Immobilien Albtraum statt Traumhaus: Teilnehmer klagen nach Renovierungsshows

Jonathan Scott und Drew Scott stellen ein Buch vor
Jonathan Scott und Drew Scott sind die Hosts der TV-Show "Property Brothers"
© Getty Images
In TV-Shows werden heruntergekommene Häuser zu Traumimmobilien umgestaltet. Doch nicht immer arbeiten die Handwerkerteams gut und sauber

Eine in die Jahre gekommene Immobilie verwandelt zum Vorzeigehaus und das große Makeover wird gefilmt – in den USA sind solche TV-Shows seit Jahren der Hit. Auch in Deutschland laufen Renovierungssendungen im Fernsehen. Die Fälle sind unterschiedlich, aber die Erzählung ist immer die gleiche: Ein Team aus Moderatoren, Bauunternehmerinnen und Handwerkern motzt die alte Immobilie auf und die Hausbesitzerinnen bzw. -besitzer bekommen am Ende ein rundum erneuertes Heim übergeben. 

Doch wie Recherchen der „New York Times“ zeigen, läuft bei den Renovierungsshows offenbar nicht immer alles astrein. In mehreren Fällen stehen Vorwürfe von Inkompetenz, Nachlässigkeit und schlampiger Ausführung im Raum. Das behaupten ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Shows. Mindestens ein Dutzend von ihnen hat deshalb gegen die entsprechenden Produktionsfirmen der Sendungen geklagt, wie es in dem NYT-Bericht heißt.

Strenge Vertraulichkeitsklauseln

Die ehemaligen Teilnehmer behaupten demnach, dass ihnen zwar ein Traumhaus versprochen wurde, das Ganze schließlich aber in einem baulichen Albtraum endete. Die „New YorkTimes“ verweist auf Gerichtsunterlagen, aus denen hervorgehe, dass mindestens ein Dutzend Klagen außergerichtlich beigelegt wurden. Einzelheiten würden durch strenge Vertraulichkeitsvereinbarungen verschleiert. Auf Social-Media-Plattformen wie Instagram sei die Zahl der öffentlichen Beschwerden allerdings deutlich höher.

Der Bericht nennt vier Fälle und Shows, um die es geht: „Property Brothers“, „Love It or List It“, „Flip or Flop Las Vegas“ und „Renovate My Family“. Mindy und Paul King aus Las Vegas etwa traten 2019 in der Sendung „Property Brothers" auf. Inzwischen verklagen sie die Produktionsfirma, die die Sendung für HGTV produziert, wegen Betrugs, falscher Angaben und mangelhafter Ausführung. Die Bauweise verstoße gegen Vorschriften und berge Sicherheits- und Gesundheitsrisiken, sagt das Ehepaar.

Renovierung selbst zahlen

Generell müssen die teilnehmenden Hausbesitzer in den meisten Fällen die Kosten für die Renovierung selbst tragen, schreibt die Zeitung. In fast allen Verträgen werden sie außerdem darüber informiert, dass zusätzliche Leistungen wie kostenlose Materialien und der Zugang zu Experten im Ermessen der Produzenten liegen. Sollte etwas schiefgehen, dürfen sie sich darüber für gewöhnlich nicht öffentlich beschweren. Die Verträge verbieten ihnen sogar – zumindest theoretisch – mit Freunden oder Verwandten über die Sendung zu sprechen.

Die Sender kaufen in der Regel die Vertriebsrechte von den Produktionsfirmen. Die prominenten Moderatoren sind zwar oft ebenfalls rechtlich an den Sendungen beteiligt, doch vor Ort haben laut Bericht die Produktionsfirmen das Sagen. Wenig mitreden dürfen demnach die Eigentümer. Betroffene erzählten der „New York Times“, dass sie Begeisterung vortäuschen sollten, obwohl sie schon bei der Hausübergabe Baumängel entdeckt hatten. Oft mussten Einstellungen deshalb mehrfach gedreht werden.

Im Fall der Kings ging es sowohl um Schönheitsfehler als auch um Elektroarbeiten. Diese seien, so heißt es in der Klage, ohne ordnungsgemäße Genehmigung durchgeführt worden. Die Kings haben nun eine sogenannte Chapter-40-Klage eingereicht. Das ist der erste Schritt, den der Bundesstaat Nevada bei Streitigkeiten im Bauwesen vorschreibt, um einen Rechtsstreit zu vermeiden und den Bauunternehmern eine letzte Chance zur Reparatur zu geben.

Klage folgt Gegenklage

In ihrer Beschwerde an das Nevada State Contractors Board führte das Ehepaar mehr als 90 Mängel an ihrem Haus auf und verlangte laut Bericht ursprünglich 1.477.500 Dollar an Wiedergutmachung. Nach einer Untersuchung des Hauses im September 2020 stellte die Bauaufsichtsbehörde allerdings nur zehn Mängel fest, deren Reparaturkosten sie auf 94.672 Dollar schätzte. Den Bauunternehmer Villa Construction wies sie an, diese zu beheben. Der „Times“ gegenüber behauptet die Produktionsfirma Cineflix, die Kings hätten dem Bauunternehmer daraufhin den Zugang zum Haus verweigert, außerdem würde das Paar irreführende Informationen verbreiten.

„Dies ist ein offensichtlicher Versuch der Kings, Aufmerksamkeit und finanziellen Gewinn zu erlangen, während die Angelegenheit noch vor Gericht verhandelt wird“, heißt es in der Erklärung von Cineflix. „Cineflix und Villa Construction sind verpflichtet, auf die Chapter 40 Notice zu reagieren, die die nächsten Schritte vorgeben wird. Obwohl wir eine Reihe von Mängeln bestreiten, sind wir nach wie vor entschlossen, die Chapter-40-Klage zu lösen.“ Am 25. Mai entschied ein Richter, dass der Fall nun vor Gericht verhandelt wird.

Betroffene, die sich gegen Produktionsfirmen wehren, müssen sich auf Gegenklagen einstellen. Die Zeitung nennt einen weiteren Fall, in dem Hauseigentümer gegen die Verantwortlichen der Fernsehsendung „Love It or List It“ wegen Vertragsbruch und mangelhafter Verarbeitung klagten – und dann selbst wegen Verleumdung, übler Nachrede und Produktverunglimpfung verklagt wurden. Die Klage ging bis zum Berufungsgericht von North Carolina, wurde am Ende aber abgewiesen. Die Bedingungen des Vergleichs sind vertraulich.


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