen und kontinuierlichen Förderung“ ruft.

Künftig will die Bundesregierung daher auch die sozialen Zielsetzungen des Wohnungsbaus und die energetische Transformation im Dienste des Klimaschutzes sinnvoller voneinander trennen. Was sich für Bauherren aber bereits abzeichnet: Klimaschutz im Neubau wird nur noch bei strengeren Auflagen mit KfW-Zuschüssen belohnt. Dort wird die Effizienzklasse EH40 die neue EH55. Letztere bleibt Richtwert allein für energetische Sanierungen. Die KfW-Bank wird, wie Habeck diese Woche ankündigte, zügig ein „leicht modifiziertes Programm“ für EH40-Neubauten und EH55-Sanierungen aufsetzen. Das soll „nicht sehr lange“ dauern. „Wir reden über Tage und Wochen, nicht über Monate.“

Anträge umschreiben

Nun ist die Flexibilität der Bauherren gefragt. Denn in dieser veränderten Förderkulisse sollen neue Anträge folglich auf Standard EH40 umgeschrieben werden – beziehungsweise „das Design der Häuser nochmal verändert werden“, so der grüne Minister. Doch darin liege auch der Zweck der Operation: Überförderung unterbinden und Energieeffizienz steigern. In der Praxis ist das allerdings leichter gesagt als getan. Die nächst-ambitionierte Stufe liegt eher eine Etage höher als ein bloßes Treppchen. Experten warnen, ein paar Zentimeter mehr Dämmung der Wand erfüllen sie bei weitem nicht.

So ist bei einem KfW-Energieeffizienzhaus 40 in der Gesamtbetrachtung der Verbrauch von Wärmeenergie um 60 Prozent geringer als bei einem vergleichbaren Neubau, und um 15 Prozent geringer als beim EH55. Der geringere Bedarf wird durch einen umfangreicheren Wärmeschutz und eine hochwertige Dach- und Bodenplattendämmung erreicht. Ein Haus dieses Standards muss luftdicht sein und ausschließlich regenerative Energien nutzen. Laut KfW kann es sich beispielsweise aus einer Kombination von Solaranlage, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Holzpellets handeln.

„Das ist schon eine knackige Anforderung“, sagt der Effizenz-Experte Christian Handwerk von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wände, Heizung, Fenster, Dach – alles gehöre in die Gesamtbetrachtung. Bauherren, die noch flexibel sein könnten, müssten überlegen, wie sie planerisch upgraden: Will heißen, etwa die Dämmung der Außenwand um fünf bis sechs Zentimeter, die des Daches vielleicht um sechs bis sieben Zentimeter erhöhen, und möglicherweise beim Einbau der dreifachverglasten Fenster noch besser werden. Das könne eventuell schon ausreichen, da die Gebäudehülle auch den Energieverbrauch reduziere, sagt Handwerk. Die Art der Heizung sei dann meist das kleinere Problem.

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© Verbraucherzentrale Bundesverband

Der Energieberater werde auch bei der baulichen Konstruktion genauer auf Stellen achten, wo Wärme leicht nach außen entweichen könne, so der Energie-Experte weiter. Sogenannte Wärmebrücken an Bauteilanschlüssen etwa zwischen Wand und Dach, wo Dämmung und Holzträger aneinanderschließen, spielten hier eine große Rolle. „Das erfordert eine spezielle Software und einen hohen planerischen wie baulichen Aufwand.“ Der lohne sich jedoch aus Sicht des Verbrauchers. Der Kreditbetrag beläuft sich auf bis zu 120.000 Euro pro Wohneinheit – und der Tilgungszuschuss erreicht maximal 45 Prozent.

Verschlanktes Modell

Bislang. Denn hier will der Wirtschaftsminister beim bevorstehenden Anschluss des Effizienzprogramms wohl den Rotstift ansetzen. Zumindest kündigte er an, die Fördersumme zu reduzieren und bis Jahresende einen Deckel von 1 Mrd. Euro einzuziehen. Damit solle verhindert werden, dass noch einmal kurz vor knapp ein Run auf Förderkredite die Mittel erschöpft, wie es im Januar für den milderen Standard der Fall war. Auch ist die Befristung des EH-40 bis Jahresende vorgesehen, weil dann das neue Programm „klimafreundliches Bauen“ die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ablösen soll.

Das wird aber erst erarbeitet. Es soll umfassender als der bisherige Rahmen für energetisches Bauen und Sanieren werden – und auch EU-Vorhaben im Blick haben, die innerhalb des „Fit for 55“-Projekts und in geplanten Gebäudeeffizienz-Richtlinien in der Mache sind. Laut Habeck werde die neue Förderkulisse über klimafreundliche Dämmung und energetische Versorgung hinaus auch beispielsweise die Anbindung an Netze oder die Förderfähigkeit von intelligenten Häusern berücksichtigen. Außerdem soll die Reform dort gezielter ansetzen, wo das Potenzial für CO2-Einsparungen am höchsten ist: nämlich bei der Gebäudesanierung.

Bis dahin – „um gut zu werden, braucht es ein wenig Zeit“, sagt Habeck – können Hausbauer damit rechnen, dass die KfW-40-Förderung mit geringerem Satz und die KfW-55-Förderung für Sanierungen „etwas anders aufgesetzt aber in der Logik gleich“ fortgeführt werden. Die Notbremse für die unterste Neubau-Stufe der Förderung sei dennoch zwingend notwendig gewesen – dabei bleibt der grüne Minister. Doch sollen mit einer Notlösung rund 24.000 angestaute Anträge, die bis zum Stopp am 24. Januar eingegangen sind, von der KfW nach den bisherigen Programmkriterien noch geprüft, und die förderfähigen genehmigt werden.

Dafür stehen 5 Mrd. Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Von den Anträgen entfielen übrigens laut einer Sprecherin rund 700 auf Sanierungen, 20.200 auf Neubauten nach dem gestoppten Effizienzhaus-Standard 55 – und nur 3000 auf EH40.

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