Anzeige
Anzeige

Hauskauf Bausparsofortdarlehen: Zinssicherheit mit Fallstricken

Wer sein Haus mittels Bausparsofortdarlehen finanzieren will, muss einige Fallstricke beachten
Wer sein Haus mittels Bausparsofortdarlehen finanzieren will, muss einige Fallstricke beachten
© IMAGO / CHROMORANGE
Sollten die Bauzinsen weiter steigen, könnten Kombi-Produkte von Bausparkassen auf den ersten Blick eine gute Wahl für Hauskäufer sein. Sogenannte Bausparsofortdarlehen eignen sich aber nur für sehr kleine Kundengruppe

Wer ein Haus kaufen will und eine Bausparkasse um Unterstützung bittet, bekommt nicht unbedingt den klassischen Bausparvertrag angeboten. Damit spart man schließlich zunächst Kapital an und bekommt erst Jahre später ein Darlehen. Das nützt Kunden nichts, die ihr Traumhaus schon gefunden haben. Bausparkassen – ebenso wie einige Banken – haben noch etwas anderes in petto: Bausparsofortdarlehen, eine Art von Tilgungsaussetzungsdarlehen.

Auf den ersten Blick sind diese Produkte im aktuellen Marktumfeld eine gute Wahl, denn sie bieten Zinssicherheit, und die Bauzinsen dürften tendenziell weiter steigen. Auf den zweiten Blick bergen sie allerdings viele Fallstricke.

Skepsis bei Verbraucherschützern

Bausparsofortdarlehen kombinieren, wie ihr Name andeutet, ein Sofortdarlehen und einen Bausparvertrag. Kunden bekommen zunächst ein sogenanntes Vorabdarlehen und schließen zugleich einen Bausparvertrag ab. In der ersten Phase zahlen sie die Zinsen für das Darlehen, aber keine Tilgung, und besparen zudem den Bausparvertrag. Ist dieser zuteilungsreif, tilgt man einen Teil des Vorabdarlehens mit der bis dahin aufgelaufenen Bausparsumme.

In der zweiten Phase nimmt man ein Bauspardarlehen auf, mit dem man den Rest des Vorabdarlehens ablöst. Man zahlt dann, anders als zuvor, eine monatliche Rate für das Bauspardarlehen, die sich aus Zins und Tilgung zusammensetzt. Der Vorteil: Die Zinsen für das Bauspardarlehen werden bei Vertragsabschluss festgelegt. Kunden können sich also über Zinssicherheit freuen und zugleich staatliche Förderungen fürs Bausparen nutzen, etwa Wohnungsbauprämien oder Arbeitnehmersparzulagen.

Verbraucherschützer sind von den Kombi-Darlehen nicht gerade begeistert . Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen führt mehrere Argumente dagegen ins Feld:

  • Wann Bausparverträge zuteilungsreif sind, lässt sich schwer vorhersagen, denn die Zuteilungsreife hängt unter anderem davon ab, wie viele neue Bausparer hinzukommen. Verzögert sich die Zuteilung, ist eine Zwischenfinanzierung notwendig – Zinshöhe unbekannt. Das kann die Finanzierung insgesamt teurer werden lassen als gedacht.
  • Theoretisch sollen Bausparsumme und Bauspardarlehen das Vorabdarlehen ablösen. Dafür muss man allerdings alle Raten fein aufeinander abstimmen, insbesondere die Bausparraten muss hoch genug sein. Entsteht eine Lücke, benötigt man unter Umständen eine Anschlussfinanzierung. Auch dann kann es teurer werden als ursprünglich veranschlagt.
  • Weil zwei Kredite im Spiel sind, kann sich die monatliche Rate in Phase eins und Phase zwei unterscheiden. Die Planungssicherheit ist also auch in dieser Hinsicht nicht unbedingt so hoch wie gedacht.
  • Bausparsofortdarlehen sind teuer. Viele Anbieter nehmen bei Abschluss des Bausparvertrags rund ein Prozent der Bausparsumme als Provision. Zusätzlich fällt in der Regel ein laufendes Entgelt an. Und: Die Zinsen für den Bausparvertrag in Phase eins sind sehr niedrig. Der durchaus günstige Zinssatz für das Baudarlehen in Phase zwei kann diese Kostennachteile nicht immer ausgleichen, sodass Hauskäufer mit einem klassischen Annuitätendarlehen von der Bank in den meisten Fällen günstiger davonkommen.

Eigenkapital nötig

Sollte man also von Bausparsofortdarlehen grundsätzlich die Finger lassen? Jein: In seltenen Fällen können die Produkte eine gute Wahl für angehende Immobilienbesitzer sein. Wer sofort ein Haus kaufen will und bei der Finanzierung Wert auf Planbarkeit legt, der kann ein Bausparsofortdarlehen zumindest in Betracht ziehen.

Zwar müssen dessen unterschiedliche Raten sorgfältig austariert werden, damit es mit der Zinssicherheit klappt. Dafür ist aber, anders als beim klassischen Bankkredit, keine Anschlussfinanzierung nötig. Zugleich können Bausparsofortdarlehen je nach Zinsentwicklung günstiger sein als Forward-Darlehen oder Kredite mit sehr langer Laufzeit – zwei andere Möglichkeiten für Hauskäufer, sich die heutigen Zinsen für die Zukunft zu sichern.

Über ihre komplizierte Konstruktion hinaus haben Bausparsofortdarlehen, ebenso wie andere Baufinanzierungen, Vor- und Nachteile. Zu Letzteren gehört laut dem Finanzierungsvermittler Dr. Klein, dass Kunden in jedem Fall Eigenkapital mitbringen müssen. Eine Hundert-Prozent-Finanzierung ist mit dieser Art von Darlehen nicht möglich.

Zudem sind die Angebote in der ersten Phase der Laufzeit sehr unflexibel. Man kann etwa keine Sondertilgungen leisten. Das geht in der Regel nur in Phase 2. Einen Vorteil können hingegen Hauskäufer haben, die eine Immobilie als Kapitalanlage kaufen wollen, also um sie zu vermieten: Liegen die Zinsen für das Darlehen höher als die Mieteinkünfte, kann man sie in der Steuererklärung geltend machen. Die Tilgung eines Annuitätendarlehens kann man dagegen nicht von der Steuer absetzen.

C+_Logo (1)

Kennen Sie schon Capital+ ? Unser werbefreies Premium-Angebot mit dem Besten aus Print und Online. Jetzt 30 Tage kostenlos testen!

Mehr zum Thema

Neueste Artikel